25.08.2012 · Böser Staat contra unschuldige Mädchen: Das war das Bild, das von Pussy Riot gezeichnet wurde. Dabei erinnern die Aktionskünstler mit ihren vulgären Provokationen viel mehr an die erste RAF-Generation.
Von Moritz GathmannRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Herr Gathmann, mit diesem Artikel haben Sie sich als Lichtblick in in
der deutschen Netzjournalisten-Szene profiliert. Eigentlich hätten
Sie einen weiteren Artikel über den "bösen Putin"
schreiben müssen, denn so läuft es doch: Die Leitmedien setzen
die Wertungen fest und geben die Parolen heraus, der Rest - so er denn
nicht abseits stehen will - äfft dem nach, bzw. versucht das Ganze
noch drastischer und Radikaler darzustellen (copy&paste,
umformulieren und im Ton noch einen draufsetzen).
Sie aber haben ein stückweit den Ruf des kritischen Journalisten
wiederhergestellt, indem sie auch mal eine andere Ansicht zu
präsentieren wagten und das durch Hintergrundsfakten untermauerten.
Das kommt in letzter Zeit leider viel zu selten vor.
DANKE aus Moskau, Herr Gathmann!
Der erste sinnvolle und ausgewogene Kommentar, den ich über den PR-Prozess gelesen habe. Ich bedauere nur, man braucht wieder mal einen Deutschen, uns Russen den Spiegel vor die Nase zu schieben. Den russischen Kommentatoren fehlen meist Überparteilichkeit und Moral, den westlichen - Einsicht in die Mentalität der modernen rassischen Gesellschaft... Also, bravo!
"...die grüne Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Beck sogar
extra zum Prozess nach Moskau kommen..."
Beruhigend zu wissen, daß auch die an der Wertschöpfung
Unbeteiligten gut genug gepampert sind, für solchen Blödsinn
Steuergelder zu verpulvern. Andererseits muß man einmal mehr
feststellen, daß diese Oberlehrer anderen - die sie ali-mentieren
- Wasser prdigen und selbst Sekt saufen. Oder wie war das mit dem Umweltschutz?!
Putinist und linientreu, Herr Gathmann?
P.R. passen nicht in Ihr anscheinend konservatives Weltbild. Punks und
Anarchokünstler haben da keinen Platz.
Ich sehe hier genau die Freiheit der Kunst bedroht.
Die Damen mögen krasse Aktionen durchgeführt haben - aber ein
Russland-Kenner wie Sie weiß auch, dass die russ. Gesellschaft in
einer ohnmächtigen Starre verharrt - und kaum freier wird mit der
gegenwärtigen Gesetzgebungstendenz.
Gut, dass es Punk-Anarchisten wie P.R. dort gibt - die provozieren und
regen das Denken an.
Und mal ehrlich - "Selbsverwaltung" wie von Ihnen zitiert -
das ist doch klassisch deutsche Verwaltungspraxis!??!
Frech und unerhört ist der Vergleich mit den brutalen Terroristen
der RAF.
Damit stellen Sie sich auf eine Linie mit den Anklägern und der
Partei einiges Russland!
Gathmanns Beitrag war überfällig und stellt einen Lichtblick,
in gewisser Weise sogar eine Art Ehrenrettung der deutschsprachigen
Russland-Berichterstattung dar. Fast hätte man glauben können,
die politische Klasse Berlins hätte dazu gedrängt werden
sollten, den Russen wegen "Pussy Riot" den Krieg zu
erklären. Und fast glaubte man sich schon sorgen zu müssen,
dieser verzweifelte Versuch von Spiegel u.a., die traurigen
Überreste einer einst ehrenwerten russischen Opposition als Heroen
zu glorifizieren, würde gänzlich unwidersprochen bleiben. Ganz
gewiss sind die Gleichsetzungen mit der frühen RAF schief (Muehl
& K 1 wären treffender gewesen), aber sie sind verzeihlich,
weil der Autor dem deutschen Leser offenbar die Dimension von
provokativer Gewalttätigkeit nahebringen wollte - und das ist ihm
durchaus gelungen.
Alexander Tvar
Berlin - Moskau
Herr Grothe, fast überall ist die Justiz der Lieferant politisch gewünschter Urteile.
Heute hat die israelische Justiz erklärt, Rachel Corrie sei
"versehentlich" trotz neonfarbener Warnweste und gegenteiliger
Zeugenaussagen von einem israelischen Bulldozer plattgewalzt worden als
sie sich gegen einen illegalen Hausabriss durch die Besatzungsmacht stellte.
