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Prozess gegen Charles Taylor : Teure, dreckige Kieselsteine

„Es ist normal für mich, nachts Geschenke zu bekommen” Bild: REUTERS

Naomi Campbell hat vor dem Sondertribunal für Sierra Leone zugegeben, „dreckig aussehende Steine“, also Diamanten, bekommen zu haben. Ob das für eine Verurteilung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Charles Taylor reicht, ist fraglich.

          Für Brenda Hollis, die Chefanklägerin im Verfahren gegen den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor, und für viele Menschen in Sierra Leone, die unter dem Bürgerkrieg der Jahre 1991 bis 2001 gelitten haben und deren Blicke sich nach Den Haag richten, muss dieser Donnerstag ein Wechselbad der Gefühle sein. Als Erfolg können sie verbuchen, dass Naomi Campbell, das britische Supermodel, tatsächlich in dem sterilen Saal, in dem das Sondertribunal für Sierra Leone gegen Taylor verhandelt, als Zeugin aussagte. Denn sie hatte sich lange dagegen gesträubt, und die Verteidiger Taylors hatten bis zum Schluss versucht, auf eine Verschiebung des Termins hinzuwirken; erst am Vorabend lehnte das Tribunal das ab.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Zudem verhilft Campbells Anwesenheit dem Prozess und damit der Erinnerung an einen der grausamsten Konflikte der neunziger Jahre, in dem etwa 120 000 Menschen starben und Tausende verstümmelt wurden, zu ungewohnter Aufmerksamkeit. Und einen Moment scheint es an diesem Tag gar, als ob die Aussage des Models Taylor belasten würde, als ob es endlich eine Aussage geben könnte, die vor Gericht belegt, dass der frühere Kriegsherr über Diamanten verfügte.

          Solche hat er laut Anklage von den Rebellen der „Revolutionary United Front“ (RUF) erhalten, die in Liberias Nachbarland wüteten und die er im Gegenzug mit Waffen und Munition versorgt haben soll. Doch am Ende wird es dafür heute wieder einmal keine Gewissheit geben, wird wieder einmal der mittlerweile 62 Jahre alte ehemalige Kriegsherr, der im Nadelstreifenanzug mit schimmernder Krawatte hinter einer Truppe Verteidigern sitzt und dem Mord, Kriegsverbrechen, Vergewaltigung und Einsatz von Kindersoldaten zur Last gelegt werden, die Oberhand behalten.

          Im Presseraum in Den Haag wird die Aussage Naomi Campbells auf einer Leinwand übertragen

          Campbell sieht für ihre Verhältnisse züchtig aus

          Mit einigen Minuten Verspätung betritt Naomi Campbell den Saal, in einem cremefarbenen Kleid und einem gleichfarbigen, halb durchsichtig Jäckchen. Leute, die etwas von der Modewelt verstehen, sagen, die Vierzigjährige sehe für ihre Verhältnisse sehr züchtig aus - sonst kleide sie sich bei öffentlichen Auftritten meist flamboyanter.

          Sie schwört auf die Bibel, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen, gibt ihren Wohnort mit Vereinigte Staaten, New York an. Von der Vorsitzenden Richterin nach ihrem Beruf befragt, sagt sie: „Ich bin Model, eine selbständige Geschäftsfrau, und ich arbeite viel für wohltätige Zwecke.“ Ihre dunkle Stimme klingt bestimmt, aber höflich - und nur selten genervt. Einmal, als das passiert, fragt die Chefanklägerin die Zeugin, ob sie nervös sei. „Wie Sie alle wissen, wollte ich nicht herkommen“, erwidert das Model. „Ich wollte nichts mit alldem zu tun haben.“ Sie mache sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Familie, sie habe gelesen, dass Taylor im Verdacht stehe, „viele Leute“ getötet zu haben. Um ihren Hals baumelt ein silbernes „Nazar“-Ammulett, das die Form eines Auges hat; im orientalischen Volksglauben dienen solche Zeichen zur Abwehr des „Bösen Blicks“.

          Diese Sorgen mögen erklären, warum das Tribunal Campbells Erscheinen erst anordnen musste, dass sie ihre Version der Geschichte nicht aus freien Stücken zu Protokoll gab und Fragen von Journalisten nicht oder ausweichend beantwortete. Im August vergangenen Jahres erfuhr die Chefanklägerin von einem Abendessen, zu dem Nelson Mandela Ende September 1997 als Präsident Südafrikas in seine Residenz in Pretoria geladen hatte. Dabei waren unter anderen Campbell, damals wie heute Botschafterin von Mandelas Kinderhilfsfonds, ihre damalige Agentin Caroline White sowie die Schauspielerin Mia Farrow - und Charles Taylor.

          Taylor sagt, er habe nie Diamanten besessen

          Campbell habe am Morgen danach erzählt, dessen Männer hätten ihr in der Nacht ein Geschenk überbracht, berichteten Farrow und White; erstere sprach von einem großen ungeschliffenen Diamanten, letztere von fünf bis acht, wohl sechs kleineren. Auf die Geschichte vor Gericht angesprochen, sprach Taylor von „totalem Quatsch“ - er habe nie Diamanten erhalten. Um das zu überprüfen, gestatteten die Richter der Chefanklägerin, die drei Damen als Zeuginnen vorzuladen; Farrow und White sollen Campbell am kommenden Montag folgen. Ihre Aussagen seien „in hohem Maße beweiskräftig und für die Anklage wesentlich“.

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