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Reichweite 2000 Kilometer? : Iran testet neue Mittelstreckenrakete

  • Aktualisiert am

Iran hat die neue Mittelstreckenrakete, die das Land am Samstag nach eigenen Angaben zu Testzwecken abgeschossen hat, in der vergangenen Woche bei einer Parade präsentiert. Bild: dpa

Vor der Weltöffentlichkeit droht Trump Iran offen wegen seiner Militärpolitik. Doch das Land zeigt sich davon unbeeindruckt und feuert eine neue mächtige Rakete ab. Das Muskelspiel soll auch die Nachbarn beeindrucken.

          Ungeachtet amerikanischer Drohungen hat Iran nach eigenen Angaben eine Mittelstreckenrakete mit 2000 Kilometern Reichweite getestet. Die Rakete des neuen Typs Choramschahr kann nach iranischen Medienangaben mehrere Sprengköpfe tragen und damit mehrere Ziele gleichzeitig angreifen. Die Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Samstag auch ein Video von dem Test, der erfolgreich verlaufen sein soll.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte in der Generaldebatte der Vereinten Nationen Iran als „wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat“ bezeichnet, der Gewalt exportiere, und mit dem Ende des 2015 geschlossenen Atomabkommens mit der Islamischen Republik gedroht. Man könne dieses mörderische Regime nicht so weitermachen lassen, erklärte er mit Blick auf die Kriege in Syrien und im Irak, in die sowohl der Iran als auch die Vereinigten Staaten involviert sind.

          Der iranische Führer Ajatollah Ali Chamenei hatte Trumps Rede als „billig, hässlich, dumm und unwahr“ zurückgewiesen. Präsident Hassan Ruhani hatte am Freitag bei einer Militärparade in Teheran erklärt, dass Iran trotz der Kritik aus den Vereinigten Staaten sein Raketenprogramm fortsetzen wolle. „Wir sind für Frieden in der Region und der Welt, aber für die Verteidigung unserer Sicherheit brauchen wir keine Erlaubnis“ von Amerika, sagte er.

          Alle Beteiligten des Atomabkommens – auch die Vereinigten Staaten – bescheinigen Iran bisher, das Abkommen einzuhalten, mit dem Teheran auf die Entwicklung von Kernwaffen verzichtet. Trump wertet das Abkommen aber als das schlechteste, das die Vereinigten Staaten je geschlossen hätten. Wegen der iranischen Raketentests hat Washington einseitig Sanktionen gegen iranische Geschäftsleute und Institutionen verhängt, die nicht vom UN-Sicherheitsrat mitgetragen werden. Das amerikanische Vorgehen wird auch in Nordkorea aufmerksam beobachtet, das mit seinem Atomwaffenprogramm ebenfalls Washingtons Zorn erregt.

          Raketenprogramm nur zur Verteidigung

          Teheran betont, dass sein Militär- und Raketenprogramm lediglich der Verteidigung diene und keine anderen Länder bedrohe. Außerdem seien die Raketen so konstruiert, dass sie keine Atomsprengköpfe tragen könnten. Sein Programm zur Entwicklung von Kernwaffen habe Iran im Rahmen des internationalen Atomabkommens eingestellt; das betreffe das Raketenprogramm nicht.

          Regierungssprecher Mohamed-Bagher Nobacht erklärte, der Teststart der Choramschahr sei für die Verteidigung des Landes unbedingt nötig. „Unsere Sicherheit können wir nicht aus dem Ausland holen, die müssen wir uns selbst schaffen“, sagte Nobacht laut der Nachrichtenagentur Irna. Ruhani hatte am Freitag auch an die irakische Militärinvasion 1980 unter Saddam Hussein erinnert. „Damals hat die ganze Welt in dem achtjährigen Krieg (1980-88) gegen uns den Aggressor unterstützt und keiner den Iran“, sagte er. Teheran habe aus diesen bitteren Erfahrungen gelernt und werde daher selbst dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiere.

          Sorge in Israel

          Im Westen, besonders in den Vereinigten Staaten und Israel, werden Sorgen wegen der iranischen Mittelstreckenraketen geäußert. Mit ihrer Reichweite könnten sie jeden Ort in Israel treffen. Außerdem wird vor allem in Israel befürchtet, dass Iran sein Atomprogramm wiederaufnehmen könne.

          Am Freitag hatte Teheran die Choramschahr bei einer Militärparade der Öffentlichkeit vorgeführt. Dabei wurde hervorgehoben, dass die Rakete kleiner und eher als „taktische Waffe“ einzusetzen sei als andere ballistische Raketen. Im Gegensatz zu Lenkraketen fliegen ballistische Raketen nach dem Start ungelenkt auf einer ballistischen Flugbahn wie ein geworfener Gegenstand.

          Mit der Choramschar verfüge die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) laut der IRGC-nahen Nachrichtenagentur Tasnim nun über sieben Raketen, mit denen sie „im Notfall“ Israel treffen könnten. Dafür würde von bestimmten Gegenden Irans schon eine Reichweite von 1100 Kilometern ausreichen. Mit der Choramschar sei Iran in der Lage, Israel aus allen Landesteilen zu treffen, „falls das zionistische Regime seinerseits einen Angriff wagen würde“.

          Nach Angaben der amerikanischen Geheimdienste verfügt Iran über drei weitere Raketen mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometern: die Schahab 3, die Sedschil und die Emad-1. Dabei soll die Emad-1 die erste Rakete dieser Reichweite sein, die keiner ballistischen Flugbahn folgt, sondern den ganzen Flug über gelenkt werden kann. All diese Raketen können von mobilen Rampen aus abgefeuert werden. Teherans sunnitischer Erbfeind Saudi-Arabien verfügt mit der CSS-2 über eine Rakete chinesischer Bauart mit einer Reichweite von 3000 Kilometern.

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