Und ebenfalls heute hat die Ami-Justiz die Koranverbrenner und die
Leichen-Urinierer weissgewaschen, was mit ziemlicher Sicherheit noch
mehr afghanische Soldaten dazu bringen wird, ihre Waffen auf die
Besatzungstruppen zu richten.
Während der Amtszeit der heiligen julia in der Ukraine hat die
Justiz bewusst keine Ermittlungen gegen die Hintermänner eines
Auftragsmordes an einem kritischen Journalisten aufgenommen, weil diese
Behördenmitglieder waren. (Jetzt wo diese Tusse plötzlich
selbst in Knast sitzt, jammert sie wegen "politischer" Justiz
in der Ukraine rum, die scheinheilige Kriminelle.)
Wo sind oder waren denn die westlichen Berufsempörer bei diesen
Justizmisständen und politischen Urteilen???
Pöbelei, Pornographie, Narzissmus, radikaler Antiklerikalismus. Schön und gut, bzw. eklig genug. Das wurde in diesem Artikel alles beschrieben. Der Autor hat jedoch keinerlei Beleg für eine Gewaltneigung der Pussy Riot - Mitglieder geliefert. Da ist der Vergleich mit der RAF schon ein starkes Stück... Mich persönlich erinnert das Ganze eher an das Wiener Museum, in dem sich ein Swinger-Club öffentlich austoben durfte, die Baghwan-Sekte, die mit Massenorgien die Welt verbessern wollte, linke Aktivisten, die ihren Kindern bereits im Kleinkindalter Sex lehren wollten oder Jeff Koons, der mit Hilfe einer Pornodarstellerin und Sexdarstellungen Abermillionen scheffelte. Sexualler Narzissmus macht offensichtlich vor keiner Bevökerungsgruppe halt. Weder vor den Kapitalisten (Koons), (pseudo)Religiösen (Baghwan) oder Linken (Pussy Riot). Sogar ein FAZ-Redakteur besucht laut einem unter faz.net veröffentlichten Artikel Sexshows (Junggesellenabend) - handelt es sich dabei um ein RAF-Mitglied?
bitte erklären Sie mir doch den "künstlerischen
Wert", wenn eine Frau mit hochgeschobenem Kleid, weit gespreizten
Beinen und halb in die Vagina geschobenem Suppenhuhn öffentlich
neben dem Kühlregal für Milchpodukte in einem Supermarkt
sitzend, masturbiert.
Das ist keine Kunst und das wird auch nie ein Kunstwerk auch wenn
manche selbsternannten "Avantgardisten" das nicht zugeben
wollen. Heutzutage traut sich doch die sog. Kunstszene gar nicht mehr
aus Angst für reaktionärer Biedermann gehalten zu werden, Mist
einfach MIst zu nennen. Mcih erinnert das immer an "Des Kaiser's
neue Kleider", wo sich keiner traut das Offensichtlich
auszusprechen. Ein verrottete Schweinehälfte aufzuhänegn ist
genausowenig Kunst wie die oben gechilderte Pornographie
Wenn der Autor die Pussy-Riot-Frauen mit Ulrike Meinhof vergleicht, tut er Meinhof posthum Unrecht. Sie hat - um in seinem Beispiel zu bleiben - das Risiko ihres Schritts in den Untergrund für ihre Kinder erkannt und nach ihren Möglichkeiten versucht, sie aus der Schusslinie zu bringen. Dass das letztlich nicht geklappt hat, ist eine andere Frage - aber ihr Verhalten war etwas ganz anderes, als mit dem Zweijährigen im Rucksack auf eine Demo zu gehen und ihn dem Risiko von Tränengas und Polizeiknüppel auszusetzen.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 28.08.2012 21:38 UhrKlarer Fall von Desinformation
Der Vorkommentator hat alles Notwendige geschrieben.
Schief gewickelt,
sind Sie da, lieber Herr Lauterbach. Sie brauchen die Meinhof nicht zur fürsorglichen Mutter hochzustilisieren - das war sie nicht. Ein kurzer Blick in Bettina Röhls Biographie hätte genügt, oder eben in Wikipedia, wenn Sie sich das Buch nicht kaufen oder ausleihen mögen. "Röhl wurde im Mai 1970 im Alter von sieben Jahren von RAF-Mitgliedern, die mit Meinhof befreundet waren, zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Regine für vier Monate nach Sizilien entführt, um dem Vater, dem das vorläufige Sorgerecht zugesprochen worden war, die Kinder zu entziehen" - und das ist eher noch vorsichtig ausgedrückt. Meinhofs Verhalten ist also noch verwerflicher, als mit dem Zweijährigen zur Demo zu gehen!!!
