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Reformen in Griechenland Die verkehrte Welt der Weltbank

Griechenland hat sich auf dem Internationalen Index des Geschäftsklimas nach oben gearbeitet. Aber was bedeutet das eigentlich? Das Beispiel eines anderen rasanten Aufsteigers zeigt Schwierigkeiten.

© dpa Vergrößern Ob Athene, die griechische Göttin der Weisheit und Strategie, das Länderranking wohl gut fände?

Gute Nachrichten aus Griechenland sind rar, aber es gibt sie noch. Im jüngsten Bericht der Buchprüfer aus der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds - Troika genannt - wird Griechenland an einer Stelle ausdrücklich gelobt. Versteckt unter vielen skeptischen Einschätzungen zur Zukunft des Landes, heißt es da, ein erster Erfolg der den Griechen aufgenötigten Strukturreformen zeige sich darin, dass Griechenland in dem von der Weltbank erstellten internationalen Index über das Geschäftsklima („Doing Business“) zu den zehn Staaten gehört, die sich am stärksten verbessert haben.

Michael Martens Folgen:    

„Besser“ heißt angesichts der griechischen Ausgangslage zwar nicht „gut“, denn noch immer liegt das Land in der 185 Staaten umfassenden Liste nur auf Platz 78, eingerahmt von der Mongolei und den Bahamas auf den Rängen davor sowie dem Sultanat Brunei und der Pazifikinsel Vanuatu dahinter. Das ist aber immerhin eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, als Griechenland nur die Nummer 100 war, zwischen dem Jemen und Papua-Neuguinea. Von 2011 (Platz 109, zwischen den Marshallinseln und Bosnien-Hercegovina) soll hier lieber nicht weiter die Rede sein.

Dass Griechenland in nur drei Jahren mehr als 30 Staaten hinter sich gelassen hat, klingt nach einem großen Erfolg. Der Geschäftsklimaindex der Weltbank wird schließlich stark beachtet. Journalisten zitieren oft daraus, und die Regierungen der Staaten, die dort besonders gut abschneiden, brüsten sich damit. Es ist wie mit Haselnusscremes oder Haarwaschmitteln, die von der Stiftung Warentest eine gute Note bekommen: Fortan prangt die Bewertung als zusätzliche Werbung auf dem Etikett. Doch was muss ein Land eigentlich tun, um von den Weltbank-Testern mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet zu werden? Und wie sähe eine Welt aus, in der alle Staaten so streichzart wären, wie die Statistikmacher der Weltbank es sich wünschen?

Georgiens Erfolg in der Staatenhitparade

Die Europäische Stabilitätsinitiative (Esi), eine in Berlin und Istanbul beheimatete Denkfabrik mit Vorliebe für praxisnahe Forschung, hat sich solche Fragen gestellt. Sie untersuchte die Aussagekraft von „Doing Business“ am Beispiel Georgiens, das eine noch beeindruckendere Karriere bei der Stiftung Staatentest hinter sich hat als Griechenland. Zwischen 2005 und 2012 wurde der Kaukasus-Staat laut Einschätzung der Weltbankfachleute in Riesenschritten zu einem der investitionsfreundlichsten Staaten überhaupt. Allein zwischen 2005 und 2007 machte das Land einen sagenhaften Sprung um einhundert Plätze, von 137 auf 37. Im vergangenen Jahr erreichte Georgien seine bisher beste Platzierung in der Staatenhitparade - Rang neun.

Ein solcher Aufstieg von der Kreisklasse in die Champions League der Reformer ist bis heute einmalig in der Weltbank-Statistik. Allerdings zeigt ein Blick hinter die Kulissen dieses Erfolges: In der besten aller möglichen Weltbankwelten würde man wohl lieber nicht leben wollen. „Die Liste suggeriert, es genüge, die Bürokratie einfach abzuschaffen - weniger Regeln, weniger Korruption, weniger Kosten“, sagt ESI-Chef Gerald Knaus über seine Forschungen. Aber das ist ein Trugschluss. Für den Normalverbraucher kann der radikale Bürokratieabbau nach georgischem Muster sogar lebensgefährlich werden.

Der Erfolg Georgiens im Geschäftsklimaindex ist eng mit Micheil Saakaschwili verbunden. Georgiens Präsident gab das Ziel aus, das Land in der Bewertung der Weltbank möglichst schnell nach oben zu bringen, um den Aufstieg dann international zu vermarkten. Alle Welt sollte vom „Investitionsparadies Georgien“ sprechen. Die Regierung setzte deshalb einen Reformstab ein, der die einzelnen Kategorien von „Doing Business“ analysierte.

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