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Rassismus in Amerika Meinungsunterschiede sogar beim Biergeschmack

30.07.2009 ·  Präsident Obama will den Streit zwischen einem weißen Polizisten und dem schwarzen Harvard-Professor Gates entschärfen. Doch dass sich die Angelegenheit bei einem Bier klären lässt, erscheint nach Verlauf der Debatte zweifelhaft.

Von Matthias Rüb, Washington
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Mit ein paar Flaschen Bier im Garten des Weißen Hauses vollends den Rassismus in Amerika überwinden? So leicht wird es nicht gehen, und auch die Debatte über die je nach Hautfarbe unterschiedliche Behandlung durch Polizei und Behörden (racial profiling) wird nach dem gewiss gemütlichen Beisammensein vom Donnerstagabend bei den Obamas in der Pennsylvania Avenue 1600 nicht zur Ruhe kommen.

Es ist erstaunlich, welche nationale Erregung - von beschwichtigend über abwägend bis schäumend - die kurzfristige Festnahme des schwarzen Harvard-Professors Henry Louis Gates vom 16. Juli in seinem eigenen Haus in Cambridge bei Boston durch den weißen Polizisten James Crowley hervorgerufen hat.

Keiner weiß Verlässliches

Was beim Aufeinandertreffen von Gates und Crowley in der Ware Street zu Cambridge genau geschehen ist und gesagt wurde, weiß bis heute niemand verlässlich. Nur eben Gates und Crowley, bloß haben die ganz unterschiedliche Erinnerungen an den Vorfall.

Gesichert ist, dass Lucia Whalen - sie ist weißer Hautfarbe und wohnt ebenfalls in Cambridge - von ihrem Mobiltelefon aus den Polizeinotruf angerufen hatte, weil sich zwei Männer in verdächtiger Weise an der Eingangstür eines Hauses zu schaffen gemacht hatten. In der schmucken Wohngegend hatte es in den Wochen zuvor mehrere Einbrüche gegeben, Frau Whalen verhielt sich mit ihrem Anruf bei der Polizei nach allgemeiner Meinung also richtig.

Was weder sie noch der als erster am „Tatort“ eintreffende Polizeibeamte Crowley wissen konnten, war die Tatsache, dass es der Besitzer des Hauses - eben Professor Gates - und dessen Fahrer waren, die sich an der Eingangstür zu schaffen gemacht hatten.

Gates hält an Rassismus-Vorwurf fest

Diese hatte sich während einer längeren Chinareise von Gates offenbar verzogen und ließ sich nicht mehr öffnen, sodass Gates schließlich die rückwärtige Tür aufbrach, um in sein Haus zu gelangen. Im Polizeibericht Crowleys heißt es, Gates habe ihm nicht nur die Bitte abgeschlagen, auf die Vorderveranda zu treten, um mit ihm über den eingegangenen Notruf wegen eines vermuteten Einbruchs zu sprechen, sondern ihn sogleich angebrüllt.

Gates wiederum behauptet, er habe nicht geschrien, Crowley habe sich vielmehr nicht ausweisen wollen, was wiederum Crowley im Polizeibericht anders darstellt. Jedenfalls kam es zu einem längeren Wortgefecht, an dessen Ende die kurzfristige Verhaftung Gates' durch Crowley wegen ungebührlichen Verhaltens stand - ein Vorwurf, der inzwischen fallengelassen wurde.

Gates hält an seiner Version fest, er sei in seinem eigenen Haus festgenommen worden, weil er „ein schwarzer Mann in Amerika“ sei - mithin wegen einer rassistischen Motivation Crowleys. Das weist Crowley, der als vorbildlicher Beamter gilt und zudem an einer Polizeischule Beamte über die Vermeidung von „racial profiling“ unterrichtet, als beleidigend zurück. Im Polizeibericht Crowleys heißt es zudem, Gates habe ihn angebrüllt, „ich spreche mit Ihrer Mama draußen“, was Crowley bestreitet.

Obamas eskalierender Eingriff

Vollends zur nationalen Angelegenheit wurde die Sache aber erst durch Obama, der bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus die Polizei von Cambridge und mithin den Beamten Crowley eines „dummen Verhaltens“ bezichtigte, obwohl er nach eigenem Eingeständnis die Fakten nicht kannte und zudem mit Gates befreundet ist. Das empörte wiederum viele Amerikaner und zumal Polizisten, die ihrerseits nun den Präsidenten des Rufmordes an Crowley bezichtigten und eine Entschuldigung forderten.

Obama nahm tags darauf seine Einschätzung zurück, er hätte seine Worte „besser abwägen sollen“, sagte der Präsident. Bisher haben sich weder Präsident noch Professor noch Polizist entschuldigt, stattdessen lud Obama zum Gespräch unter Männer beim Bier eigener Wahl ins Weiße Haus ein. Nachdem die linksliberalen Medien zunächst reflexartig die Position von Gates und Obama übernommen und deren „politisch korrektes“ Lied vom fortwährenden Rassismus gegen Schwarze und Latinos mitgesungen hatten, warf der schwarze Soziologieprofessor Boyce Watkins als erster die These in die Debatte, nicht Crowley habe sich rassistisch, sondern Gates gleichsam sozialrassistisch verhalten - und den Polizisten etwa laut dessen Bericht davor gewarnt, sich „nicht mit mir anzulegen“. Einem schwarzen Professor werde im „eher kapitalistischen als rassistischen Amerika“ heute viel mehr Respekt entgegengebracht als einem durchschnittlichen weißen Amerikaner, sagte Watkins.

Zum Treffen der Opfer - wahlweise von Rassismus, Herablassung und missglückter Wortwahl - im Weißen Haus war Frau Whalen übrigens nicht eingeladen. Auch sie, die in ihrem Notruf bei der Polizei nachweislich kein Wort von schwarzen Verdächtigen gesagt hatte, war des Rassismus bezichtigt und beschmipft worden. Sie trinke sowieso kein Bier, ließ Lucia Whalen von ihrer Anwältin mitteilen. Vom Präsidenten heißt es, er bevorzuge „Budweiser Light“ aus St. Louis in Missouri, der Polizist trinkt am liebsten das helle „Blue Moon“ der Brauerei Coors aus Golden in Colorado, während der Professor zum jamaicanischen Klassiker „Red Stripe“ neigt. Na dann: Prost Amerika!

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