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Veröffentlicht: 23.12.2012, 18:06 Uhr

Recht auf Waffenbesitz Einzigartiger Ausdruck der amerikanischen Kultur

Für die „National Rifle Association“ ist klar: Ohne Waffen gibt es keine Freiheit. Und erst recht keine Sicherheit. Ein Besuch im „National Firearms Museum“.

von , Fairfax
© Polaris/laif Gnadenbringend: Mitglieder des Scottsdale Gun Club im Jahr 2011 mit (ungeladenen) automatischen Handfeuerwaffen beim Fototermin mit dem Weihnachtsmann

Die amerikanische Flagge weht nicht nur hier auf Halbmast. Gut eine Woche nach dem Massaker an einer Grundschule von Newtown in Connecticut bezeugen Amerikaner im ganzen Land Respekt für die 26 Opfer. Am Samstag wurden die letzten beerdigt. Doch vor dieser kühlen Fassade aus blauem Fensterglas in Fairfax nahe Washington weht neben den „Stars and Stripes“ die Flagge der „National Rifle Association“ (NRA) im Winterwind. Die NRA, die hier ihr Hauptquartier hat, ist der Verband der amerikanischen Waffenbesitzer, Waffenhersteller und Waffennarren. Sie hat nach eigenen Angaben 4,3 Millionen Mitglieder. Mit jährlich rund 32 Milliarden Dollar trägt die amerikanische Waffenindustrie zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Allein 2010 wurden in Amerika 5,46 Millionen Waffen produziert, weitere 3,3 Millionen Schusswaffen wurden eingeführt. In den Vereinigten Staaten gibt es damit etwa 300 Millionen Schusswaffen: rund 89 pro 100 Einwohner. Im Jemen, so schätzt man, kommen 55 Waffen auf 100 Einwohner, in der Schweiz sind es 46 und im Irak 34.

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Im NRA-Hauptquartier ist auch das „National Firearms Museum“ untergebracht. Mehr als 40000 Besucher besichtigen jedes Jahr das Schusswaffenmuseum, auf das an der Autobahn die gleichen braunen Schilder hinweisen, die anderswo für Nationalparks oder Sehenswürdigkeiten werben. Ein Wachmann öffnet per Knopfdruck die Außentür. Erst wenn diese geschlossen ist, lässt sich die innere öffnen. Im Vorraum hängt ein großes Bild an der Wand. Es zeigt eine kunstvoll verzierte Pistole, die auf einem Blatt Papier mit Feder und Tintenfass liegt. Auf dem Blatt steht der Zweite Verfassungszusatz, Teil der „Bill of Rights“ von 1791: „Da eine wohl organisierte Miliz für die Sicherheit des Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“

Das individuelle Recht zum Waffentragen

Dass das kein Museumsstück ist, sondern aktuelles Programm, hat das Oberste Gericht 2008 bekräftigt. Der Kernsatz des Urteils im Verfahren „Heller gegen den Hauptstadtdistrikt“, das damals mit fünf zu vier Richterstimmen entschieden wurde, lautet: „Der Zweite Verfassungszusatz schützt unabhängig vom Dienst in einer Miliz das Recht des Einzelnen, eine Schusswaffe zu besitzen und diese Waffe nach Recht und Gesetz einzusetzen, etwa zur Selbstverteidigung zu Hause.“ Nie zuvor war der Zweite Verfassungszusatz eindeutig als individuelles Recht zum Waffentragen auslegt worden - unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Miliz wie etwa der Nationalgarde.

Die Dauerausstellung des Museums am NRA-Hauptsitz - Eintritt frei - zeigt in 15 „Galerien“ mehr als 2700 Waffen, von Schießgeräten aus dem Jahr 1350 über das einzige erhaltene Gewehr vom Pilgersegelschiff „Mayflower“ von 1620 bis zum gegenwärtigen Sturmgewehr der amerikanischen Streitkräfte. Der zugehörige Katalog trägt den Titel „Schusswaffen, Freiheit und die amerikanische Erfahrung“. Überhaupt ist in der Ausstellung, im Katalog, in jedem Schriftstück der NRA immerzu von Freiheit die Rede. In der dritten „Galerie“ des Museums wird unter dem Titel „Der Weg zur amerikanischen Freiheit“ unter anderem die Entstehung der „Minutemen“ dokumentiert, einer amerikanischen Bürgerwehr in der britischen Kolonie Massachusetts, die sich dem Entwaffnungsbefehl des britischen Generals Thomas Gage widersetzte. Am 19. April 1775 kam es an der North Bridge zwischen Lexington und Concord zum Zusammenstoß der Kolonialtruppen von General Gage und den „Minutemen“. In Vitrine 15 sind die Waffen der amerikanischen Aufständischen zu sehen, mit denen sie sich schließlich die Freiheit von der britischen Krone erkämpften. „Mit dem ersten Schuss auf die Truppen des Königs hatte die Amerikanische Revolution begonnen“, heißt es. Es war „der Schuss, der in der ganzen Welt gehört wurde“.

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