28.12.2005 · Die Behörden von Beslan sind mitverantwortlich für das Geiseldrama im September 2004. Das ist das Ergebnis eines russischen Parlamentsausschusses. Das Drama hätte demnach verhindert werden können.
Die Behörden von Beslan sind nach Einschätzung eines russischen Parlamentsausschusses mitverantwortlich für das Geiseldrama in einer Schule im September 2004. Die Polizei habe Anordnungen ignoriert, die Sicherheitsvorkehrungen in Schulen zu verstärken, wurde der Leiter des Ausschusses, Alexander Torshin, am Mittwoch vom Fernsehsender RIA-Nowosti zitiert. Dadurch sei die Geiselnahme erst möglich geworden. Zudem seien die Bemühungen zur Befreiung der Geiseln von „Fehleinschätzungen und Mängeln“ geprägt gewesen.
Das russische Innenministerium habe die Polizei in Nordossetien weniger als zwei Wochen vor dem Geiseldrama zu besonderen Sicherheitsvorkehrungen am ersten Schultag aufgefordert, heißt es in dem vorläufigen Bericht Torshins. Auf der Grundlage von Geheimdienstinformationen seien am 21. und 31. August entsprechende Telegramme an das Innenministerium von Nordossetien verschickt worden. „Das hätte den Terrorakt verhindern können“, sagte Torshin.
Zahl der Geiseln untertrieben
Die örtlichen Behörden hätten ferner die Zahl der Geiseln nicht wahrheitsgemäß angegeben. Statt von den tatsächlichen mehr als 1000 Kindern und Erwachsenen hätten sie auch am zweiten Tag des Dramas von lediglich 354 Geiseln berichtet. Dazu komme eine schlechte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen. Viele Polizisten hätten gar nicht gewußt, wie sie sich bei einer Geiselnahme verhalten sollten.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß zu dem Terrorakt zunächst abgelehnt. Die russische Justiz hatte noch am Dienstag erklärt, die Behörden von Beslan hätten keinerlei Vorschriften verletzt.
Extremisten hatten am 1. September 2004 eine Grundschule im nordossetischen Beslan überfallen und mehr als 1000 Schüler, Lehrer und Eltern als Geiseln genommen, um einen Abzug der russischen Truppen aus der Nachbarprovinz Tschetschenien durchzusetzen. Nach drei Tagen stürmten Sicherheitskräfte das Schulgebäude. Dabei kam es zu heftigen Feuergefechten und dem Einsatz von Sprengstoff, bei dem 331 Menschen getötet wurden, darunter auch 186 Kinder.
Die Angehörigen haben den Behörden wiederholt Versagen vorgeworfen. Bei der Befreiungsaktion habe die Polizei unnötig viele Flammenwerfer und Granaten eingesetzt und damit noch zusätzlich zum Tod zahlreicher Unschuldiger beigetragen, hieß es.