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Proteste für Bildungsreform in Chile Mehr als 550 Demonstranten festgenommen

05.08.2011 ·  Bei Protesten gegen die Bildungspolitik sind in Chile 552 Menschen festgenommen worden. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Viele Menschen wurden verletzt. Die Demonstranten besetzten kurzzeitig einen Fernsehsender.

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Bei neuen Protesten gegen Mängel im Bildungswesen sind in Chile mehr als 550 Menschen festgenommen worden. Schwerpunkt der Demonstrationen am Donnerstag war die Hauptstadt Santiago de Chile, wo die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen hunderte Studenten, Schüler und Lehrer vorging. Die Demonstranten besetzten kurzzeitig einen Fernsehsender.

Das Innenministerium erklärte, dass bei den Protesten landesweit 552 Menschen festgenommen worden seien, die große Mehrheit von ihnen in Santiago de Chile. An mehreren Orten in der Hauptstadt errichteten Demonstranten Straßensperren und setzten Barrikaden in Brand. Auf dem zentralen Plaza Italia versammelten sich rund 5000 Demonstranten, die von den Sicherheitskräften vertrieben wurden. Dem Innenministerium zufolge wurden 29 Polizisten verletzt. Verletzte Zivilisten soll es den offiziellen Angaben zufolge nicht gegeben haben.

Innenminister Hinzpeter: Ungenehmigte Proteste

Rund 200 Demonstranten stürmten das Gebäude des TV-Senders Chilevision, wie Journalisten des Senders berichteten. Erst als eine Botschaft mit ihrem Anliegen ausgestrahlt worden sei, hätten sie den Sender wieder verlassen.

In Chile protestieren Schüler, Lehrer und Studenten seit Monaten für eine stärkere finanzielle Beteiligung des Staates an der Bildung sowie für eine bessere Ausstattung der staatlichen Schulen. Seit der Pinochet-Diktatur (1973-1990) dominieren private Schulträger. Auch die nachfolgenden Mitte-Links-Regierungen (1990-2010) änderten daran nichts. Für die Schulbildung ist nicht der Zentralstaat verantwortlich, sondern die Kommunen. 80 Prozent der Studienkosten müssen von den Studenten selbst finanziert werden. Vieles starten deshalb mit einem hohen Schuldenberg ins Berufsleben.

Präsident Piñera im Stimmungstief

Für Donnerstag waren eigentlich ein landesweiter Streik und zwei Protestmärsche geplant. Innenminister Rodrigo Hinzpeter erklärte jedoch, die Regierung habe keine Genehmigung für die Demonstrationen erteilt. Bereits im Juli waren bei Ausschreitungen am Rande der Proteste dutzende Polizisten verletzt und mehr als 50 Demonstranten festgenommen worden.

Die Proteste führen zu einem Stimmungstief für Präsident Piñera. Umfragen zufolge unterstützen nur noch 26 Prozent der Chilenen den rechtsgerichteten Präsidenten. Das ist der niedrigste Wert für einen Staatschef seit der Rückkehr zur Demokratie 1990.

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