Home
http://www.faz.net/-gq5-zo4e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Regev, Goldwasser, Arad Die vermissten Israelis

15.07.2008 ·  Der Libanon-Krieg im Sommer 2006 begann am 12. Juli mit der Entführung der beiden israelischen Reservisten Ehud Goldwasser und Eldad Regev, deren sterbliche Überreste an diesem Mittwoch gegen die fünf inhaftierten Libanesen ausgetauscht werden sollen.

Von Jörg Bremer, Jerusalem
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Libanon-Krieg im Sommer 2006 begann am 12. Juli mit der Entführung der beiden israelischen Reservisten Ehud Goldwasser und Eldad Regev, deren sterbliche Überreste an diesem Mittwoch gegen die fünf inhaftierten Libanesen ausgetauscht werden sollen.

Während die Hizbullah-Miliz gegen acht Uhr morgens Katjuscha-Raketen und Granaten auf nordisraelische Städte abfeuerte, griff eine kleine Hizbullah-Einheit einen Geländewagen der israelischen Armee mit fünf Soldaten an. Das geschah in der Nähe von Zarit, wo die Grenze unübersichtlich ist und zudem eine Kamera am Grenzzaun ausgefallen war. Während des Kampfes kamen drei israelische Soldaten sofort ums Leben, Goldwasser und Regev wurden verletzt. Es wird vermutet, dass sie wenig später starben, als sie in der Gewalt der Hizbullah waren. Ein israelischer Kampfpanzer, der die beiden Soldaten befreien sollte, wurde wenige Kilometer hinter der Grenze von der Hizbullah in die Luft gesprengt. Alle Insassen starben.

Über das Schicksal von Regev und Goldwasser schwieg die Hizbullah. Ihr Generalsekretär Nasrallah nährte in Israel aber zunächst die Hoffnung, die beiden Soldaten seien am Leben: Für lebende Soldaten konnte er mehr Häftlinge in israelischen Gefängnissen fordern als für sterbliche Überreste getöteter Kämpfer. Erst in den vergangenen Wochen wurde über den deutschen UN-Unterhändler Conrad bekannt, dass die beiden Soldaten tot sind. Der Offizier der Reserve Ehud Goldwasser stammt aus Naharija und wäre heute 33 Jahre alt. Eldad Regev war Jura-Student an der religiösen Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv. Auch Regev, der heute 28 Jahre alt wäre, war als Reservist eingezogen worden.

Schon viel länger vermisst wird der Navigator Ron Arad. Er war 1986 mit einem Phantom-Kampfflugzeug über dem Libanon abgestürzt; die Besatzung konnte sich mit dem Fallschirm retten. Doch während der Pilot unter feindlichem Feuer nach Israel gebracht wurde, nahmen die Amal-Milizen den 1958 geborenen Chemie-Studenten Arad gefangen. Im Jahr darauf erhielt die Familie einige Briefe und ein Foto Arads.

Er war damals in den Händen des Sicherheitschefs der Amal, Mustafa Durani, der sich dann von dieser Gruppe trennte und eine Organisation namens „Widerstand der Gottesgläubigen“ gründete. Anfang 1989 soll Arad für eine hohe Summe an die iranische Revolutionsgarde übergeben worden sein. Anfang der neunziger Jahre hieß es, Arad werde in Teheran festgehalten.

In dem Bericht, den die Hizbullah am Wochenende Israel zu dem Fall vorgelegt hatte, heißt es jedoch, Arad sei entweder 1988 bei einem Fluchtversuch oder sofort von seinen Entführern erschossen worden. Die Hizbullah verfüge aber nicht über nähere Informationen zu seinen letzten Lebensmonaten. Eine Auslieferung nach Iran schließt die Hizbullah in dem Bericht aus. Der Bericht gehört zur ersten Phase des Gefangenenaustausches. Ebenfalls zur ersten Phase gehört die Übergabe eines israelischen Berichts an die Hizbullah, in dem das Schicksal von vier iranischen Diplomaten geklärt werden soll, die im „ersten Libanonkrieg“ am 4. Juli 1982 an einem Kontrollpunkt einer mit Israel verbündeten christlichen Miliz entführt worden waren. Teheran behauptet, die vier Männer seien nach Israel gebracht worden. Israel dementierte das stets.

In den Gazastreifen verschleppt wurde im Juli 2006 zudem der israelische Soldat Gilad Schalit. Er ist jedoch nicht Teil des Gefangenenaustausches an diesem Mittwoch. Israel verhandelt aber mit ägyptischer Vermittlung mit der (sunnitischen) Hamas schon länger über seine Freilassung.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr