14.03.2009 · Präsidentensender rufen zum Widerstand auf. Meuternde Soldaten verkünden, der Sturz der Regierung sei besiegelt und haben Panzer in das Zentrum der Hauptstadt Antananarivo verlegt. Doch Präsident Ravalomanana versucht sich gegen einen Putsch zu wappnen.
Von Thomas Scheen, JohannesburgMeuternde Soldaten in Madagaskar haben in der Nacht zum Freitag nach eigenen Angaben Panzer in das Zentrum der Hauptstadt Antananarivo verlegt, um sich gegen einen Angriff von Söldnern im Dienst von Präsident Marc Ravalomanana zu wappnen. Gleichwohl war von den Panzern am Freitag nichts zu sehen. Der Anführer der Meuterer sagte dem Nachrichtendienst Reuters, die Panzer seien versteckt. Die Drohung wurde allerdings so ernst genommen, dass ein Radiosender des Präsidenten die Einwohner der Stadt aufrief, sich „zu organisieren und einen Vormarsch der Meuterer auf den Präsidentenpalast zu vereiteln“.
Mitstreiter des Oppositionsführers Andry Rajoelina verkündeten am Freitagmittag bei einer Versammlung von rund zweitausend Anhängern im Stadtzentrum, Ravalomanana sei dabei, „seine Koffer zu packen“. Die Armee sei nunmehr auf ihrer Seite und der Sturz der Regierung damit besiegelt, sagte Augustin Andriamananoro, einer der von Raejolina ernannten „Minister“ einer Übergangsregierung.
„Diktatorisches Verhalten“
Madagaskar wird seit Monaten von einer politischen Krise gelähmt, die durch Raejolina, den ehemaligen Bürgermeister von Antananarivo, verursacht wurde. Mehrfach hatte der 34 Jahre alte ehemalige Nachtclubbesitzer den Präsidenten Ravalomanana für abgesetzt erklärt und versucht, seine „Übergangsregierung“ zu installieren.
Bei den Auseinandersetzungen sind mittlerweile mehr als 130 Menschen getötet worden. Raejolina wirft Ravalomanana diktatorisches Verhalten und den Ausverkauf der Insel an ausländische Konzerne vor. Einer seiner engsten Vertrauten ist Roland Ratsiraka, der Neffe des ehemaligen Präsidenten der Insel Didier Ratsiraka, der 2001 die Wahl gegen Ravalomanana verloren hatte und sich mit diesem anschließend eine sechs Monate dauernde, bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzung geliefert hatte, bevor er nach Frankreich ins Exil gegangen war.
In der vergangenen Woche hatte sich der als Bürgermeister inzwischen abgesetzte Raejolina einer Verhaftung durch die Flucht in die französische Botschaft entzogen. Seither lebt er unter dem Schutz der Vereinten Nationen vermutlich in der Residenz des Bischofs von Antananarivo. Die UN haben den ehemaligen malischen Außenminister Tiébile Dramé als Sondergesandten nach Madagaskar geschickt, der zusammen mit dem einflussreichen Rat der Kirchen nach einer friedlichen Lösung für die Krise suchen soll.
Generalstabschef droht mit einem Putsch
Für Donnerstag angesetzte Gespräche zwischen der Regierung und den Anhängern Raejolinas waren von diesem aber abgesagt worden. Direkte Gespräche zwischen Ravalomanana und Raejolina im Februar waren nach kurzer Zeit von Raejolina für beendet erklärt worden, weil Ravalomanana nicht zurücktreten will.
Angesichts der verfahrenen Situation hatte Generalstabschef Edmond Rasolofomahandry zu Beginn dieser Woche mit einem Putsch gedroht, sollte das „politische Personal“ seiner Verantwortung nicht gerecht werden. Am darauf folgenden Tag war er von einem Oberst abgelöst worden, der zu dem seit gut einer Woche meuternden Teil der Armee gehört, der sich gegen die Regierung stellt.
Wie tief der Graben innerhalb der Streitkräfte ist, zu der auch die paramilitärische Gendarmerie gehört, ist nicht abzuschätzen. Der Befehlshaber der Gendarmerie, Gilbain Pily, hatte sich am Donnerstag mit dem neuen Generalstabschef solidarisch erklärt, womit Ravalomanana weiter isoliert wurde. Gleichzeitig aber betonen die Streitkräfte, sie wollten sich nicht in die Politik einmischen, sondern lediglich Ruhe und Ordnung wiederherstellen. Der amerikanische Botschafter in Madagaskar warnte am Donnerstag im staatlichen Fernsehen vor einem „drohenden Bürgerkrieg“.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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