http://www.faz.net/-gpf-93riv

Militärputsch in Zimbabwe? : Augenzeugen berichten von Panzern in Harare

  • Aktualisiert am

Zimbabwes Armee-General Constantino Chiwenga auf einer Pressekonferenz am Montag im Hauptquartier der Streitkräfte Bild: AFP

Augenzeugen berichten von Panzern und Militärlastern auf den Straßen Zimbabwes. Übernehmen die Streitkräfte die Macht im Land?

          Militärfahrzeuge der Streitkräfte Zimbabwes sind am Dienstag in die Hauptstadt des Landes eingerückt. Damit verdichten sich die Anzeichen dafür, dass das Militär Zimbabwes bereit ist, die Macht im Land zu übernehmen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Augenzeugen, gemäß denen mehrere Panzer in Richtung der Hauptstadt Harare rollen würden. Aus Chinhoyi, zwanzig Kilometer südlich, berichtete ein Augenzeuge von weiteren Panzern. Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter veröffentlichten in der Hauptstadt und ihrem Umkreis Kurzvideos von Panzern und Armeelastern.

          Ein Mitarbeiter von Präsident Mugabe gab unterdessen bekannt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur sah Mugabes Dienstwagen und Wagenkolonne am Nachmittag wie üblich am Amtssitz des Präsidenten geparkt.

          Am Montag hatte der Chef der Streitkräfte, Armeegeneral Constantino Chiwenga, auf einer Pressekonferenz erklärt, er sei bereit, „einzuschreiten“, um eine Säuberungsaktion des ehemaligen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa zu beenden. Der 75 Jahre alte Politiker galt lange es möglicher Nachfolger Mugabes, der ihn allerdings am 6. November feuerte und aus der Regierungspartei ausschloss. Der Schritt markierte eine dramatische Wende in der Machtpolitik des inzwischen 93 Jahre alten Präsidenten Zimbabwes, der das Land seit seiner Unabhängigkeit vor 37 Jahren regiert. Mnangagwa galt als wichtige Säule im Sicherheitsapparat des schwerkranken Despoten und war zudem Zimbabwes erster Sicherheitsminister.

          Mugabe hat inzwischen mit den meisten seiner Kameraden aus der Zeit des Befreiungskrieges gegen die weiße Minderheitsregierung von Rhodesien gebrochen. Stattdessen gewann die sogenannte „Generation 40“, eine Gruppe jüngerer Mitglieder der Regierungspartei unter Führung von Mugabes 52 Jahre alter Frau Grace, an Einfluss.

          Für das kommenden Jahr sind in Zimbabwe Wahlen anberaumt, bei denen Mugabe trotz seines hohen Alters nochmals antreten will. Es wird mit dem Einzug von sieben Oppositionsparteien ins Parlament gerechnet. Die Unzufriedenheit im Land ist groß, angesichts von Geldmangel, maroder Infrastruktur und zusammenbrechenden Dienstleistungen des Staates.

          Quelle: lohe./dpa

          Weitere Themen

          Mugabe will immer noch nicht weichen

          Zimbabwe : Mugabe will immer noch nicht weichen

          Mugabes eigene Partei hat sich von ihm abgewandt. Der frühere Vizepräsident Mnangagwa ist neuer Vorsitzender und wohl bald auch Präsident. Noch gibt Mugabe die Macht aber nicht ab.

          Mugabe will doch nicht gehen Video-Seite öffnen

          Zimbabwe : Mugabe will doch nicht gehen

          Der Chef der Veteranen des Befreiungskrieges erklärte, der Plan zur Amtsenthebung werde nun vorangetrieben. Zugleich kündigte er Massenproteste in der Hauptstadt Harare ab Mittwoch an.

          Argentinisches U-Boot bleibt vermisst Video-Seite öffnen

          Argentinien : Argentinisches U-Boot bleibt vermisst

          Ein Marine-U-Boot mit 44 Besatzungsmitgliedern wird seit vergangenem Mittwoch vermisst. Der Kontakt zu dem Schiff sei abgerissen, sagte ein Marine-Sprecher letzten Freitag. Ein Kontaktversuch via Satellit ist misslungen. Nun hat das amerikanische Militär Hilfe angeboten.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.

          Bundestag nach Jamaika-Aus : Ein fast normaler Tag im Plenum

          Von einer Staatskrise ist im Bundestag keine Rede – die Kontrahenten grüßen einander freundlich und denken sogar über Gesetzentwürfe nach. Und Kanzlerin Merkel lobt eine Partei.
           Luftstaubsammler an der BfS-Messstation Schauinsland

          Mysteriöses Ruthenium-106 : Was geschah im Ural?

          Aus welcher Quelle stammt die Wolke radioaktiven Rutheniums, die Ende September Europa erreicht hat? Und wie bedenklich sind die hier gemessenen Konzentrationen? Hier sind einige Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.