01.09.2009 · In einem in der polnischen Zeitung „Gazeta Wyborcza“ veröffentlichten Brief hat der russische Ministerpräsident Putin den Hitler-Stalin-Pakt verurteilt und als moralisch verwerflich bezeichnet. In Polen begrüßt man das Schreiben verhalten.
Von Michael Ludwig und Konrad SchullerDer russische Ministerpräsident Putin hat den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 verurteilt, durch den Hitler freie Hand für den Angriff auf Polen erhielt. In einem Artikel für die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ schreibt Putin, der Pakt sei ohne jeden Zweifel moralisch verwerflich gewesen. An diesem Dienstag wird Putin - neben Kanzlerin Merkel und zahlreichen anderen Regierungschefs - in Danzig an den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen teilnehmen. In den vergangenen Wochen hatte es zwischen Polen und Russland einen heftigen publizistischen Schlagabtausch gegeben, der sich auch an der unterschiedlichen Bewertung des Hitler-Paktes entzündet hatte.
Putin verwahrt sich aber dagegen, den Hitler-Stalin-Pakt als einzigen Auslöser des Kriegs zu betrachten. Nach dem Münchener Abkommen von 1938, mit dem England und Frankreich Hitler die Zerschlagung der Tschechoslowakei ermöglicht hätten, habe sich die Hoffnung auf eine Einheitsfront gegen den Faschismus zerschlagen. Die westlichen Demokratien hätten Hitlers Aggression nach Osten lenken wollen.
Es gebe auch in Putins Text Interpretationen
Es sei daher nachvollziehbar, dass die Sowjetunion in dieser Situation den deutschen Vorschlag für einen Nichtangriffspakt nicht abgelehnt habe. Putin äußerte Verständnis für die bitteren Gefühle der Polen wegen der Morde von Katyn, wo 1940 mehr als 20.000 polnische Offiziere und Intellektuelle auf Stalins Befehl erschossen wurden. Er rief Polen und Russen auf, gemeinsam das Andenken an die Opfer zu bewahren.
In Polen ist Putins Brief verhalten begrüßt worden. Der frühere Außenminister Rotfeld, der als ein Sprachrohr Ministerpräsident Tusks in historischen Fragen gilt, sagte, er sei „der Brief eines verantwortungsbewussten Staatsmanns“. Er unterscheide sich von der „verantwortungslosen und widerwärtigen Kampagne“ russischer Medien der vergangenen Tage. Ein Regierungssprecher sagte, Putin habe einen „anderen Ton“ angeschlagen als die russischen Autoren, die Polen beschuldigt hatten, einen Pakt mit Hitler gegen Russland geschmiedet zu haben. Doch gebe es auch in Putins Text Interpretationen, die „nicht vollständig mit der polnischen Wahrheit“ in Einklang stünden.
Michael Ludwig Jahrgang 1948, politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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Konrad Schuller Jahrgang 1961, politischer Korrespondent für Polen und die Ukraine mit Sitz in Warschau.
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