Die Suppenhühner-Affäre führt natürlich zur Frage nach den eigentlichen Gründen des Konflikts und des Furors der Anti-Putin-Koalition. Die „Zeit“ ist diese Frage auf den Grund gegangen und fündig geworden: „Freiberufler und Kreative kollidieren mit den Verwaltungsbeamten, Mittelschicht und Arbeiterschaft geraten in Widersprüche. Viele, die sich unter Putin im vergangenen Jahrzehnt Bildung und Besitz erarbeitet haben, wenden sich nun gegen ihn: Sie wollen Respekt, Mitsprache und ehrliche Wahlen statt Scheindemokratie.“ („Die Zeit“, 05.03.2012) Nun wissen wir es also, für wen wir empört auf die Straße gehen und unsere Solidarität bekunden sollen: Es geht um den Respekt für die Moskauer Schicki-Micki-Yuppi-Schicht, sozusagen den Prenzlauer Berg Rußlands! In Athen, Madrid und Lissabon hätte man gern keine andere Sorgen als die Widersprüche zwischen nicht genügend respektvoll behandelten Freiberuflern und Kreativen auf der einen und dem Rest der Gesellschaft auf der anderen Seite...
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.08.2012 11:51 Uhr„Barbarossa-Light“
Wie kommen Sie darauf, ich würde in meiner Glosse irgendwelchen „Gutmenschen“ huldigen (was immer das heißen möge)? Man sollte als Student schon in der Lage sein, ein Zitat (in diesem Falle aus der Hamburger „Zeit“) von der Autorenmeinung zu unterscheiden. Natürlich ist denen zustimmen, die diesen ganzen orchestrierten Propagandazirkus von Fox-News über „Figaro“ bis „Bild“ um die russische Opposition nicht ganz ernst nehmen können. Der Spaß hört allerdings spätestens in dem Moment auf, wo sich eine „Free Russian Army“ (FRA) konstituiert hat, in Warschau ein Koordinierungsbüro für die Implementierung einer vom „National Endowment for Democracy“ (NED ) und der Berliner „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) verfaßten Transitions-Roadmap für den „Day After“ nach dem Regime-Change im Kreml aufgezogen ist und im UNO-Sicherheitsrat die Einrichtung einer Flugverbotszone von Petersburg bis Wladivostok gefordert wird. Als Codename für diese Operation böte sich „Barbarossa-Light“ an...
„Barbarossa-Light“
Wie kommen Sie darauf, ich würde in meiner Glosse irgendwelchen „Gutmenschen“ huldigen (was immer das heißen möge)? Man sollte als Student schon in der Lage sein, ein Zitat (in diesem Falle aus der Hamburger „Zeit“) von der Autorenmeinung zu unterscheiden. Natürlich ist denen zustimmen, die diesen ganzen orchestrierten Propagandazirkus von Fox-News über „Figaro“ bis „Bild“ um die russische Opposition nicht ganz ernst nehmen können. Der Spaß hört allerdings spätestens in dem Moment auf, wo sich eine „Free Russian Army“ (FRA) konstituiert hat, in Warschau ein Koordinierungsbüro für die Implementierung einer vom „National Endowment for Democracy“ (NED ) und der Berliner „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) verfaßten Transitions-Roadmap für den „Day After“ nach dem Regime-Change im Kreml aufgezogen ist und im UNO-Sicherheitsrat die Einrichtung einer Flugverbotszone von Petersburg bis Wladivostok gefordert wird. Als Codename für diese Operation böte sich „Barbarossa-Light“ an...
Aha...
Abramovich will ehrliche Wahlen? Sind Sie so der festen
Überzeugung, dass es Gutmenschen sind, die Sie hier beschreiben.
Wer in Russland viel Geld und Macht hat, der ist von einem Gutmenschen
soweit entfernt, wie Europa von der wirklichen Demokratie und die USA
von einem säkulerem Staat.
