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Putsch in Zimbabwe : Wie in einem schlechten Diktatorenfilm

Zimbabwes Präsident Robert Mugabe singt mit seiner Frau Grace Anfang November in Harare den Wahlspruch seiner Partei. Bild: AP

Robert Mugabe wollte seine Frau Grace als Nachfolgerin aufbauen – und hat sein Konto damit überzogen. An eine Demokratisierung Zimbabwes ist trotzdem noch lange nicht zu denken. Ein Kommentar.

          Den Präsidenten Robert Mugabe haben die Zimbabwer ertragen. Zwar war er schon lange kein guter Präsident mehr, aber der Kämpferbonus wog schwer. Mugabe hatte in den Jahren vor 1980 maßgeblich dazu beigetragen, dass aus der „weißen“ Siedlerkolonie Rhodesien das von der Mehrheitsbevölkerung regierte Zimbabwe wurde.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Mit der demokratischen Staatsform hatte der ehemalige Untergrundkämpfer allerdings immer Schwierigkeiten. Schon anlässlich seiner ersten Amtseinführung sagte er, eigentlich hätte er einen Einparteistaat vorgezogen. Entsprechend hat er sich dann später auch verhalten. Dass er zusätzlich noch vom Größenwahn befallen wurde, der viele alternde Diktatoren heimsucht, haben das Land und seine Bewohner mit wachsender Armut bezahlt.

          Einfluss von der Schutzmacht China?

          Mit dem Versuch, seine Frau Grace als Nachfolgerin im Präsidentenamt aufzubauen, hat der alte Kämpfer nun aber sein Konto offensichtlich hoffnungslos überzogen. Grace Mugabe, die sich verhält wie die Protagonistin in einem ziemlich schlechten Diktatorenfilm, wollten die Eliten nicht ertragen.

          Inwieweit Zimbabwes Schutzmacht China beim Sturz Robert Mugabes eine Rolle gespielt hat, wird man vielleicht nie erfahren. Eine unter der Herrschaft Grace Mugabes wahrscheinliche Steigerung der Kleptokratie hätte womöglich die umfangreichen chinesischen Investitionen im Land in Gefahr gebracht. Und wenn es ans Geld geht, werden alte und neue Kolonialmächte schon einmal unruhig. Ein Putsch gilt in einer solchen Situation seit Menschengedenken als probates Mittel.

          So ist es nun auch in Zimbabwe gekommen. Mit dem faktischen Ende der Herrschaft Mugabes – als Marionette anderer Kräfte darf er vielleicht noch eine Zeitlang formal im Amt bleiben – ist freilich keines der vielen Probleme des Landes gelöst. Die Entwicklung einer demokratischen politischen Kultur in Zimbabwe hat Mugabe „erfolgreich“ verhindert.

          Es gehört schon viel Optimismus dazu, sich jemanden aus der alten Elite vorzustellen, der bereit und in der Lage wäre, eine nachhaltige Besserung der Lage herbeizuführen. Das „normale Volk“ ist schon lange nur noch Objekt der Politik. An eine Demokratisierung ist deshalb vorerst schon gar nicht zu denken. Der Aufstand des zimbabwischen Militärs bedeutet zwar das überfällige Ende einer Ära, aber keinen Neuanfang.

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