10.09.2010 · Brennende Puppen und Flaggen - längst hat sich die Weltöffentlichkeit an diese Demonstration des Volkszorns gewöhnt. Warum eigentlich? In der Verharmlosung liegt nicht nur westliche Überheblichkeit.
Von Jasper von AltenbockumAn die Bilder brennender Puppen, die an Galgen baumeln, hat sich die Weltöffentlichkeit längst gewöhnt. Der (gesteuerte) Volkszorn, der sich darin äußert, gilt offenbar als so legitim, dass er sich auf menschenverachtende Weise Luft machen darf. Warum eigentlich? Wie kann es sein, dass Hass und Verachtung hier klaglos hingenommen, ja als politische Folklore präsentiert werden, dort aber - wie jetzt vor der geplanten Koran-Verbrennung in Florida - den Zorn der ganzen Welt erregen?
Die Antwort lautet: An die Vereinigten Staaten, an den Westen sind andere Maßstäbe anzulegen als an Iran, Pakistan oder den Gaza-Streifen. Doch in der Verharmlosung der Erregungsrituale aufgepeitschter islamistischer Massen liegt auch Diskriminierung und westliche Überheblichkeit - folgt sie mitunter doch dem Gedanken: So sind sie eben! Umgekehrt steckt in der Verurteilung christlicher Hassprediger durch islamische Öffentlichkeiten viel Scheinheiligkeit. Oder sollten auch sie an Amerika andere, höhere Maßstäbe anlegen? Das ließe darauf hoffen, dass auch im Islam vor der eigenen Tür gekehrt wird.
Ungeachtet internationaler Proteste halten fundamentalistische Christen in den Vereinigten Staaten an der geplanten Koran-Verbrennung fest. Die Gruppe Dove World Outreach Center in Gainesville im Bundesstaat Florida will zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 etwa 200 Exemplare des Korans verbrennen, des Heiligen Buchs der Muslime. Damit wollen die evangelikalen Christen nach den Worten ihres Pastors Terry Jones eine „klare Botschaft“ gegen Drohungen radikaler Islamisten senden.