Die Suppenhühner-Affäre als Haupt- und Staatsaktion
„Die meisten oppositionell gesinnten und gut informierten Russen, und davon gibt es in Moskau Hunderttausende...“ Die aneinanderreihende Aufzählung der beiden Adjektiv-Konstruktionen impliziert mehrere mögliche Deutungen. Die erste: Alle oppositionell gesinnten Russen sind gut informiert, im Gegensatz zu den nichtoppositionell gesinnten, die allesamt schlecht informiert sind, was man allein daran sehen kann, dass sie nicht oppositionell sind. Die zweite: Neben oppositionell gesinnten gibt es auch noch gut informierte Russen, was einen sich ausschließenden Gegensatz postuliert, d.h. man ist entweder das eine oder das andere. Schließlich eine dritte: „Gut informiert zu sein“ und eine „oppositionellen Gesinnung“ müssen sich nicht zwangsläufig bedingen, d.h. Ignoranz ist durchaus auf beide Lager verteilt. Bei aller bemerkenswert differenzierten Sicht des Autors auf die Suppenhühner-Affäre wird er nicht über die Unterstellung beleidigt sein, er hänge der ersten Interpretation an.
Moritz Gathmanns absurder RAF-Vergleich wird durch die Leserbriefreaktionen überzeugend widerlegt: Denn genau die Leser, die am meisten über ihn empört sind - weil sie die RAF für eine üble Mörderbande halten - lassen gleichzeitig Symphatie für die Pussy Riots erkennen, deren Aktionen sie doch wohl eher unter legitimen Protest einordnen möchten. Dass ein und dieselbe Geisteshaltung sowohl tiefe Abscheu als auch klammheimliche Sympathie bei ein- und denselben Menschen hervorruft, ist doch wohl eher unwahrscheinlich.
Absurder Vergleich mit der "ersten RAF-Generation"
Ich schätze die juristische Methodik des "Audiatur et altera pars" auch in der journalistischen Betrachtung eines Sachverhalts. Gathmann entwertet aber seinen legitimen Ansatz völlig, indem er die russischen Aktionskünstler mit der "ersten RAF-Generation" vergleicht. Als einzigen Beleg führt er die Entführung (vom Vater Röhl weg) der Meinhof-Kinder nach Sizilien an. Das passende Gegenstück suche ich aber vergebens. Mir ist nicht bekannt, dass ein Mitglied der "ersten RAF-Generation" sich im Aktionskunstbereich, der Happening und Fluxusbewegung der 1960/70er getummelt hätte. Die Vorläufer der russischen Aktions-und Provokationskünstler ( meinetwegen auch "Künstler") sind bei H. Nitsch, Otto Muehl, O. Wiener & Co,. zu verorten, die sich schon längst "exhibitioniert" hatten, als Ensslin und ihr Lebensgefährte sich noch im Projekt der Werkausgabe eines BluBo-Literaten verfranzt hatten + U. Meinhof auf Cocktail-Parties herumgereicht wurde und in Ost-Berlin ein-und ausspazierte.
Wenn schon Protest, dann bitteschön gesittet!
Der Artikel geht doch am Kern der Sache vorbei. Der Skandal ist doch
nicht, dass Pussy Riot protestiert haben. Auch nicht dass sie verurteilt
wurden. Sondern dass offensichtlich die Justiz in Russland
ausführendes Organ der Herrschenden ist. Nicht unabhängig,
sondern eben Lieferantin politisch gewünschter Urteilswünsche.
Auch fehlt dem Autor das Verständnis für gesellschaftliche
Zusammenhänge. Veränderungen gehen meist von einer kleinen
Gruppe aus, die vielleicht wirre Gedankengebäude haben. Aber ein
Gedanke ist darunter, der auch die Mehrheitsgesellschaft anspricht. Und
der die Gesellschaft freier, besser macht. Von gesitteten und
mehrheitsfähigen Protesten gehen so viele Impulse aus wie von
McDonalds in die Kulinarik.
Schließlich sagt auch der persönliche Lebenswandel nichts
über den Wert, die Relevanz oder die Wichtigkeit eines Kunstwerks aus.
Der Vergleich mit der RAF selbst ist vielleicht überzogen;
näher dran aber die damalige Szene, aus der erst die RAF erwuchs,
also z.B. die Kommune I.
(Burn, warehouse, burn!, Puddingattentat etc.)
Kunzelmann oder wohl eher Langhans sagten damals zur politischen
Motivation ihrer "Kunstaktionen" sinngemäß:
Mir gehts nicht um Vietnam, mir gehts um meine Orgasmusschwierigkeiten.
