26.05.2006 · Ein russisches Gericht hat den einzigen überlebenden Geiselnehmer von Beslan zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Drama in der Schule der Stadt kostete 331 Menschen ihr Leben.
Ein russisches Gericht hat den einzigen überlebenden Geiselnehmer von Beslan am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht befand den tschetschenischen Zimmermann Nurpaschi Kulajew in allen Anklagepunkten - darunter auch Terrorismus und Mord - für schuldig.
Der 1980 geborene Tschetschene war 2004 an der gewaltsamen Besetzung einer Schule in Beslan beteiligt. Dabei waren 1300 Menschen als Geiseln genommen worden. Während des mehrtägigen Dramas und der Befreiungsaktion kamen 331 Menschen ums Leben, die Hälfte von ihnen waren Kinder.
Pannen, Versäumnisse, Inkompetenz
Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe gefordert. Deren Vollzug ist in Rußland jedoch ausgesetzt. Viele Überlebende haben den russischen Behörden vorgeworfen, Kulajew als Sündenbock zu gebrauchen, um von eigenem Versagen abzulenken.
Bei der Stürmung der Schule war es laut Augenzeugen zu schweren Pannen gekommen, die eine rasche medizinische Versorgung von Verletzten verhinderten. So seien Fahrzeuge mit blutenden Kindern wegen eines Verkehrsstaus nicht vorangekommen. Zudem habe die Feuerwehr nicht genug Löschwasser gehabt, und es seien schwere Waffen eingesetzt worden, obwohl das Schicksal zahlreicher Geiseln ungeklärt gewesen sei.
Auch eine offizielle Untersuchung stellte fest, daß Versäumnisse und Inkompetenz der Behörden zum Ausmaß der Tragödie beigetragen hätten, ohne allerdings Verantwortliche beim Namen zu nennen.