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Raketenabwehrsystem Sarkozy: Wir müssen mit Russland reden

04.06.2007 ·  Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy fühlt sich der strategischen Partnerschaft mit Russland verpflichtet. Der Streit über das geplante Raketenabwehrsystem der Amerikaner in Osteuropa könne nur durch Gespräche gelöst werden.

Von Michaela Wiegel und Michael Ludwig
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Für „enge, vertrauensvolle und friedliche Beziehungen“ mit Russland hat sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Montag in Paris ausgesprochen. Nach den Drohungen Präsident Putins im Streit über den geplanten Aufbau des amerikanischen Raketenabwehrsystems in Osteuropa sagte Sarkozy im Gespräch mit der F.A.Z. und sechs anderen Zeitungen, er fühle sich der strategischen Partnerschaft mit Russland verpflichtet. „Meine Vorstellung ist es wirklich, eine strategische Partnerschaft und freundschaftliche Beziehungen mit Russland zu unterhalten“, sagte Sarkozy.

Das G-8-Gipfeltreffen in Heiligendamm sei jedoch nicht der richtige Rahmen, über die ernstzunehmenden Vorbehalte Moskaus zu diskutieren. Darüber müsse beim Nato-Russland-Rat gesprochen werden. „Die Raketen, die in der Tschechischen Republik und in Polen stationiert werden sollen, richten sich nicht gegen Russland. Aber wir müssen darüber sprechen“, sagte Sarkozy.

„Präsenz in Afghanistan keine Dauerlösung“

Putin hatte in einem Zeitungsgespräch am Wochenende nicht ausschließen wollen, als Antwort auf das Raketenabwehrsystem Raketen auf Europa zu richten. Dabei könne es sich um ballistische Raketen oder Marschflugkörper handeln oder um vollkommen neuartige Systeme, die auf Ziele in Europa gerichtet würden. Russland lasse sich aber nicht die Verantwortung für ein Wettrüsten aufhalsen. Sarkozy wird in Heiligendamm zum ersten Mal mit Putin auch zu einem bilateralen Gespräch zusammentreffen. In den Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo mahnte Sarkozy zur Vorsicht. „Niemand sollte sich gedemütigt fühlen“, sagte Sarkozy mit Blick auf Moskau. Wenn es nötig sei, müsse sich die internationale Gemeinschaft mehr Zeit lassen.

Der Schutz gegen die Klimaerwärmung und Afrika seien für ihn die wichtigsten Themen beim G-8-Gipfel, sagte Sarkozy. Der amerikanische Präsident Bush habe seine Position zum Klimawandel verändert, das sei eine „ermutigende Entwicklung“. „Ob es ausreicht, oder nicht, ist eine andere Frage“, fügte er hinzu. Er hoffe, dass vereinbart werde, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu verringern. Das Schicksal Afrikas sei eng mit dem Klimawandel verknüpft. Amerika dürfe sich nicht seiner Verantwortung für den Klimaschutz entziehen.

Mit Bush wolle er auch über das Engagement der französischen Truppen in Afghanistan sprechen. „Die französische Präsenz in Afghanistan kann keine Dauerlösung sein“, sagte Sarkozy. Einen schnellen Truppenabzug lehne er aber ab, weil er einen „Mangel an Zusammenhalt“ in einer Krisensituation bedeutete. Er strebe aber an, den Einsatz Frankreichs stärker auf die Ausbildung der afghanischen Armee auszurichten.

Quelle: F.A.Z., 05.06.2007, Nr. 128 / Seite 1
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