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Rassenunruhen Die Albträume des Rodney King

 ·  Er trank, nahm Drogen. Von weißen Polizisten verprügelt, wurde er ein Symbol für die Opfer von Rassismus in Amerika. Er vergab, konnte aber nicht vergessen. Nun starb er im Alter von nur 47 Jahren.

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Es ist das andere King-Zitat, das sich ins kollektive Gedächtnis der Amerikaner eingegraben hat. Nicht: „Ich habe einen Traum!“, das Donnerwort des Baptistenpredigers Martin Luther King aus dessen Rede vom 28. August 1963, sondern die fast klagend ausgesprochene Frage, die Rodney King am 1. Mai 1992 in Los Angeles bei einer improvisierten Pressekonferenz stellte: „Leute, können wir nicht alle miteinander auskommen?“

An jenem Maitag 1992 standen ganze Straßenzüge von Los Angeles in Flammen. Geschäfte wurden geplündert, Häuser angezündet, Menschen aller Hautfarben erschossen und erschlagen. Die Unruhen dauerten fünf Tage. 55 Menschen kamen ums Leben, rund 2000 weitere wurden verletzt. Mehr als tausend Gebäude brannten nieder, es entstand Schaden in Höhe von gut einer Milliarde Dollar. Erst nach dem Einsatz von fast 10.000 Mann von Nationalgarde, Marinekorps und Heer kehrte wieder Ruhe in Los Angeles ein.

Ein Freispruch setzte die Lunte in Brand

Die schwersten Rassenunruhen seit den sechziger Jahren waren durch den Freispruch von vier weißen Polizisten durch zwölf weiße Geschworene vom 29. April 1992 ausgelöst worden. Die Polizisten hatten ein gutes Jahr zuvor, in den frühen Morgenstunden des 3. März 1991, den damals 26 Jahre alten Schwarzen Rodney King nach einer Verfolgungsjagd wegen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit gestellt und schwer misshandelt.

Die fast fünf Dutzend Schläge mit Schlagstöcken, die Fußtritte gegen den am Boden liegenden King, der elf Knochenbrüche und lebensbedrohliche Verletzungen erlitt, wurden von einem Augenzeugen gefilmt. Bald darauf wurde das Video von Fernsehsendern in aller Welt ausgestrahlt, es wurde zum Sinnbild fortbestehender rassistischer Vorurteile in der amerikanischen Gesellschaft. Der Freispruch der vier Polizisten setzte ein gutes Jahr später die Lunte in Brand.

Schmerzensgeld bald aufgebraucht

Ein Jahr darauf gab es ein weiteres Verfahren. Zwei der vier Polizisten wurden zu 30 Monaten Haft verurteilt. King erhielt von der Stadt Los Angeles für die Misshandlungen Schmerzensgeld in Höhe von 3,8 Millionen Dollar. Er und seine Anwälte hatten 56 Millionen Dollar gefordert - eine Million für jeden der 56 dokumentierten Schläge und Tritte.

ing, der zum Zeitpunkt des Vorfalls von 1991 zwei gescheiterte Ehen hinter sich hatte, seine drei Kinder kaum versorgen konnte und wegen Raubüberfalls eine Reststrafe auf Bewährung verbüßte, bekam sein Leben auch nach der Wiedergutmachung nicht in den Griff. Alkohol und Drogen blieben seine Begleiter. Er fand keine feste Arbeit und kam immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Das Schmerzensgeld war bald aufgebraucht.

Morddrohungen bis zuletzt

Zuletzt jedoch schien es so, als würde King doch die Umkehr gelingen. Mit seiner Verlobten lebte er in einem bescheidenen Häuschen mit kleinem Swimmingpool östlich von Los Angeles. Im April erschien seine von einem Ghostwriter verfasste Autobiographie. King suchte die Schuld für seine Misere nicht bei anderen, sondern bei sich selbst, obwohl er von Albträumen geplagt wurde, in welchen er jene Nacht vor gut 21 Jahren immer wieder durchlitt, und obwohl er immer wieder Morddrohungen erhielt.

Seinen Peinigern in Uniform vergab King mehrfach öffentlich. Der Polizei in Los Angeles bescheinigte er, die Lektionen von 1991 gelernt zu haben, wenngleich noch vieles zu verbessern bleibe. Rodney Kings Lebensweg aber endete im Alter von nur 47 Jahren. Seine Verlobte fand ihn am Sonntag leblos am Boden des Swimmingpools. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Ergebnisse der Obduktion liegen noch nicht vor. Hinweise für ein Fremdverschulden an Kings Tod gibt es nach Angaben der Polizei nicht. Es heißt, King habe am Abend vor seinem Tod getrunken und Marihuana geraucht.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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