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Putins Syrienstützpunkte : Viele Waffen, viele Söldner

Fernab der Heimat: Russische Soldaten im Kampfgebiet in Aleppo Bild: Reuters

Russland baute im syrischen Sheirat eine Luftwaffenbasis auf, denn die reguläre syrische Armee ist zerschlissen. Wie viele ausländische Truppen kämpfen für Assad?

          Nutzlos sei die syrische Armee, hatte Qassem Solaimani gesagt, der Kommandeur der iranischen Elite-Einheit der Qods-Brigaden. Damit tat er niemandem weh, und er provozierte auch kein Dementi. Denn ohne das Eingreifen Irans, der libanesischen Hizbullah und Russlands wäre das syrische Regime längst am Ende. Die reguläre Armee wurde in den sechs Jahren Krieg verschlissen wie die meisten Institutionen des syrischen Staats. Nur dank ihrer Schutzmächte und einiger Eliteeinheiten hat sie noch ein Minimum an Schlagkraft. Vor dem Beginn der Erhebung gegen das Regime im März 2011 hatte die Armee 325.000 Soldaten unter Waffen ausgewiesen. Zehntausende wurden in Kämpfen getötet und verwundet; vor allem die Wehrpflichtigen – die Wehrpflicht dauert 30 Monate – desertierten. So blieben lediglich 120.000 Soldaten übrig, die das Regime nur bedingt verlässlich einsetzen kann.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          So sollen 65.000 Soldaten des Heers Territorialgewinne halten. Schlagkräftig sind lediglich weitere 25.000 Soldaten, die zur 4. Panzerdivision, den Republikanischen Garden und weiteren Spezialeinheiten gehören. Sie haben beispielsweise bei der Schlacht um Aleppo an der Ostfront gekämpft, während die Hizbullah, iranische Einheiten und von Iran geführte schiitische Milizen die entscheidenden Siege an der Westfront erzielten. Die Marine spielt praktisch keine Rolle mehr. Die wenigen tausend Soldaten dienen nun in anderen Waffengattungen, auch in der Luftwaffe, die noch höchstens 15.000 Soldaten unter Waffen hat.

          50 Marschflugkörper des Typs Tomahawk

          Eine der wichtigsten Luftwaffenbasen ist Sheirat, das nun getroffen wurde. Russland hatte begonnen, sie – neben der Marinebasis Tartus und der Luftwaffenbasis Hmeimim nahe Latakia – für eigene Zwecke auszubauen. In Sheirat sind bereits russische Soldaten und Flugzeuge stationiert. Insgesamt soll die syrische Luftwaffe nach Angaben des International Institute of Strategic Studies (IISS) über zwei Geschwader des russischen Kampfflugzeugs MiG-29 verfügen sowie über jeweils vier Geschwader von MiG-21, MiG-23 und Su-22, von denen eines für den Giftgasangriff verantwortlich war.

          Der amerikanische Luftschlag galt der Luftabwehr von Sheirat. Dazu wurden bis zu 50 Marschflugkörper des Typs Tomahawk von zwei im Mittelmeer kreuzenden amerikanischen Zerstörern abgefeuert. Der unbemannte Marschflugkörper hat eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern und befördert Gefechtsköpfe mit einem Gewicht bis zu 450 Kilogramm. Zuletzt hatte ihn die amerikanische Armee im Irak gegen den IS eingesetzt und im Jemen gegen Al Qaida.

          Angriff der Amerikaner: Kontrollgebiete und Stützpunkte in Syrien

          Russland selbst setzt in Syrien Suchoi-Bomber der Typen Su-24M und Su-25 sowie die neuen Su-34-Jagdflugzeuge ein, ferner Su-30SM-Mehrzweckkampfflugzeuge. Hinzu kommen Kampfhubschrauber. Die Kampfflugzeuge und Bombenflugzeuge sind mit verschiedenen Arten Bomben und Gefechtsköpfen bestückt. Russland verlegte moderne Flugabwehrsysteme nach Syrien, etwa das Kurzstrecken-Raketenabwehrsystem Panzir, sowie Raketenabwehrsysteme der Typen S-300 und S-400. Etwa 4000 russische Soldaten sollen auf syrischen Luftwaffenbasen stationiert sein.

          Die Hizbullah kämpft mit bis zu 10.000 Bewaffneten in Syrien; die iranischen Qods-Brigaden, die Teil der Revolutionswächter sind. Weitere 20.000 schiitische Milizionäre aus mehreren Ländern kämpfen unter iranischem Kommando.

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