03.02.2012 · Der amerikanische Verteidigungsminister Panetta rechnet laut Medienberichten mit Luftschlägen Israels gegen iranische Atomanlagen noch in diesem Frühjahr. Israels Verteidigungsminister Barak sagte am Donnerstag, „spät kann zu spät sein“.
Von Matthias Rüb, Hans-Christian Rössler, Stephan LöwensteinDas Pentagon rechnet offenbar damit, dass Israel im Frühjahr iranische Atomanlagen angreifen wird. Amerikanische Zeitungen berichteten am Freitag, Verteidigungsminister Panetta sehe eine „starke Wahrscheinlichkeit“ dafür, dass ein Angriff im April, Mai oder Juni erfolge. Panetta wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. Präsident Obama und Panetta versuchen seit längerem, Israel von einem Angriff abzuhalten, heißt es in Washington. Die amerikanische Regierung schließt zwar ihrerseits einen Militärschlag gegen Iran nicht aus, will Teheran aber mit verschärften Sanktionen von seinem umstrittenen Nuklearprogramm abbringen.
Der israelische Verteidigungsminister Barak sagte am Donnerstagabend: „Spät kann zu spät sein“. Nach seiner Einschätzung gibt es mittlerweile ein „breites globales Einvernehmen“ darüber, dass es nötig sei „zu handeln“, sollten die jüngsten Sanktionen gegen das Atomprogramm erfolglos bleiben. Israels Strategieminister Jaalon sagte, man sei in der Lage, alle iranischen Militäreinrichtungen anzugreifen.
Außenminister Westerwelle (FDP) drang am Freitag darauf, den Streit diplomatisch auszufechten. Krieg zu verhindern, sei das Kernanliegen von Außenpolitik, sagte Westerwelle in München. Es sei richtig, auf die „spürbaren“ Sanktionen zu setzen, die die europäische Union gegen Teheran beschlossen habe. „Je mehr Staaten sich an den Sanktionen beteiligen, umso schneller können sie auch wirken.“ An Spekulationen über einen israelischen Militärschlag wolle er sich nicht beteiligen; darüber sei er sich am Donnerstagabend in einem Gespräch mit Barak einig gewesen.
Verteidigungsminister de Maizière (CDU) hatte zuvor der Zeitung „Die Welt“ gesagt, Deutschland nehme die israelischen Sorgen sehr ernst. „Aber wir warnen Israel auch vor Abenteuern.“ Irans geistlicher Führer Chamenei drohte den Vereinigten Staaten und Israel am Freitag. „Schon das Nachdenken über solche Angriffe wäre für sie von Nachteil. Das Einleiten dieser Angriffe wäre zehn Mal so nachteilig für sie“, sagte er in Teheran. Iran werde sich von seinem Atomprogramm nicht abbringen lassen.
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Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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Hans-Christian Rößler Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.
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