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Russland am Tag des Sieges : Putin provoziert den Westen mit Besuch auf der Krim

  • Aktualisiert am

Putin mit Verteidigungsminister Shojgu (vorne links) am Freitag in Sewastopol Bild: REUTERS

Erstmals seit der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel besucht der russische Präsident die Krim. Am Tag des Sieges über Nazi-Deutschland nahm er dort eine Truppenparade - wie schon am Morgen in Moskau, wo tausende Soldaten an Putin vorbeizogen.

          Vor der Volksbefragung in der Ostukraine über eine Abspaltung von Kiew stehen die Zeichen auf Konfrontation. Unbeirrt bereiteten prorussische Separatisten am Freitag ihr Referendum vor - ungeachtet einer Bitte des russischen Präsidenten Wladimir Putin um Verschiebung. Putin selbnst sendete nach zuletzt mäßigenden Tönen aber auch ein provozierendes Signal Richtung Westen:

          Im Anschluss an die traditionelle Militärparade in Moskau zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland reiste er demonstrativ auf die abtrünnige ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim, die Russland im März annektiert hatte. Es war Putins erster Besuch auf der Krim seit dem international nicht anerkannten Anschluss und ein Signal der Stärke.

          Er nahm dort eine Parade von 10 Kriegsschiffen sowie 70 Kampfflugzeugen und Hubschraubern zum Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus ab. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete die Visite als „unangemessen“, die Krim sei nach internationalem Recht weiterhin ukrainisches Gebiet. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU), wertete sie als Zeichen der Destabilisierung. Der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk hatte bereits im Vorfeld von einer „Provokation“ gesprochen.

          In Sewastopol war am Vormittag bereits eine Militärparade abgehalten worden. Die Stadt begeht gleichzeitig zum 69. Jubiläum des Kriegsendes auch den 70. Jahrestag der Befreiung. Sowjetische Truppen hatten Sewastopol am 9. Mai 1944 von der deutschen Wehrmacht zurückerobert.

          Militärspektakel auf dem Roten Platz

          Auch in Moskau feierte Russland den 9. Mai mit einer großen Militärparade. Bei strahlendem Frühlingswetter nahm Putin als Oberbefehlshaber den Aufmarsch auf dem Roten Platz im Zentrum der Hauptstadt ab - eine Demonstration der Stärke. „Der 9. Mai war, ist und bleibt unser wichtigster Feiertag“, sagte Putin bei der live im Staatsfernsehen übertragenen Waffenschau. Der Präsident versprach den Veteranen ein ewig Andenken. „Wir sind stolz auf Sie.“

          Lauthals auf den Roten Platz in Moskau Bilderstrecke
          Militärparade in Moskau : Putin würdigt Triumph des russischen Patriotismus

          Von der Ehrentribüne aus beobachteten auch zahlreiche mit Orden geschmückte Kriegsteilnehmer die Parade. Putin betonte, der eiserne Wille des sowjetischen Volkes habe Europa vor der Sklaverei gerettet. Die Krise in der Ukraine erwähnte er zunächst nicht.

          Nach der Nationalhymne und Salutschüssen marschierten etwa 11.000 Soldaten aller Waffengattungen über das Kopfsteinpflaster. Danach fuhren 151 Einheiten schwerer Militärtechnik auf, darunter atomar bestückbare Interkontinentalraketen. Am Himmel donnerten 69 Kampfflugzeuge und Hubschrauber über das Stadtzentrum.

          Putin würdigte bei der Parade den russischen Patriotismus. „Dies ist ein Feiertag, an dem die über alles siegende patriotische Kraft triumphiert, an dem wir alle besonders stark fühlen, was es  bedeutet, dem Mutterland treu zu sein, und wie wichtig es ist, für unsere Interessen einzustehen“, sagte Putin.

          Mit der Militärparade wird des Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, der am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation  der Wehrmacht zu Ende ging. In Russland wird der Sieg am 9. Mai gefeiert, da an diesem Tag die Kapitulation im Hauptquartier der Roten Armee im Berliner Vorort Karlshorst wiederholt wurde. Die russische Führung nutzt den Tat regelmäßig für patriotische Reden.

          Unterdessen sind bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten in der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol nach Angaben der ukrainischen Regierung mindestens 21 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern seien 20 Milizionäre und ein Polizist, erklärte Innenminister Arsen Awakow am Freitag auf Facebook. Bei den Kämpfen seien zudem fünf Polizisten verletzt worden, vier Rebellen seien festgenommen worden. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax versuchten ukrainische Militäreinheiten, ein von Separatisten
          besetztes Verwaltungsgebäude einzunehmen.

          Moskau : Russland erinnert mit Militärparade an den Sieg über Nazi-Deutschland

          Unterdessen unterstützen laut einer Umfrage mehr als zwei Drittel der Ukrainer den Erhalt der Einheit des Landes. Nach Angaben des amerikanischen Pew Research Center sprechen sich 77 Prozent der befragten Ukrainer für eine Einheit des Landes aus. Im Westen der Ukraine unterstützen den Angaben zufolge 93 Prozent der Befragten die Einheit, im Osten waren es 70 Prozent. Die Umfrage wurde Ende April durchgeführt - nach der Annexion der Krim durch Russland, aber noch vor den jüngsten Ausschreitungen in Odessa und anderen Städten im Osten des Landes.

          Die meisten Ukrainer stehen der Übergangsregierung in Kiew der Umfrage zufolge kritisch gegenüber. Lediglich 41 Prozent der Ukrainer (die Krim ausgenommen) meinten, dass die Zentralregierung eine positive Wirkung auf die Entwicklung des Landes habe. Eine zeitnah angesetzte Umfrage in Russland ergab, dass die Mehrheit der befragten Russen die Annexion der Krim und das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine-Krise befürworten. 83 Prozent der Befragten zeigten sich von Putins Fähigkeiten als Außenpolitiker überzeugt, während 92 Prozent ihr Land positiv einschätzten. 84 Prozent der Befragten hielten das umstrittene Krim-Referendum von Mitte März für fair.

          Quelle: FAZ.NET mit dpa/AFP

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