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Revolutionsführer Chamenei wird 70 Im Namen des „Herrn der Zeit“

16.07.2009 ·  Chamenei ist offiziell der mächtigste Mann in der Hierarchie der Islamischen Republik Iran. Er gehört schon seit vielen Jahrzehnten zum „kämpfenden Klerus“ und nahm am Sturz des Schahs teil. Am Freitag wird der „Revolutionsführer“ 70 Jahre alt.

Von Wolfgang Günter Lerch
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Wie muss sich jemand fühlen, der die Titel „Oberster religiöser Führer“ und „Revolutionsführer“ trägt und somit der höchste Repräsentant eines Regimes ist, das dem Prinzip der Herrschaft des höchsten Religionsgelehrten folgt. In dieser Funktion ist Ajatollah Ali Hosseini Chamenei nicht nur der offiziell mächtigste Mann in der Hierarchie der Islamischen Republik Iran, sondern auch ein wenig so etwas wie der Stellvertreter des „Herrn der Zeit“ (saheb-e zaman) auf Erden. Als solchen sehen die schiitischen Muslime nämlich den zwölften ihrer Imame an, der im 9. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung in die Große Verborgenheit entrückt wurde, aber wiederkommen wird, wenn das Ende der Welt naht.

Bis dahin aber muss Politik gemacht werden. Das tut Ajatollah Chamenei schon seit vielen Jahrzehnten als Teil des „kämpfenden Klerus“ in Iran, der zusammen mit den begeisterten oder angefeuerten Massen den Schah stürzte und - geführt von Ajatollah Chomeini - 1979 die Islamische Republik errichtete. Sieht man einmal von den eingeschworenen Anhängern des Regimes ab, so hat Chamenei seinem Land erst unlängst wieder einen Bärendienst erwiesen und dem eigenen Ruf geschadet, als er die - offenkundig zugunsten des Amtsinhabers Ahmadineschad gefälschten - Präsidentenwahlen für rechtens erklärte und damit einen Sturm der Entrüstung entfachte; nicht nur bei der „Opposition“, die auch keine wirkliche ist, aber Veränderungen will, sondern erst recht außerhalb Irans, wo man vielleicht zu viel erwartet hatte. Dies aber ficht den Obersten religiösen Führer nicht an, denn er steht für eine herrschende Kaste, die sich im Besitz höherer unantastbarer Wahrheiten wähnt und um dieser Wahrheiten willen seit dreißig Jahren vor Folterungen und Todesurteilen in großer Zahl nicht zurückschreckt - angeblich zum Schutz der Religion, in Wirklichkeit um des Machterhalts willen. Auch haben die führenden Repräsentanten der Islamischen Republik beträchtliche Vermögen angehäuft.

Erst Staatspräsident, dann (Groß-) Ajatollah

Eigentlich sollte das Amt höchste moralische Autorität zum Ausdruck bringen, doch dass Chamenei zu einem Mann wie Ahmadineschad hielt, hat ihn selbst bei alten Kameraden, wie dem ebenso umstrittenen wie einflussreichen früheren Präsidenten Rafsandschani, noch unbeliebter gemacht. Und der angesehene Großajatollah Montazeri hat ihm wie dem ganzen Regime Tyrannei und Ungerechtigkeit attestiert. Väterlicherseits stammt Chamenei aus demselben Ort wie der gegen Ahmadineschad unterlegene Kandidat Mir Hussein Mussawi: Chamenei in der Provinz Ost-Aserbaidschan. Seine Mutter kam aus einer Familie in Yazd in Zentraliran, doch geboren wurde er am 17. Juli 1939 im ostiranischen Pilgerzentrum Maschhad. Im Unterschied zu Mussawi verbrachte Ali Chamenei den größten Teil seiner Studien- und Lehrzeit in Maschhad, dann im irakischen al Nadschaf sowie in Qom.

Schon als er bei den Ajatollahs Borudscherdi und Haeri studierte, gehörte er zur Opposition gegen den Schah, dann zu den Anhängern Chomeinis. Wiederholt musste er während der Schah-Herrschaft ins Gefängnis. Die Zahl der Ämter, die Chamenei seit der Revolution innehatte, ist groß. Er gehörte zu den Mitbegründern der Partei der Islamischen Republik. 1981 wurde er bei einem Attentat der Volksmudschahedin an einem Arm schwer verwundet. Im selben Jahr wählten ihn die Iraner mit großer Mehrheit zum Staatspräsidenten und bestätigten ihn, der seit 1980 auch als Freitagsprediger Teherans wirkte, 1985 im Amt. Als Chomeini 1989 gestorben war, wählte ihn der Expertenrat zu dessen Nachfolger, da der eigentlich dafür vorgesehene Ajatollah Montazeri in Ungnade gefallen war. Chamenei wurde theologisch zum Ajatollah, später Großajatollah „erhöht“, um das Amt ausüben zu können. An diesem Freitag wird der Vater von sechs Kindern, von denen der Sohn Modschtaba ebenfalls Kleriker ist, siebzig Jahre alt.

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Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

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