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Nach Raketentest : Nordkorea prahlt, Trump hält sich zurück

  • Aktualisiert am

Eine Hwasong-12-Mittelstreckenrakete bei einem angeblichen Raketentest des nordkoreanischen Militärs (Archivbild). Bild: dpa

Pjöngjang behauptet, nun ganz Nordamerika mit seinen Raketen erreichen zu können. Der UN-Sicherheitsrat hält eine Dringlichkeitssitzung.

          Nach dem neuerlichen Raketentest sieht sich Nordkorea zu Angriffen auf das gesamte Territorium der Vereinigten Staaten in der Lage: Es seien nun „die gesamten Kontinental-USA“ in Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer am Mittwoch in staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. Nordkorea habe damit sein „historisches Ziel“ erreicht, eine Atommacht zu werden.

          Der Test der Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15, die mit einem großen Sprengkopf bestückt werden könne, sei erfolgreich verlaufen. Es handle sich um die „stärkste Interkontinentalrakete“, die Nordkorea jemals entwickelt habe.

          Ausländische Beobachter hatten allerdings bereits Zweifel am Erfolg des Raketentests geäußert. Nach Erkenntnissen des amerikanischen Verteidigungsministeriums stürzte die Rakete nach nur etwa eintausend Kilometern ins Meer und habe keine Gefahr für Nordamerika oder verbündete Nationen dargestellt. Im Juli hatte Nordkorea eine Interkontinentalraketen getestet, die theoretisch auch den amerikanischen Bundesstaat Alaska erreichen könnte – nicht aber den Rest des Landes.

          Nordkorea testet neue Rakete : Ernste Gefahr oder nur ein Bluff?

          UN-Sicherheitsrat tritt zusammen

          Der UN-Sicherheitsrat setzte eine Dringlichkeitssitzung an. Das Treffen sei auf Bitten der Vereinigten Staaten, Japans und Südkoreas für Mittwochnachmittag einberufen worden, hieß es von den Vereinten Nationen in New York.

          UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den erneuten Raketentest scharf. „Dies ist eine klare Verletzung von Resolutionen des Sicherheitsrats und zeigt eine komplette Missachtung für die geeinte Sicht der internationalen Gemeinschaft“, ließ Guterres über seinen Sprecher mitteilen. Er rief Nordkorea auf, weitere „destabilisierende Schritte“ zu unterlassen.

          Im Sicherheitsrat sitzt mit China der einzige noch verbliebene Verbündete Pjöngjangs. Vor allem Amerika will, dass Peking mehr wirtschaftlichen Druck auf Pjöngjang ausübt, um es im Streit um sein Atom- und Raketenprogramm zum Einlenken zu bringen.

          Langstreckenrakete getestet

          Nordkorea hatte die Langstreckenrakete am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) getestet. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs erreichte der Flugkörper eine Höhe von 4500 Kilometern und flog etwa 960 Kilometer weit in Richtung der japanischen Küste. Südkorea reagierte mit einer eigenen militärischen Übung auf den Raketenstart.

          Auch das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte den Test. In einem Statement des Pentagons heißt es, dass es sich bei der Rakete um eine Interkontinentalrakete gehalten habe. Diese habe sich etwa 50 Minuten in der Luft befunden, bevor sie 250 Kilometer vor der japanischen Küste in den Ozean stürzte.

          Trump: Wir werden uns darum kümmern

          Trump reagierte am Abend verhalten auf die Provokation aus Pjöngjang. Die Vereinigten Staaten würden sich darum kümmern, sagte der Präsident vor Reportern. Details nannte er nicht. „Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden“, sagte Trump. Ein längeres öffentliches, etwa im Fernsehen übertragenes Statement des Präsidenten gab es nicht.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat „Nordkoreas neueste Provokation“ scharf verurteilt. „Es ist wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert in der Nacht zum Mittwoch auf Twitter.

          Auch die EU verurteilte den Raketentest scharf. In einer Mitteilung heißt es: „Die Forderung der Europäischen Union ist eindeutig: die Demokratische Volksrepublik Korea muss ihre Programme für Nuklear- und Massenvernichtungswaffen sowie sein Raketenprogramm vollständig, überprüfbar und unumstößlich einstellen (...) und zum Atomwaffensperrvertrag sowie den Sicherheitslinien der Internationalen Atomenergiebehörde zurückkehren.“

          NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte das nordkoreanische Vorgehen als Bedrohung für den internationalen Frieden.

          Experten der Regierung in Washington rechneten zuvor damit, dass Nordkorea binnen Tagen abermals eine Rakete testen könne. Zuletzt hatte das weitgehend isolierte Land am 15. September eine Rakete abgefeuert, die über Japan hinweg geflogen war.

          Nordkorea will 2018 sein Atomprogramm abschließen

          Durch mehrere Raketen- und Atomtests in den vergangenen Monaten haben sich die Spannungen zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten erheblich verschärft. Beide Seiten überzogen einander mit Drohungen und Kriegsrhetorik.

          Wie der Sender CNN berichtet, geht die südkoreanische Regierung davon aus, dass der kommunistische Nachbarstaat schon 2018 in der Lage sein könnte, eine Langstreckenrakete mit einem nuklearen Sprengkopf auszurüsten. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag sagte Südkoreas Wiedervereinigungsminister: „Sie [Nordkorea; Anm. d. Red] haben ihre nuklearen Fähigkeiten schneller ausgebaut als gedacht. Wir können nicht ausschließen, dass Nordkorea schon im nächsten Jahr den Abschluss seines Atomprogramms verkündet.“

          Erst vergangene Woche setzte Trump Nordkorea wieder auf die Liste Ländern, die nach Ansicht der Amerikaner den Terrorismus unterstützen, und erhöhte so abermals den Druck auf das Regime in Pjöngjang. Für Länder auf dieser Liste werden Entwicklungshilfe, Rüstungsexporte und bestimmte finanzielle Transaktionen beschränkt. Zudem hatten die Vereinigten Staaten die Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea verschärft.

          Die Regierung in Pjöngjang sprach von einer schweren Provokation. Nordkorea habe mit dem Terrorismus nichts zu tun.

          Quelle: dpa/AFP

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