http://www.faz.net/-gpf-75ol3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.01.2013, 18:55 Uhr

Proteste im Irak Zehntausende demonstrieren gegen Ministerpräsident Maliki

Nach den Gebeten am Freitag haben Zehntausend Sunniten gegen die Politik von Ministerpräsident al Maliki demonstriert. Die sunnitische Minderheit im Irak fürchtet, an den Rand gedrängt zu werden.

© dpa Zehntausende Menschen beteiligten sich an den Protesten

Zehntausende Sunniten haben im Irak nach dem Freitagsgebet gegen die Politik des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki protestiert. Sie forderten die Freilassung von Gefangenen, die unter Terrorverdacht verhaftet wurden, und zum Teil schon seit Jahren auf ihren Prozess warten. Die Protestaktionen in Samarra, Tikrit, Kirkuk, Mossul und verschiedenen Städten der westlichen Anbar-Provinz blieben friedlich.

In der schiitischen Wallfahrtsstadt Nadschaf gingen unterdessen mehrere hundert Anhänger von al Maliki auf die Straße, um ihre Solidarität mit dem Regierungschef zu bekunden. Sie riefen nach Angaben der Nachrichtenagentur Sumeria News außerdem Slogans gegen Israel, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei.

Mehr zum Thema

Die sunnitische Minderheit wirft der Regierung vor, sie zunehmend an den Rand zu drängen. Seit drei Wochen kommt es deshalb immer wieder zu ähnlichen Massenprotesten. Auch wurden zuletzt wieder vermehrt Anschläge mit zahlreichen schiitischen Opfern verübt. Als Drahtzieher werden radikale sunnitische Gruppen wie Al Qaida vermutet. Die Vorfälle schüren Sorgen, dass der Irak etwa ein Jahr nach Abzug der letzten US-Soldaten wie in der Vergangenheit wieder auf massive Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen zusteuert.

Regierungsnahe irakische Medien berichteten unterdessen, das Verteidigungsministerium habe entschieden, zwei Grenzübergänge nach Syrien zu schließen. Zuvor war bereits der Grenzübergang Tarabil nach Jordanien dichtgemacht worden. Angehörige der sunnitischen Minderheit sind der Meinung, dass diese Maßnahmen Teil eines Plans von al Maliki sind, um die Menschen in den Protesthochburgen abzustrafen. Die Mehrheit der Bewohner von Jordanien und Syrien sind sunnitische Muslime.

Iraqi Sunni protest in Fallujah city Die Demonstranten forderten die Freilassung von Gefangenen © dpa Bilderstrecke 

Quelle: FAZ.NET mit dpa/Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kampf gegen den IS IS-Hochburg Falludscha gilt als befreit

Nach vier Wochen Rückeroberungskampf soll die IS-Hochburg Falludscha gefallen sein. Iraks Regierung verkündet die Befreiung. Mehr

17.06.2016, 22:27 Uhr | Politik
Kampf von Rebellen Kämpfe gegen IS-Miliz in Syrien und dem Irak

Nahe Kafar Kalbin nordwestlich der syrischen Stadt Aleppo kämpfen Rebellen gegen Mitglieder der Miliz Islamischer Staat. Die Dschihadisten hatten eine wichtige Nachschubroute zwischen zwei Rebellenhochburgen unterbrochen. Tausende Menschen sind laut Aktivisten vor der IS-Offensive auf der Flucht. Im Irak haben kurdische Peschmerga eine Offensive gegen IS-Kämpfer gestartet, um Gebiete östlich der irakischen IS-Hochburg Mossul zurückzuerobern. Mehr

30.05.2016, 09:06 Uhr | Politik
Terrorgruppe Menschlichkeit interessiert null im Islamischen Staat

Die Beobachtung einer brutalen Hinrichtung in Syrien ist für ihn der Wendepunkt: Ein 27 Jahre alter Mann aus Bremen verliert seinen Glauben an den Islamischen Staat und kehrt zurück. Jetzt sagt er vor Gericht umfassend aus. Mehr Von Frank Pergande, Hamburg

22.06.2016, 17:19 Uhr | Aktuell
Größtes Kriegsschiff der Welt Hier beginnt der Kampf gegen den IS

Vom Flugzeugträger Harry S. Truman aus starten amerikanische Kampfjets, um den Islamischen Staat in Syrien und dem Irak anzugreifen. Das größten Kriegsschiff der Welt ist derzeit im östlichen Mittelmeer stationiert. Seit August 2014 bekämpft eine von den Vereinigten Staaten geführte internationale Koalition den IS. Mehr

08.06.2016, 15:29 Uhr | Politik
Massaker in Orlando Keine Zeit zum Trauern

Donald Trump nutzt das verheerende Massaker von Orlando für Angriffe auf Muslime – und geriert sich als Beschützer von Amerikas Homosexuellen. Mehr Von Andreas Ross, Washington

14.06.2016, 19:33 Uhr | Politik

Bayxit?

Von Reinhard Müller

Für Horst Seehofer ist die Brexit-Abstimmung offenbar ein Vorbild. Doch mit Volksherrschaft á la CSU hat das Referendum wenig zu tun. Mehr 5 6