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Rüstung : Firma aus Saudi-Arabien baut Gewehre in deutscher Lizenz

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Das deutsche Sturmgewehr G-36 der Firma Heckler & Koch auf der Homepage der saudischen Rüstungsfirma MIC. Bild: dapd

Das deutsche Rüstungsunternehmen Heckler & Koch hat einem Bericht zufolge Saudi-Arabien beim Bau einer Waffenfabrik unterstützt. Die staatseigene saudische Rüstungsfirma MIC produziert in Lizenz das deutsche Sturmgewehr G-36.

          Ein deutsches Rüstungsunternehmen hat einem Bericht zufolge Saudi-Arabien beim Bau einer Waffenfabrik unterstützt. Wie das ARD-Politikmagazin „Kontraste“ am Donnerstag berichtete, produziert die staatseigene saudiarabische Rüstungsfirma MIC in Lizenz das deutsche Sturmgewehr G-36 der Firma Heckler & Koch.

          Nach Informationen des Magazins bietet MIC das Sturmgewehr bereits zum Kauf an. Die Firma habe es auch schon auf einer Waffenmesse präsentiert. SPD-Fraktionsvize Gernot Erler sprach gegenüber dem Magazin von einem „empörenden Vorgang“, der aufgeklärt werden müsse. „Wenn Waffen aus deutscher Produktion angeboten werden auf dem internationalen, unkontrollierten Waffenmarkt, dann ist das ein so starker Verstoß gegen die Richtlinie, dass eine grundsätzliche Diskussion über die Lizenzvergabe angestoßen wird.“ Im Jahr 2000 hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung die Richtlinie verschärft, wonach es für Rüstungsexporte eine so genannte Endverbleibserklärung geben muss.

          „Lizenzen sollten nicht vergeben werden“

          Darin muss der Käufer schriftlich versichern, dass er weder aus Deutschland importierte noch mit deutschen Lizenzen gefertigte Waffen weiter verkauft. Erler forderte die Bundesregierung auf, dem Bundestag mehr Informationen zukommen zu lassen. Auch der Linken-Abgeordnete Jan van Aken kritisierte die Lizenzvergabe. „Lizenzen sollten nicht vergeben werden, weil man nie mehr Kontrolle über diese Waffenfabrik hat“, sagte er gegenüber „Kontraste“. Die Bundesregierung sowie Heckler & Koch teilten laut „Kontraste“ auf Anfrage mit, nicht gegen die Richtlinien für den Rüstungsexport verstoßen zu haben.

          Ein undatiertes Bilde des ARD-Magazins „Kontraste” zeigt den saudischen stellvertretenden Verteidigungsminister Khalid bin Sultan (r.) bei der Einweihung einer Gewehrfabrik der staatseigenen saudischen Ruestungsfirma MIC in Al-Kharj.

          Weitere Stellungnahmen zum konkreten Einzelfall lehnten beide unter Berufung auf das Geschäftsgeheimnis ab. In den vergangenen Wochen war die Bundesregierung von der Opposition wegen eines mutmaßlichen Panzerverkaufs nach Saudi-Arabien kritisiert worden. (Siehe:Panzergeschäft mit Saudi-Arabien: Das Geheimnis vom Leoparden) Mit der Lieferung, die laut Medienberichten 200 moderne Leopard-Kampfpanzer umfasst, würde die Regierung die bisherige Politik ändern, keine schweren Waffen in das autoritär geführte Königreich zu exportieren.

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