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Protest in Teheran Die Farbe Grün

17.07.2009 ·  Anders als vor zehn Jahren, als der populäre Präsident Chatami gegenüber den Hardlinern des Regimes einknickte, lässt sich die Opposition in Iran diesmal nicht einschüchtern. Die Farbe Grün — das Markenzeichen der Bewegung Mussawis — wird so schnell nicht verschwinden.

Von Wolfgang Günter Lerch
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Die Glut unter der Asche ist jederzeit wieder zu entfachen. Das hat das mit großer Spannung erwartete Freitagsgebet auf dem Gelände der Teheraner Universität gezeigt, bei dem diesmal Ali Akbar Rafsandschani, der Vorsitzende des mächtigen Expertenrates, predigte. Tausende Anhänger Mir Hussein Mussawis, des offenkundig bei den Präsidentenwahlen durch Manipulation „unterlegenen“ Kandidaten, drängten sich in der Innenstadt zusammen und forderten „Azadi“ — Freiheit.

Anders als vor zehn Jahren, als der populäre Präsident Chatami gegenüber den Hardlinern des Regimes einknickte, lässt sich die Opposition diesmal nicht einschüchtern und nicht unterkriegen. Die Farbe Grün — ihr politisches Markenzeichen — wird so schnell nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden. Mussawi hatte seine Ankündigung, er werde zum Gebet kommen, wahr gemacht, auch wenn er nicht in der ersten Reihe saß.

Rafsandschani ist alles andere als eine Lichtgestalt der Islamischen Republik Iran. Doch dass er Freiheit für die politischen Gefangenen verlangte und dazu aufrief, über den Ablauf der Wahl öffentlich zu debattieren, bedeutet schon etwas. Die Führung, so sein Vorwurf, sei nicht tolerant gegenüber dem eigenen Volk. Das war Rafsandschani früher zwar auch nicht, sondern allenfalls pragmatisch, aber er bringt sich mit solchen Stellungnahmen in einen Gegensatz zu seinem schärfsten Widersacher, dem „wiedergewählten“ Staatspräsidenten Mahmud Ahmadineschad, und auch zum Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei, der am Freitag seinen siebzigsten Geburtstag beging. (Siehe auch: Revolutionsführer Chamenei wird 70: Im Namen des „Herrn der Zeit“)

Wieder Massenproteste in Iran

Auch Rufe „Tod dem Diktator!“ waren in Teheran wieder zu hören. Damit ist Ahmadineschad gemeint. Der Ruf adaptiert und variiert Slogans, die bisher gegen den Westen gerichtet waren: „Tod Amerika!“, „Tod England!“ und andere. Dem wenig beliebten, doch machtbewussten und intelligenten Rafsandschani ist klar, dass nur ein gewisses Zugehen auf die Opposition der Konfrontation die größte Schärfe nehmen kann. Der von Chamenei verfolgte Kurs zugunsten Ahmadineschads hat dagegen die Polarisierung vertieft. Natürlich will ein Rafsandschani das System, zu dessen Profiteuren er gehört, wie alle, die es seit dreißig Jahren tragen, nicht gefährden. Mit einer Freitagspredigt ist es nicht getan. Man wird sehen, ob die Inhaftierten freikommen und ob tatsächlich noch eine Debatte über die Wahl geführt wird.

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Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

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