Pjotr Versilow drückte es so aus: „Eine Aktion ist ein
totalitärer Orgasmus.“
Irgendwann dachte ich mir, jetzt sind alle verrückt geworden. Die Pussy Riot als Freiheitskämpfer und Angela Merkel für einme "Punkband". Wie ist es eigentlich gekommen, dass die Medien diese Gleichschaltung, diese Mainstreamisierung erfahren haben. Einzig die (konservative) FAZ - und, bitte kurz schlucken - die (marxistische) Tageszeitung junge welt scheinen den Auftrag zu ANALYSIEREN und HINTER die Fassaden zu schauen noch wahrzunehmen. Sonst nur noch Mittelmaß und Nachgeplapper. Danke für diesen Text. Was mir nicht gefällt, ist der RAF-Vergleich. Ich würde Pussy Riot ästhetisch vielmehr mit Otto Muehls AAO Kommune aus den Sechziger/Siebzigern vergleichen, wo die Kunst zur Sekte wurde und geregelte Penetrationspläne erstellt wurden. Ich glaube nicht, dass aus PR (Public Relation bzw. Pussy Riots) irgendwann Terroristen werden - sondern eher Stipendiaten bei irgendeiner Demokratie- und Kunststiftung zb. der Grünen, der CDU oder der SPD.
Was mich an diesem Artikel in erster Linie stört, ist ...
... das respektlose Wort "Mädchen" im Anreißer. Das
sind Frauen. "Unschuldig" sind sie auch nicht, weil sie diese
wie wir hier ja nun groß und breit ("Sex im neunten
Monat" - könnte auch in minderwertigen Blättern dieser
Republik stehen) lesen können und uns auch bereits gedacht haben.
Des Weiteren tun die "pornografischen" Histörchen der
eine Frau dieser Gruppe auch nichts zur aktuellen Sache, sondern
bedienen nur das reflexhafte Angewidertsein einiger Kommentatoren hier.
Das alles hat nichts mit dem Auftritt in der Kirche und dem
Strafmaß zu tun. Was völlig an den Haaren herbeigezogen und
nicht nachvollziehbar ist, ist der Vergleich mit der RAF. Und die
Bourgeousie klatscht brav zum Artikel.
Das liegt daran, weil es sich um Frauen handelt. Die müssen
hübsch die Unschuld spielen und die Beine zusammen- und den Mund
ganz halten.
Bravo FAZ, Bravo Herr Gathmann. Das ist Journalismus!!!
Bedenkliche Stimmungsmache und abstoßender RAF-Vergleich
Bei der Suppenhuhn-Aktion war keine der drei verurteilten Frauen dabei.
Pussy Riot ist nicht gleich "Woina", die gewählte
Überschrift ist schon deshalb sehr bedenklich.
Bei bei der Museumsaktion von Woina hat nur eine der Pussy-Riot-Frauen,
N. Tolokonnikowa dabei. Nichtgestotrozt und nicht mal das damals
erklärte Aktionsziel von Woina erwähnend (Kritik am
"Tandem" Medwedew-Putin, der Ort, Zoomuseum und die Widmung
"an den Teddybären" als Namensspiel zu Medwedews
Nachnamen) ergiesst er sich an dem nach seiner Meinung geschacklosen
Stil und projiziert von "Woina" 100%-ig auf Pussy Riot.
Im 2009er FAS-Artikel vom selben Autor, auf seiner HP als Pdf gelistet,
schreibt er von der Kiewer Aktion, dass das besagte ukrainische Paar den
Sexakt imitierte. In der aktuellen Version "hatte ein ukrainischer
Blogger Geschlechtsverkehr"(echten also, na sowas).
Das hier ist keine objektive Berichtserstattung. Vielmehr hat der Autor
ein Problem mit sexueller Thematik und bedient ähnl. Ressentements.
Auch ein Suppenhuhn muss vermarktet werden
Jetzt wäre es noch ganz interessant zu erfahren, was mit den
Milliarden an GEZ-Gebühren bei ARD und ZDF so passiert. Diese
publizierten im Internet eine "Übersetzung" des
"Punk-Gebetes", welche an den entscheidenden Stellen aus dem
russischen Slang sehr zweifelhafte Übersetzungsformen enthielt,
welche milde gesagt, nicht dem Alltagsgebrauch und dem Sinn entsprechen.
Diese Übersetzung wurde von zahlreichen Medien 1:1 und ohne weitere
Gegenprüfung übernommen. Fachkräftemangel wohnin man schaut.
Interessanter Artikel dazu "Der Putin ist an allem schuld"
unter telepolis.de