09.11.2006 · In Kriegsfragen gilt der künftige amerikanische Verteidigungsminister eher als Mann der Stiefel denn der Satelliten. Der frühere CIA-Direktor steht im Ruf, auch auf den Rat der „bodenständigen“ Generäle des Heeres zu hören. Ein Porträt von Matthias Rüb.
Von Matthias Rüb, WashingtonAuch Robert Gates, der künftige amerikanische Verteidigungsminister, gehört wie sein 74 Jahre alter Vorgänger Donald Rumsfeld zur „alten Garde“. Gates blickt mit 63 Jahren auf viel Erfahrung in verschiedenen öffentlichen und Regierungsämtern zurück. Er begann seine Laufbahn beim amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA vor vier Jahrzehnten, arbeitete sich durch Büros und Posten nach oben, ehe er von 1991 bis 1993 selbst Direktor der CIA war.
George W. Bush, so sagte Gates bei seiner kurzen Ernennungszeremonie in der Nacht zum Donnerstag im Weißen Haus an der Seite des Präsidenten und seines Vorgängers, werde der siebte Präsident sein, unter dem er ein öffentliches Amt bekleide, sollte der soeben neugewählte Senat seine Nominierung bestätigen.
Geprägt von Bush „dem Älteren“
Und doch gehört Gates zu einer „anderen“ alten Garde als Rumsfeld. Seine prägende Zeit dürfte er als stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater von George H. W. Bush von 1989 bis 1991 erlebt haben. 1989 war - woran man sich gerade im November erinnern sollte - das „annus mirabilis“ in der europäischen Geschichte, das Jahr des Mauerfalls. Und 1991 war das Jahr des ersten Golfkrieges, als eine von amerikanischen Truppen geführte breite Koalition die irakischen Invasoren aus Kuweit vertrieb - aber nicht bis Bagdad vorrückte. Gates' Vorgesetzter im Nationalen Sicherheitsrat war in jener Zeit Brent Scowcroft, bis heute ein enger Vertrauter und guter Freund von George H. W. Bush, der sich gerade in den letzten Monaten immer häufiger mit Bedenken und Ratschlägen zum Krieg im Irak und zu anderen wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Fragen zu Wort gemeldet hat.
Bush der Ältere und seine damaligen Mitstreiter sind von der Erfahrung geprägt, daß zähes Festhalten an stets schwierigen Bündnispartnern und behutsame Schritte am Ende zu großen historischen Siegen führen können. Rumsfeld kam als bekennender (neokonservativer?) Revolutionär ins Pentagon und wurde für seine konfrontative Art, seine visionären Vorstellungen von den hochintegrierten und hochmobilen Streitkräften des 21. Jahrhunderts von den einen gefeiert, den anderen gescholten.
Kehrt der Geist des Pragmatismus zurück?
Gates ist ein bekennender konservativer Pragmatiker, dem der Ruf vorausgeht, er werde auf den Rat auch jener Generäle zumal des Heeres hören, die mehr von vielen Stiefeln auf dem Boden als von vielen Satelliten im All verstehen. Mit Gates, so erwarten viele, werde der alt-neue Geist des Pragmatismus ins Pentagon zurückkehren, was gerade angesichts der schwierigen Lage im Irak dringend angezeigt sei.
Robert Michael Gates wurde am 26. September 1943 in Wichita im Bundesstaat Kansas geboren und studierte an den Universitäten William and Mary, Indiana sowie Georgetown, wo er 1974 in Russischer und Sowjetischer Geschichte promovierte. Noch während des Studiums hatte er sich von der CIA rekrutieren lassen, womit seine Laufbahn in zahlreichen Regierungsämtern vorgezeichnet war. Vor zehn Jahren veröffentlichte er seine Memoiren über seine drei Jahrzehnte bei der CIA und im Nationalen Sicherheitsrat - und zog sich auf finanziell üblicherweise bestens ausgestattete Posten an der Spitze renommierter Universitäten zurück. Zuletzt war Gates Präsident der „Texas A&M University“ in College Station. Gates und seine Frau Becky haben zwei erwachsene Kinder.
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
Jüngste Beiträge