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Proteste in Kabul Unruhen in islamischen Ländern dauern an

 ·  Auch am Montag hat es in der islamischen Welt wieder heftige antiwestliche Proteste gegeben. In der libanesischen Hauptstadt Beirut demonstrierten Tausende Hizbullah-Anhänger gegen den Film, in der afghanischen Hauptstadt Kabul gab es Dutzende Verletzte.

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In der islamischen Welt haben die antiwestlichen Ausschreitungen neue Opfer gefordert. Die Unruhen griffen auch auf Pakistan über, wo in der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa am Montag eine Person bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften getötet wurde. Diese schossen laut pakistanischen Presseberichten auf einen Mob im Distrikt Upper Dir, der den örtlichen Presseklub und Regierungsgebäude in Brand setzte. In der Provinzhauptstadt Peshawar gab es Zusammenstöße, als Sicherheitskräfte einen Protestmarsch daran hinderten, in die Nähe des amerikanischen Konsulats zu gelangen.

In der südpakistanischen Hafenstadt Karachi hatte es schon am Sonntagabend Ausschreitungen gegeben; als ein Protestmarsch der Jamiat-i-Talaba, der Studentenorganisation der islamistischen Jamaat-i-Islami, versuchte, in die Nähe des amerikanischen Konsulats zu gelangen, setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein und feuerten Warnschüsse ab. Die pakistanisch-amerikanischen Beziehungen hatten sich im vergangenen Jahr drastisch verschlechtert. In der Bevölkerung herrscht großer Unmut über die andauernden amerikanischen Drohnenangriffe, welche die Regierung in Islamabad nach außen hin verurteilt.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul gab es nach Polizeiangaben Dutzende Verletzte bei Zusammenstößen. Der Mob setzte nach Angaben der Polizei und von Augenzeugen Autos und Geschäfte in Brand. Demnach waren auch Schüsse zu hören. Es soll auch aus der Menge auf die Sicherheitskräfte gefeuert worden sein. Nach Angaben der amerikanischen Botschaft gab es Proteste in mehreren Teilen der Stadt, unter anderem auf der Dschalalabad-Road, an der ein Stützpunkt der Schutztruppe Isaf liegt. Am Sonntag hatten Studenten in Kabul und Herat friedlich protestiert.

Angriff auf die amerikanische Botschaft in Jakarta

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta griffen Randalierer die amerikanische Botschaft an, und warfen Molotow-Cocktails. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Wasserwerfer und Tränengas ein und gab Warnschüsse ab. Auch aus der Philippinischen Hauptstadt Manila und aus dem Jemen wurden Proteste Tausender gegen die Vereinigten Staaten und Israel gemeldet.

Anlass der Gewaltausbrüche ist weiterhin der in den Vereinigten Staaten produzierte Amateurfilm „Die Unschuld der Muslime“, der den islamischen Propheten Mohammed verunglimpft und offenbar als gezielte Provokation verbreitet wurde. „Tod Amerika“ war einer der Slogans der Proteste. In Malaysia blockierte das Internetportal Youtube die Verbreitung des Films, nachdem die dortige Regierung eine offizielle Beschwerde eingereicht hatte. Auch in Indonesien, Libyen, Indien und Ägypten ist der Film nicht mehr in voller Länge zu sehen.

Nasrallah fordert Verbot des Films im Internet

In der libanesischen Hauptstadt Beirut demonstrierten am Montag Tausende Hizbullah-Anhänger gegen den Film. Der Generalsekretär der schiitischen Partei, Hassan Nasrallah, forderte die Vereinigten Staaten bei der Kundgebung auf, ein Verbot des Films im Internet durchzusetzen. Es war erst der vierte öffentliche Auftritt Nasrallahs seit dem Krieg zwischen Israel und der Hizbullah 2006. Innenminister Marwan Charbel versicherte, dass die libanesischen Sicherheitskräfte „gut koordiniert“ seien und amerikanische Einrichtungen schützen könnten. Am Freitag hatten Demonstranten im nordlibanesischen Tripoli zwei Restaurants amerikanischer Fast-Food-Ketten angegriffen, dabei wurde eine Person getötet.

Nasrallah hatte am Sonntagabend zu den Protesten aufgerufen, denen sich auch die vom schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri geführte Amal-Partei anschloss. Nasrallah verlangte von der amerikanischen Regierung ein Sendeverbot des Films und die Verfolgung der Produzenten, die dafür verantwortlich seien, dass „die Würde von anderthalb Milliarden Menschen auf der Welt“ verletzt worden sei. Den Film bezeichnete er als „schlimmsten Angriff auf den Islam aller Zeiten, schlimmer als die Satanischen Verse Salman Rushdies, die Verbrennung des Korans in Afghanistan und die Karikaturen in europäischen Medien“.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will unterdessen eine weltweite Ächtung von Islamophobie erreichen. Er werde das Thema bei der bevorstehenden UN-Vollversammlung in New York zur Sprache bringen, sagte Erdogan nach Presseberichten vom Montag. Er verwies darauf, dass die Türkei den Antisemitismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt habe. Dagegen habe der Westen die Islamophobie nicht geächtet, sondern sogar noch dazu ermuntert. Die Türkei will nach Erdogans Worten auch ihre eigenen Gesetze nachbessern; es gehe um eine Grenzziehung zwischen der Meinungsfreiheit und der Religionsfreiheit, sagte der Ministerpräsident. Erdogan hatte in den vergangenen Tagen den Schmähfilm als beleidigend kritisiert, zugleich aber vor gewaltsamen Reaktionen gewarnt; den tödlichen Angriff auf amerikanische Diplomaten vorige Woche im libyschen Benghasi bezeichnete er ausdrücklich als „Terror“.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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