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Reporter Steven Sotloff ermordet : Obama will „Islamischen Staat“ „zerstören“

  • Aktualisiert am

Obama: „Wir werden nicht vergessen“ Bild: AFP

Barack Obama hat nach dem Mord an dem amerikanischen Reporter Steven Sotloff das Ziel ausgegeben, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu zerstören. „Der Gerechtigkeit wird Genüge getan“, sagte der amerikanische Präsident und fügte hinzu: „Unser Arm reicht weit“.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat nach der Enthauptung eines weiteren Amerikaners das Ziel ausgegeben, die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ zu „zerstören“. Darunter versteht Obama eine „Schrumpfung“ der „Einflusssphäre, Effektivität, Finanzierung und militärischen Fähigkeiten“ der in Syrien und im Irak aktiven Gruppe, bis diese ein „handhabbares Problem“ geworden sei. Obama bekräftigte auf einer Pressekonferenz in der estnischen Hauptstadt Tallinn, dass dazu ein langfristiges Engagement einer breiten internationalen Koalition nötig sei. Die Angelegenheit sei nicht in einem halben Jahr lösbar.

          Auf dem Nato-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Wales will er das Militärbündnis dazu bewegen, regionale Partnerschaften zu begründen, die nicht nur dem Kampf gegen den „Islamischen Staat“ dienen, sondern auch dem Kampf gegen andere Gruppen, die „terroristische Taktik mit der Taktik kleiner Armeen kombinieren“.

          Weißes Haus bestätigt Enthauptung

          In der Nacht auf Mittwoch hatte das Weiße Haus bestätigt, dass ein am Dienstag im Internet aufgetauchtes Video die Enthauptung des voriges Jahr in Syrien verschleppten amerikanischen Reporters Steven Sotloff zeigt. Eine Analyse durch Geheimdienstexperten habe erbracht, dass das Video authentisch sei, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden.

          Wie der Amerikaner James Foley, dessen Enthauptung die Dschihadisten vor gut zwei Wochen bekannt machten, musste auch Sotloff einen Häftlingsanzug tragen. Er wurde offenbar von derselben, maskierten Person mit britischem Akzent geköpft, die auch Foley ermordete. Der Mann bezichtigte Obama, durch die amerikanischen Luftschläge auf Stellungen des „islamischen Staats“ insbesondere nahe des Staudamms von Mossul den Tod der Amerikaner verursacht zu haben, und drohte mit der Tötung einer weiteren westlichen Geisel.

          Obama drohte in Tallinn den Mördern Sotloffs, „dass wir nicht vergessen, dass unser Arm weit reicht und dass der Gerechtigkeit Genüge getan werden wird“.

          Suche nach Verbündeten

          Nach Foleys Ermordung hatte Obama zunächst nur vage ein „Vorgehen“ gegen den „Islamischen Staat“ angekündigt, ohne das Ziel zu definieren. Am Mittwoch beschrieb er die Voraussetzungen für etwaige Angriffe gegen die Dschihadisten in Syrien: „Wenn wir unsere Piloten losschicken, ... dann müssen wir wissen, dass die Mission funktioniert, dass wir Klarheit über unsere Absichten und militärischen Ziele haben, dass wir dem Kongress und dem amerikanischen Volk unser Vorhaben begründet haben und dass Verbündete hinter uns stehen“.

          Obama ließ offen, ob er die Entscheidung über Luftschläge dem Kongress überlassen will. Außenminister John Kerry reist am Wochenende an den Persischen Golf, um die sunnitischen Staaten für ein gemeinsames Vorgehen zu gewinnen. Obama erläuterte, das sei unter anderem erforderlich für eine Zusammenarbeit „mit sunnitischen Stämmen in einigen der Gegenden, die (der Islamische Staat) besetzt hat, um sicherzustellen, dass wir Verbündete auf dem Boden haben“.

          Obama hatte am Dienstag 350 zusätzliche amerikanische Soldaten in den Irak geschickt, um den Schutz von Amerikas diplomatischen Einrichtungen weiter zu verstärken. Das Weiße Haus hob hervor, dass die Soldaten keinen Kampfauftrag hätten. Insgesamt sind nun mehr als 800 amerikanische Soldaten für den Schutz der Botschaft in Bagdad und des Konsulats in Arbil im Nordirak abgestellt. Hinzu kommen mehrere hundert Militärberater, welche die irakischen Streitkräfte unterstützen.

          Cameron: „Barbarischer Mord“

          Das am Dienstag verbreitete Video hatte weltweites Entsetzen ausgelöst. Der britische Premier David Cameron sprach von einem „verachtenswerten und barbarischen Mord“. Der französische Präsident François Hollande sagte, die Tat beweise den „schändlichen Charakter der Dschihadisten-Organisation, die die Freiheit infrage stellt und nur den Terror kennt“.

          Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich angesichts der Tat schockiert. „Wir sind alle entsetzt über die Berichte aus dem Irak über die brutale Ermordung von Zivilisten durch den Islamischen Staat, einschließlich der gestern berichteten Enthauptung eines weiteren Journalisten“, sagte Ban. Er verurteile derartige „abscheuliche“ Verbrechen, fügte der UN-Generalsekretär hinzu.

          Sotloff, der seit Jahren für diverser amerikanische Medien an Krisenplätzen in Nahost arbeitete, wird seit August 2013 in Syrien vermisst. Er war auch kurz auf dem Video der Enthauptung Foleys zu sehen, das weltweit Entsetzen ausgelöst hatte. Damals hatte die Miliz bereits mit seinem Tod gedroht.

          Der amerikanische Journalist Steven Sotloff (in der Mitte mit schwarzem Helm) ist von den IS-Extremisten getötet worden (Bild vom 2. Juni 2011 im libyschen Misrata)
          Der amerikanische Journalist Steven Sotloff (in der Mitte mit schwarzem Helm) ist von den IS-Extremisten getötet worden (Bild vom 2. Juni 2011 im libyschen Misrata) : Bild: Getty Images

          Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, die Vereinigten Staaten hätten viel Zeit und Ressourcen aufgewendet, um Sotloff aus der Geiselhaft zu befreien. Eine Kommandoaktion in Syrien war aber gescheitert..

          In Washington mehren sich unterdessen Forderungen, dass die amerikanischen Militärs ihre Luftschläge gegen IS-Stellungen auch nach Syrien ausweiten sollen. Bisher flogen amerikanische Kampfjets über 100 Einsätze gegen IS-Stellungen im Irak.

          Sotloffs Familie wollte sich nicht äußern. Ein Sprecher der Familie sagte laut amerikanischen Medien, die Familie sei über die „fürchterliche Tragödie“ informiert. Sie trauere in aller Stille. Noch vergangene Woche hatte Sotloffs Mutter eine emotionale Videobotschaft an dessen Entführer veröffentlicht und um Gnade für ihren Sohn gebeten.

          Quelle: anr./gif./dpa/AFP

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