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Russischer Kampfjet : Erdogan lässt türkische Abschuss-Piloten festnehmen

  • Aktualisiert am

Will mögliche Verbindungen zweier türkischer Piloten zur Gülen-Bewegung untersuchen lassen: der türkische Präsident Erdogan Bild: Reuters

Der Abschuss eines russischen Kampfjets an der syrischen Grenze durch die Türkei sorgte im November für eine Eiszeit zwischen Ankara und Moskau. Jetzt sind zwei türkische Piloten festgenommen worden.

          Der türkische Präsident Erdogan hat zwei Piloten der türkischen Luftwaffe festnehmen lassen, die im November 2015 einen russischen Kampfjet an der syrischen Grenze zum Absturz gebracht haben sollen. Das erklärte Erdogan nach Angaben der „Bild“-Zeitung in einem Interview mit dem Fernsehsender „Al Jazeera“.

          Der Abschuss des russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe hatte im November für erhebliche Verstimmungen zwischen Russland und der Türkei geführt.

          Es solle geprüft werden, ob die Piloten in Verbindung zur Gülen-Bewegung stehen, die Erdogan für den gescheiterten Putschversuch am 15. Juli verantwortlich macht, so Erdogan. „Wir wissen noch nicht, ob dieser Vorfall und die Verbindungen dieser Menschen zusammenhängen“, sagte er weiter.

          Unterdessen ist der 15. Juli in der Türkei zum „Gedenktag für Märtyrer“ erklärt worden. Dies teilte Erdogan in der Nacht zum Freitag in einer Pressekonferenz in Ankara mit. „Kommende Generationen werden die Helden des Kampfes für die Demokratie nie vergessen“, sagte Erdogan laut der Nachrichtenagentur Anadolu an seinem Amtssitz.

          „Niederträchtigster Putschversuch in der Geschichte“

          Bei dem Putschversuch waren mehr als 260 Menschen ums Leben gekommen. Erdogan betonte, es sei notwendig, dass man sich weiterhin gegen den „hinterlistigsten und niederträchtigsten Putschversuch in der Geschichte des türkischen Volkes“ zur Wehr setze. Er rief dazu auf, die von der Regierung als „Demokratie-Wachen“ bezeichneten Versammlungen in den türkischen Städten fortzuführen. Die Bürger sollten sich versammeln und die zentralen Plätze der Städte besetzen, „bis unser Land diese schwere Phase vollständig hinter sich gelassen hat“.

          Am 29. November wird im türkischen Hatay der Leichnam des bei dem Abschuss getöteten russischen Piloten in Empfang genommen.
          Am 29. November wird im türkischen Hatay der Leichnam des bei dem Abschuss getöteten russischen Piloten in Empfang genommen. : Bild: dpa

          Der harte Kurs Erdogans nach dem gescheiterten Putschversuch stößt international weiter auf heftige Kritik. Auch die Stimmen, die Türkei müsse langfristig die Nato verlassen, wenn sie bei ihrer autoritären Politik bleibe, mehren sich. „Auf Dauer wäre es nicht akzeptabel, einen Partner im Verteidigungs- und Wertebündnis Nato zu haben, der nicht demokratisch verfasst ist“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), der Zeitung „Rheinische Post“. Bündnistreue und Bündnisfähigkeit der Türkei seien derzeit zwar gegeben, fraglich sei jedoch die Treue des Präsidenten Erdogans zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

          „Bei aller berechtigter Kritik an Erdogan: Wir müssen aufpassen, dass wir die Türkei nicht als Nato-Partner verlieren“, warnte hingegen der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, in der „Bild“-Zeitung.

          Türkei : Erdogan behält sich Verlängerung des Ausnahmezustands vor

          Quelle: dpa/oge.

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