09.10.2006 · Der nordkoreanische Atomwaffentest wird international kritisiert. Die EU spricht von einem „provokativen Akt“, der UN-Sicherheitsrat will sich noch heute mit dem Vorfall befassen. Japan kündigte an, mit Washingtons Hilfe aufzurüsten.
Nordkoreas Atomwaffentest hat in aller Welt Ablehnung hervorgerufen und zu scharfen diplomatischen Reaktionen geführt. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte an, sein Land werde in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten aufrüsten. Bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sagte Abe am Montag, unter anderem solle das amerikanisch-japanische Raketenabwehrsystem ausgebaut werden. Tokio und Washington arbeiten seit 1998 gemeinsam an einem solchen System, nachdem Nordkorea eine Rakete abgefeuert hatte, die über die japanische Hauptinsel flog.
Die Bundesregierung verurteilte den Atomwaffentest und kündigte an, den nordkoreanischen Botschafter in Deutschland einzubestellen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Regierung in Pjöngjang setze „ihren Irrweg in die Selbstisolation weiter fort“. Der UN-Sicherheitsrat sei nun gefordert, dieser „Provokation eine entschlossene Reaktion entgegenzusetzen“. Das Gremium wollte sich noch am Montag mit dem Vorfall beschäftigen. Regierungssprecher Wilhelm nannte den Atomtest einen „unverantwortlichen Schritt, der geeignet ist, die Spannungen in der Region erheblich zu verstärken“.
Blair: „Absolut unverantwortlicher Akt“
Der britische Premierminister Tony Blair sagte, der Test sei ein „absolut unverantwortlicher Akt“ und „höchst provokativ“. Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy sprach von einer „sehr schlimmen Handlung mit weitreichenden Folgen für die internationale Sicherheit“ und forderte eine „entschlossene Antwort“. Auch die Vereinigten Staaten forderten den UN-Sicherheitsrat dazu auf, angesichts der „unprovozierten“ nordkoreanischen Aktion „sofort zu handeln“. In einer in Washington veröffentlichten Erklärung wurde bekräftigt, daß sich die Vereinigten Staaten dem Schutz und der Verteidigung ihrer Verbündeten in der Region verpflichtet sähen.
Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun nannte den Atomtest „eine schwere Bedrohung für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in der gesamten Region“. Der Test sei zudem ein „Betrug“ an den Nordkoreanern, die auf eine atomar abgerüstete Halbinsel hofften. Das Militär sei auf „jegliche Provokation“ aus Nordkorea eingestellt, drohte Roh. China bezeichnete den Test als „dreist“ und forderte Pjöngjang dazu aufgefordert, alles zu unterlassen, was die Lage weiter verschlechtern würde.
Auch der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte den Atomtest. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Putin am Montag mit den Worten, die Bemühungen zur Unterbindung der Weiterverbreitung von Atomwaffen hätten schweren Schaden genommen. Moskau forderte Nordkorea dazu auf, sein Atomprogramm beizulegen.
Nato: „Schlag ins Gesicht“
Die Europäische Union wertete den Atomtest als „provokativen Akt“. Der Test gefährde die regionale Stabilität und stelle eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit dar, hieß es in einer Erklärung der finnischen Ratspräsidentschaft. Nordkorea wurde dazu aufgefordert, sofort einen Stopp weiterer Atomtests zu erklären und umgehend die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche über sein Atomprogramm wieder aufzunehmen. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bezeichnete den Atomwaffentest als „Schlag ins Gesicht der internationalen Gemeinschaft“ sowie als „Bedrohung für den Weltfrieden“.
