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Rücktritt des BBC-Generaldirektors : Ende nach nur 54 Tagen

Nach 54 Tagen tritt der BBC-Generaldirektor George Entwistle zurück Bild: REUTERS

In seiner kurzen Zeit als BBC-Generaldirektor hat George Entwistle sich nur mit Krisenmanagement befasst. Die jüngste Krise hat nun sein Ende eingeläutet.

          Es war schon dunkel, als sich am Samstag BBC-Generaldirektor George Entwistle vor dem Londoner Funkhaus der Presse stellte und seinen Rücktritt bekanntgab. „Im Lichte der inakzeptablen journalistischen Standards“ einer BBC-Sendung gebiete es die Ehre, seinen Posten zu räumen. Handfeste, gar strafrechtlich relevante Verfehlungen sind dem Chef von Britanniens wichtigster Medienorganisation bislang nicht nachgewiesen worden, aber am Ende verdichtete sich der Eindruck, er habe seinen Laden nicht im Griff. „Die absolut außergewöhnlichen Ereignisse der vergangenen Wochen haben mich zu der Entscheidung bewogen, dass die BBC einen neuen Chef berufen sollte“, sagte er.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Nur 54 Tage lang hatte Entwistle, vormals Leiter der Fernsehabteilung, die Institution geführt - mehr als die Hälfte von ihnen verbrachte er mit Krisenmanagement. Der serienhafte Kindesmissbrauch des verstorbenen BBC-Moderators Jimmy Savile hatte ihn zuletzt in die unvorteilhafte Position gebracht, einerseits die Hintergründe aufklären, und sich andererseits vor dem Vorwurf der Mitwisserschaft schützen zu müssen. Gerade in diesen Wochen erhöhter Anspannung und Wachsamkeit hätte ihm kein Fehler unterlaufen dürfen. Anders aber lässt sich sein Versäumnis nicht bezeichnen, in einer solchen Phase einen investigativen Sendebeitrag laufen zu lassen, der sich später als unsolide recherchiert herausstellte.

          Der BBC-Chef habe „geschwommen“

          Acht Tage vor Entwistles Rücktritt hatte die Sendung „Newsnight“ - eine britische, etwas schwungvollere Variante des „heute-journal“ - einen Beitrag gesendet, in dem ein Missbrauchsopfers implizit einen früheren konservativen Minister beschuldigte. Auch wenn der Name nicht fiel, wurde doch deutlich, um wen es sich handelte. Bald tauchte der Name in diversen Tweets auf. Nicht nur der in Verdacht geratene Politiker sprach von schwerer Verleumdung, auch der Kronzeuge korrigierte und entschuldigte sich später.

          Nachdem sich auch die BBC entschuldigt hatte, stellte sich Entwistle am Samstagmorgen persönlich den Fragen eines Redakteurs des hauseigenen „Radio 4“. Dort gab er nicht nur zu, von dem Fernsehbeitrag nichts gewusst zu haben, er sagte auch, von niemandem über den Zeitungsbericht informiert worden zu sein, in dem das Missbrauchsopfer den Verdacht gegen den Tory-Politiker später ausgeräumt hatte. Der BBC-Chef habe „geschwommen“, meinten Kritiker.

          Radikalkur

          Durch „Newsnight“ waren die BBC-Oberen schon im Fall Savile in die Schusslinie geraten. Aus bisher ungeklärten Gründen war im vergangenen Dezember, kurz nach dem Tod des Star-Moderators, ein Beitrag aus dem „Newsnight“-Programm genommen worden, in dem Missbrauchsopfer Savile vor der Kamera angeklagt hatten. Ein Untersuchungsausschuss versucht derzeit zu klären, wer die Ausstrahlung verhindert hat. Ein zweiter Ausschuss will im Blick auf die Missbrauchsfälle die „Kultur“ des Senders aufarbeiten. Lord Patten, der dem BBC-Aufsichtsgremium vorsitzt und am Samstagabend mit Entwistle zusammen vor die Presse getreten war, sagte später, der Sender müsse sich jetzt einer „Radikalkur“ unterziehen. Erste Labour-Politiker fordern, diese sollte auch die Ablösung von Lord Patten einbeziehen. 

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