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Streit mit Moskau : Russisches Muster

Putin bei einem Auftritt in Moskau am Donnerstag Bild: AP

Der Westen reagiert auf die Vergiftung eines ehemaligen Doppelagenten scharf und geschlossen. Russland antwortet mit Häme, Leugnen und Zynismus. Offenbar will Putin den verlorenen Weltmachtstatus durch Aggression wiedererlangen.

          Was immer die Absicht derer war, welche die Vergiftung eines ehemaligen Doppelagenten und dessen Tochter in einer englischen Kleinstadt in Auftrag gegeben haben, eines haben sie damit nicht erreicht: die Isolierung des Vereinigten Königreichs.

          Gemeinsam haben die Staats- und Regierungschefs der führenden Mächte des Westens, der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Frankreichs und Britanniens, Russland für diesen Angriff verantwortlich gemacht. Dieser Zusammenhalt ist wichtig, notwendig und, was die Rolle Amerikas anbelangt, leider nicht mehr ganz selbstverständlich. Doch in einer Situation wie dieser muss sich London auf seine Partner verlassen können. Es kann!

          Dass die gemeinsame Reaktion der Vier so scharf ausgefallen ist, liegt zum einen an der Tat selbst: „Der Einsatz eines militärischen Nervenkampfstoffs eines Typs, wie er von Russland entwickelt wurde, stellte die erste offensive Anwendung eines solchen Nervengifts in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs dar.“ Das ist beispiellos.

          Zum anderen liegt das an der russischen Reaktion; aus ihr sprechen Sarkasmus, Häme, Leugnen, Zynismus. All das hat Moskau auch bei anderer Gelegenheit an den Tag gelegt: nach der militärischen Besetzung der Krim und der Aggression in der Ostukraine; nach Angriffen auf Krankenstationen in Syrien; nach der Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf. Immer hat die russische Führung das, was nicht zu leugnen war, als westliche Propaganda abgetan.

          Es ist offenkundig, dass Präsident Putin den „Wiederaufstieg“ Russlands nur in Gegnerschaft zum Westen und zu dessen Institutionen glaubt erreichen zu können. In der russischen Bevölkerung mag das gut ankommen und den gewünschten Zweck erfüllen. Der Nationalismus wird der Schmierstoff auch für die Verlängerung der Herrschaft Putins als russischer Präsident sein. Das muss man als Gegebenheit hinnehmen.

          Aber nicht hinnehmen darf man die russischen Machenschaften, die Länder des Westens und ihre Gesellschaften zu destabilisieren. Es war eine Illusion zu glauben, Russland werde nach dem Ende des Kalten Kriegs so werden (wollen) wie „wir“. Offenkundig ist das nicht so. Unter Putin hat sich Russland entschieden, den verlorenen Weltmachtstatus durch Imponiergehabe und Aggression wiederzuerlangen. Und durch Einschüchterung und brutales Vorgehen gegen alle, die der Kreml zu Feinden erklärt, ob im Inland oder im Ausland.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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