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Präsidentschaftskandidatin Royal Die Madonna der Umfragen steigt in die Arena

17.11.2006 ·  Ségolène Royal, die frischgebackene Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten, beschwört die Einheit. Auch die unterlegenen Männer haben die Hakelei im parteiinternen Wahlkampf, so scheint es, schon vergessen.

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Zwölf Jahre nach der Vertreibung aus dem Élysée-Palast wollen die französischen Sozialisten mit einer Frau das
Präsidentenamt zurückerobern. Mit klarer Mehrheit wählten die Parteimitglieder Ségolène Royal am Donnerstag abend zu ihrer Kandidatin für die Wahl im April. Royal ist die erste Frau in der Geschichte der Fünften Republik, die ernsthafte Chancen auf das höchste Staatsamt hat.

Die französischen Sozialisten kürten Royal mit 60,62 Prozent zu ihrer Präsidentschaftskandidatin. Die 53 Jahre alte frühere Familien- und Umweltministerin setzte sich damit in der parteiinternen Vorwahl klar gegen früheren Premierminister Laurent Fabius und den früheren Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn durch. Für Fabius stimmten 18,54 Prozent der Sozialisten, auf Strauss-Kahn entfielen 20,83 Prozent der Stimmen. Fast 85 Prozent der 219.000 stimmberechtigten Parteimitglieder nahmen an der Urabstimmung teil. Ihre Konkurrenten erkannten den Sieg Royals bereits am späten Donnerstag abend an.

„Jetzt ist die Stunde der Einheit“

Royal hatte sich schon vor der offiziellen Verkündung ihres Sieges durch die Parteizentrale siegessicher gezeigt. Sie fühle sich geehrt, auf diese Weise zur Präsidentschaftskandidatin gekürt zu werden und sagte an ihre Mitbewerber und die Gesamtpartei gerichtet: „Jetzt ist die Stunde der Einheit.“

Der linke Flügel der Sozialisten hatte sich im Vorfeld gegen sie ausgesprochen und ihr vorgeworfen, die Partei in die Mitte des politischen Spektrums rücken zu wollen. Das hohe Ergebnis dürfte viele Gegner verstummen lassen, die Royal als unerfahren und politisches Leichtgewicht kritisiert hatten.

„Madonna der Umfragen“

Die Kandidaten hatten sich in den vergangenen sechs Wochen heftig behakt, am Freitag schlugen Royals Gegner versöhnliche Töne an. „Jetzt haben wir eine Kandidatin und müssen gegen die Rechte gewinnen“, sagte Strauss-Kahn, nachdem er der Siegerin gratuliert hatte. „Die Basis hat ihr alle Mittel für den Sieg 2007 gegeben“, sagte Fabius. Royals Aufgabe sei jetzt die Sammlung der Linken. „Ich bin dazu bereit“, fügte er hinzu.

Royal ist durch den deutlichen Sieg vom Makel der „Madonna der Umfragen“ befreit. „Bisher hat sie trainiert, jetzt tritt sie in die große Arena“, sagte Expremier Jean-Pierre Raffarin, Mitglied der Mitte-rechts-Partei UMP. Während der bisherigen Kampagne hat sie, etwa durch Kritik an der 35-Stunden-Woche und mit Vorschlägen, hart gegen jugendliche Straftäter vorzugehen, die traditionelle Parteilinie verlassen. Zugleich bediente sie mit der Forderung nach Strafsteuern für Arbeitsplatzverlagerungen oder einer Gewerkschaftspflicht die linke Parteiseele.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sarkozy

Die französische Öffentlichkeit hatte sich schon vor dem Ausgang der sozialistischen Kandidatenkür auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Royal und dem Favoriten von Mitte-rechts, Innenminister Nicholas Sarkozy, eingestellt. Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage zufolge könnte Sarkozy in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 22. April 34 Prozent der Stimmen erhalten, Royal 30 Prozent. In der Stichwahl am 6. Mai liegen Sarkozy und Royal derzeit gleichauf bei 50-50.

Amtsinhaber Chirac will erst im kommenden Jahr bekanntgeben, ob er sich um eine dritte Amtszeit bewirbt. Die Meinungsumfragen gestehen ihm jedoch keine großen Chancen ein.

Kurt Beck gratuliert

Unterstützung erhält Royal aus Deutschland. SPD-Chef Kurt Beck gratulierte ihr am Freitag in einem Telegramm. „Das eindeutige und klare Votum der französischen Sozialisten ist das Ergebnis eines von Dir engagiert und couragiert geführten innerparteilichen Wahlkampfes“, schrieb er.

In den zwei vorangegangenen Präsidentschaftswahlen konnte sich Jacques Chirac jeweils gegen die sozialistischen Kandidaten durchsetzen, er regiert seit 1995 im Élysée-Palast. Eine der bittersten Stunden erlebten die Sozialisten bei der vergangenen Wahl 2002, als Jospin in der ersten Runde von Jean-Marie Le Pen von der rechtsextremen Front National aus dem Rennen geworfen wurde.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP/dpa/Reuters
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