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Proteste gegen steigende Lebensmittelpreise UN: Haiti braucht dringend Hilfe

09.04.2008 ·  Die Menschen gehen wegen der enormen Verteuerung der Grundnahrungsmittel auf die Straße. Jetzt hat der zivile Chef der UN-Mission in Haiti mehr Unterstützung für das ärmste Land der westlichen Hemisphäre gefordert.

Von Matthias Rüb, Washington
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Angesichts der anhaltenden Proteste gegen steigende Lebensmittelpreise in Haiti hat der zivile Chef der UN-Mission in Haiti (Minustah), Hedi Annabi, vor dem UN-Sicherheitsrat mehr Unterstützung für das ärmste Land der westlichen Hemisphäre gefordert. Die Arbeit der Minustah müsse dringend durch bilaterale Hilfe und internationalen Beistand unterstützt werden, sagte Annabi. Zwar habe die Regierung unter Präsident René Préval in Zusammenarbeit mit Minustah in den vergangenen zwei Jahren Erfolge erreicht, doch bleibe der Fortschritt „außerordentlich zerbrechlich“, sagte Annabi.

Neben sofortiger Lebensmittelhilfe brauche Haiti dringend Saatgut und Dünger für die kommende Landwirtschaftssaison. Annabi verurteilte zudem einen Angriff auf ein Gelände der Minustah in der vergangenen Woche. Die Sicherheit der Minustah-Mitarbeiter müsse gewährleistet bleiben.

Straßenbarrikaden und zerschlagene Fenster

Am Mittwoch blieb es in der Hauptstadt Port-au-Prince nach Augenzeugenberichten und Meldungen von Nachrichtenagenturen bis zum Nachmittag ruhig. Nach den Verwüstungen und Plünderungen vom Dienstag waren Tausende Menschen waren zu Fuß in den Straßen unterwegs, da die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Betrieb eingestellt hatten und auch die privaten Kleinbusse nicht fuhren. Die meisten Büros, Geschäfte, Schulen und die Botschaften waren geschlossen. Mit Spannung wurde eine Ansprache zur Lage der Nation von Präsident Préval erwartet, dessen langes Schweigen trotz der anhaltenden Proteste kritisiert worden war.

Am Dienstag waren Tausende Demonstranten in die Wohngebiete der Wohlhabenden in Port-au-Prince gezogen und hatten Straßenbarrikaden errichtet, drangen in Bankfilialen und Geschäfte ein, zerschlugen Fensterscheiben, plünderten und verwüsteten Supermärkte und zündeten Hunderte Autos an. Einheiten der Polizei und der Minustah verhinderten mit Warnschüssen, Tränengas und Gummigeschossen, dass die wütende Menschenmenge den Präsidentenpalast im Zentrum der Hauptstadt stürmte.

Sieben Menschen getötet

In Port-au-Prince wurde eine Ausweitung der Unruhen befüchtet, sollten die haitianischen Sicherheitskräfte sowie die Minustah-Blauhelme nicht energischer als bisher gegen die jugendlichen Randalierer vorgehen. Trotz der massiven Verwüstungen waren Polizei und Minustah zunächst nicht gegen die Demonstranten vorgegangen. Die Unruhen waren am vergangenen Donnerstag in Les Cayes im Süden Haitis ausgebrochen.

Anlass waren die Verteuerung der Grundnahrungsmittel. So stiegen die Preise für Reis, Bohnen und Obst im vergangenen Jahr um 50 Prozent. Bisher sind bei den Unruhen sieben Menschen getötet worden. Die Regierung beschuldigt Rauschgiftbanden, die Unruhen provoziert zu haben. Haiti ist nach Jahrzehnten der Diktatur wirtschaftlich und politisch zerrüttet. Seit dem Sturz von Präsident Jean-Bertrand Aristide im Jahre 2004 sind 9000 Minustah-Soldaten und Polizisten unter brasilianischer Führung in dem Land stationiert. Präsident Préval war vor zwei Jahren bei weitgehend friedlichen Wahlen wiedergewählt worden.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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