Für seinen ersten größeren Auftritt als Premierminister wählte Raza Pervez Ashraf eine Kulisse mit doppelter Symbolik: In „Ghari Khuda Baksh“, wo die Repräsentanten des Bhutto-Clans begraben sind, bekannte sich Pakistans neuer Regierungschef am Sonntagabend feierlich zum „Bhuttoismus“, in dem er den heroischen Kampf um die Demokratie verkörpert sieht. Andere verbinden Ashraf auch mit einer weniger schmeichelhaften Tradition der Bhutto-Famile: Bereicherung im Amt.
Erst im vergangenen Jahr hatte ihn der Oberste Gerichtshof seines Postens als Energieminister enthoben. Ashraf, der in der Presse als auch „Rental Raja“ (Miet-Raja) verhöhnt wurde, soll an Verträgen mit ausländischen Energie-Unternehmen verdient haben. Geschadet hat es dem Weggefährten von Staatspräsident Zardari nicht. Fast ließe sich sagen, er habe seinen Aufstieg der Korruption zu verdanken: Nachdem sein (vorbestrafter) Vorgänger, Jusuf Gilani, in der vergangenen Woche vom Obersten Gericht aus dem Amt entfernt worden war, war zunächst Textilminister Makhdoom Shahabuddin auf den Schild gehoben worden.
Doch dem wurden am Donnerstag Handschellen angelegt, weil er offenbar in seiner Zeit als Gesundheitsminister (zusammen mit Gilanis Sohn) an illegalen Medikamentengeschäften beteiligt war. In der gebotenen Kürze der Zeit wurde dann Ashraf als Verlegenheitskandidat entdeckt.
Übergangspremier bis zur Parlamentswahl
In dieser Vorgeschichte steckt einer der Gründe, die für eine kurze Amtszeit sprechen. Das Oberste Gericht, dessen Vorsitzender, Richter Chaudhry, eine halb-private Fehde mit dem Staatspräsidenten ausficht, wird wohl auch den neuen Regierungschef drängen, in der Schweiz auf die Wiederaufnahme von Ermittlungen wegen Geldwäsche und anderer Delikte zu dringen. Die Verfahren gegen Zardari waren im Zuge einer Amnestie eingestellt worden, die das Gericht vor Jahren für nichtig erklärt hatte. Die nächste Vorladung wird nicht lange auf sich warten lassen.
Ashraf wird als Übergangspremier gesehen, der die Zeit bis zur Parlamentswahl überbrücken soll. Zardari, faktisch der Führer der regierenden PPP, hat die Krise nicht genutzt, um Wahlen einzuleiten. Sein Ziel scheint zu sein, die erste zivile Regierung seit der Staatsgründung durch eine volle, fünf Jahre dauernde Legislaturperiode geführt zu haben - die würde im kommenden Februar enden. Beobachter glauben, dass der Präsident mit einem „Stabilitätsbonus“ antreten möchte.
Politische, gar außenpolitische Akzente sind von Ashraf nicht zu erwarten. Der Publizist Ahmed Rashid vermutet, dass er von den nationalen Notlagen „vollständig usurpiert“ sein wird. Wenig Bewegung winkt daher in dem festgefahrenen Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, über die Ashraf bislang nur sagte, dass er ihnen „auf Augenhöhe“ begegnen werde. In Ghari Khuda Baksh kündigte Ashraf an, sich vornehmlich um zwei Themen zu kümmern: um die Wiederherstellung von Recht und Ordnung in Karachi - und um die desolate Elektrizitätsversorgung. Dies trug ihm spöttische Bemerkungen ein, denn der dramatische Engpass - viele Landbewohner müssen mit zwei Stunden Strom am Tag auskommen - begann unter Energieminister Ashraf.
