07.07.2009 · Unzensierte Informationen über die blutigen Ausschreitungen in Urumtschi zu erhalten, ist derzeit fast unmöglich. Auf der Straße kontrolliert die Polizei, im Internet werden Foren geschlossen. Gleichwohl suchen und finden die Uiguren neue Methoden der Informationsübermittlung.
Von Michael MüllerUnzensierte Informationen über die blutigen Ausschreitungen in Urumtschi zu erhalten, ist derzeit fast unmöglich. Die chinesischen Sicherheitskräfte riegelten die Gegend weiträumig ab und verhängten für die Abend- und Nachtstunden eine Ausgangssperre. Um den Informationsfluss zu kontrollieren, wurden Internetverbindungen gekappt und das Mobilfunknetz blockiert. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) berichtet, dass bereits mehr als 50 uigurische Internetforen geschlossen worden seien. Plattformen wie Twitter, Youtube und Tianshannet sind laut ROG in Xinjiang nicht mehr zugänglich.
Der Generalsekretär des uigurischen P.E.N.-Zentrums, Adurusul Kaiser, sagte ROG: „Alle führenden Medien werden vom Staat kontrolliert, die unabhängigen privaten Nachrichtenquellen sind blockiert. Wir haben im Moment keine Möglichkeit, Internetforen zu benutzen. Deshalb ist es schwierig, eingehende Informationen zu überprüfen.“ Nur das chinesische Staatsfernsehen CCTV sendet Bilder – von aufgebrachten uigurischen Tätern und blutüberströmten han-chinesischen Opfern.
Die Regierung rechtfertigt ihr Vorgehen: „Durch das Abschalten des Internet in der Gegend um Urumtschi wollen wir verhindern, dass die Unruhen sich ausbreiten“, sagte Li Zhi, Chef der Kommunistischen Partei in Urumqi, auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz. Man habe Hinweise darauf, dass die Rädelsführer das Internet nutzen, um ihre Aktionen zu koordinieren. Aufgezeichnete Aussagen von Rebiya Kadeer, der Vorsitzenden des „Weltkongress der Uiguren“ (WUC), würden dies belegen, so Li weiter. Nach Angaben Lis sagte Kadeer: „Irgendetwas wird passieren in Urumtschi“ – für den Parteivorsitzenden ein klarer Hinweis darauf, dass die Ausschreitungen von Exil-Uiguren initiiert wurden.
Derweil suchen die Uiguren nach Wegen, die staatliche Internetzensur zu umgehen: „Gräber ausheben“ wird die jüngste Taktik der Zensurunterwanderung genannt. Da aktuelle Meldungen und Kommentare im Zusammenhang mit den Ausschreitungen umgehend von den staatlichen Behörden gelöscht werden, suchen die Uiguren gezielt nach alten Meldungen über Urumtschi. An diese hängen sie ihre aktuellen Kommentare und Berichte, um so zumindest einige Eindrücke von den Ausschreitungen zugänglich zu machen. Meist gelingt es den staatlichen Zensoren jedoch, innerhalb weniger Stunden diese Meldungen aufzuspüren und zu löschen. Peking geht im Gegenzug in die Offensive und lädt zur staatlich geführten Journalistentour durch Urumtschi.
??
michael lang (mini1985)
- 07.07.2009, 22:01 Uhr
@Michael Müller
Shen li (Zhongguoren)
- 08.07.2009, 12:12 Uhr