Auch die beiden südasiatischen Atommächte Indien und Pakistan wandten sich gegen Nordkoreas Atomwaffentest. Ein indischer Sprecher sagte, die Regierung in Neu Delhi sei darüber tief besorgt. Eine Sprecherin des pakistanischen Außenministeriums sagte in Islamabad: „Es ist bedauerlich, daß die Demokratische Volksrepublik Korea sich entschieden hat, den Rat der internationalen Gemeinschaft gegen einen Atomwaffentest zu ignorieren.“
Pakistan: Haben Nordkorea nicht unterstützt
Pakistan wies am Montag zugleich Vorwürfe zurück, Nordkorea bei der Entwicklung des Atomwaffenprogramms unterstützt zu haben. Der in seinem Heimatland Pakistan als „Vater der pakistanischen Atombombe“ verehrte Chefentwickler Abdul Qadeer Khan, hatte im Jahr 2004 eingestanden, Atomtechnologie illegal unter anderem an Nordkorea weitergegeben zu haben. Die Regierung in Islamabad betont stets, davon nichts gewußt zu haben, und stellte Khan unter Hausarrest.
Indische und kurz darauf pakistanische Atomwaffentests waren im Jahr 1998 international scharf kritisiert worden und hatten einen weltweiten Nuklear-Boykott gegen die beiden Länder ausgelöst. Weder Indien noch Pakistan haben den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet.
Iran hat am Montag mit diplomatischer Zurückhaltung auf den Atomwaffentest in Nordkorea reagiert. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte in Teheran, der allgemeine Standpunkt Irans sei klar. Teheran sei im Prinzip für eine atomwaffenfreie Welt. Er hoffe, daß die Verhandlungen über die nordkoreanischen Atomaktivitäten in einer Weise vorankommen, die sowohl den Interessen Nordkoreas als auch denen der internationalen Gemeinschaft gerecht werde. Iran selbst steht im Verdacht, mit seinem Nuklearprogramm nach Atomwaffen zu streben, was Teheran jedoch stets bestritt.
Südkorea setzt Hilfslieferung aus
Südkorea hat unterdessen eine geplante Lieferung von Hilfsgütern nach Nordkorea gestoppt. Die Regierung sagte das für Dienstag vorgesehene Auslaufen eines Schiffes ab, das 4000 Tonnen Zement nach Nordkorea bringen sollte, sagte ein Vertreter des Einigungsministeriums in Seoul. Diese Maßnahme sei jedoch vorläufig. Es müsse noch entschieden werden, ob weitere Hilfslieferungen nach Nordkorea gestoppt würden.
Südkorea hatte auch nach dem nordkoreanischen Raketentest Anfang Juli seine Hilfen für das verarmte Nachbarland ausgesetzt. Die Sanktion wurde etwa einen Monat lang aufrecht erhalten. Im August kündigte Seoul dann Hilfen für die nordkoreanischen Flutopfer im Umfang von 230 Millionen Dollar (rund 182 Millionen Euro) an. Das Hilfspaket umfaßt neben Zement auch andere Baumaterialien sowie Reis, Erste-Hilfe-Ausrüstung und Decken. Erst am Mittwoch hatte Seoul einen Teil dieser Hilfsgüter in den Norden geschickt, obwohl Pjöngjang bereits mit einem Atomtest gedroht hatte.
Nordkorea hatte in der Nacht den Test einer Atomwaffe bekanntgegeben. Über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA teilte die Regierung in Pjöngjang mit, der unterirdische Test sei sicher und erfolgreich verlaufen. Radioaktivität sei nicht in die Atmosphäre ausgetreten. (Siehe auch: Nordkorea meldet Atomwaffentest)
Mit dem Atomwaffentest vom Montag wurde Nordkorea zur achten erklärten Atommacht. Bisher hatten sieben Staaten offiziell erklärt, über die gefürchtete Waffe zu verfügen: die Vereinigten Staaten, Rußland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien und Pakistan. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie bestätigt; gleichwohl stufen Experten das Land als Atommacht ein.
Und WIR?!
Thorsten Pattberg (PhillipPaux)
- 09.10.2006, 15:07 Uhr
Endlich
Peter Sauermann (Delta9)
- 09.10.2006, 15:36 Uhr
Wiederaufbau oder Bunker ?
Knut Carsten Peters (kcp)
- 09.10.2006, 15:56 Uhr
Biometrie und Atom
gisbert heimes (gisbert4)
- 10.10.2006, 16:47 Uhr