Wenn sie hundert Freunde und Bekannte auf die Beine bringen würde, wäre es schon ein Erfolg. So hatte die norwegische Studentin Lill Hjønnevåg kalkuliert, als sie vor knapp einer Woche spontan zu einer musikalischen Demonstration gegen den zurzeit in Oslo vor Gericht stehenden Terroristen Anders Behring Breivik und seine rechtsextremen Thesen aufrief.
Nicht hundert, sondern rund 40.000 Menschen folgten am Donnerstag nach Schätzungen der Polizei ihrem Appell. Gemeinsam sangen sie auf dem Youngsplatz im Zentrum der norwegischen Hauptstadt im Nieselregen ein Kinderlied. „Wir werden zusammenleben wie Brüder und Schwestern, kleine Kinder des Regenbogens und einer fruchtbaren Erde“ lautet der Refrain des Liedes vom Regenbogen, dass seit den siebziger Jahren überall in den Kindergärten und Grundschulen Norwegens gesungen wird.
Breivik weiß von der Demonstration
Das Original hat der amerikanische Folksänger Pete Seeger geschrieben, die Übersetzung stammt aus der Feder von Lillebjørn Nilsen, Norwegens bekanntestem Liedermacher. Breivik, der am 22. Juli des vergangenen Jahres eine Autobombe in Oslo gezündet und danach ein Massaker unter den meist minderjährigen Teilnehmern eines Zeltlagers der norwegischen Jungsozialisten verübt hatte, hat das Lied vor Gericht als Beispiel für die von ihm angeprangerte „marxistische Indoktrinierung“ des Kulturlebens angeprangert, die den Grundstein für die angebliche Überfremdung Norwegens lege.
Am Donnerstag sagten Überlebende des Bombenattentats im Regierungsviertel gegen ihn aus. An dessen noch immer abgesperrten Straßenzügen und leerstehenden Gebäuden vorbei gingen nach der von Lillebjørn Nilsen selbst angestimmten Gesangsstunde auf dem Youngsplatz Tausende zum Gerichtsgebäude, um dort Rosen abzulegen. Auch in vielen anderen Städten des Landes sangen Norweger am Donnerstag das Lied vom Regenbogen. Der Angeklagte wisse von der Demonstration, ließen seine Verteidiger wissen. Er wolle sich aber nicht dazu äußern.
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