29.05.2010 · Am Sonntag wird in Kolumbien ein neuer Präsident gewählt. Zwei Kandidaten gelten als besonders aussichtsreich: Der ehemalige Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus, und der frühere Verteidigungsminister Juan Manuel Santos.
Von Josef Oehrlein, Buenos AiresBei der Präsidentenwahl in Kolumbien dürfte sich am Sonntag ein Patt ergeben zwischen dem früheren Verteidigungsminister Juan Manuel Santos und dem ehemaligen Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus. Beide können mit einem Stimmenanteil von jeweils etwa 35 Prozent rechnen. In diesem Fall würde am 20. Juni eine Stichwahl stattfinden. Santos ist der Wunschkandidat des amtierenden Präsidenten Álvaro Uribe, dem die Justiz den Weg zu einer zweiten Wiederwahl in Folge versperrt hat. Mockus, dem Anfang des Jahres noch kaum Chancen eingeräumt worden waren, geht aus den Umfragen als wahrscheinlicher Sieger eines Stichentscheids hervor.
Santos und Mockus unterscheiden sich weniger in ihren politischen Plänen als in ihrer Persönlichkeit. Beide sind konservativ, treten für eine liberale Wirtschaftspolitik ein, wollen aber auch die Armut bekämpfen - als Hauptursache des internen Konflikts, der das Land seit Jahrzehnten auszehrt. Ebenso versprechen beide Kandidaten, mit harter Hand gegen die bewaffneten Gruppen vorzugehen, insbesondere gegen die Guerrilla-Organisation "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) und die aus den demobilisierten paramilitärischen Verbänden hervorgegangenen kriminellen Banden.
Santos, der als Kandidat der "U-Partei" (das U steht für "unidad", also Einheit, und zugleich für Uribe) der traditionellen Politikerkaste entstammt, gilt als Uribes Vollstrecker und will dem gegenwärtigen Amtsinhaber auch einen Posten im Kabinett zugestehen. Der als Exzentriker bekannte Mathematiker und Philosoph Mockus hat hingegen bei seinen Landsleuten die Hoffnung geweckt, mit unkonventionellen Methoden die verhärteten Fronten aufbrechen und das Land befrieden zu können. Damit hat er insbesondere junge Wähler mobilisiert, die der Politik der überkommenen Parteien überdrüssig sind. Während seiner beiden Amtszeiten als Bürgermeister von Bogotá hatte Mockus mit originellen Mitteln die Sicherheit und die Lebensqualität in der kolumbianischen Hauptstadt verbessert.
Mockus, der als wenig anfällig für Korruption gilt, plädiert für "demokratische Legalität" im Kampf gegen die bewaffneten Gruppierungen und die Banden. Damit zielte er auf die während der Regierungszeit Uribes von den Streitkräften begangenen Menschenrechtsverletzungen und den "Parapolitik"-Skandal, in den wegen ihrer Verbindung zu Paramilitärs zahlreiche Politiker aus der Umgebung Uribes verwickelt sind. Als Mockus den gleichfalls populären früheren Bürgermeister von Medellín, Sergio Fajardo, zu seinem Mitstreiter als Vizepräsidentschaftskandidat erkor, schnellten die Sympathiewerte für den Kandidaten der Grünen Partei in die Höhe. Während viele Wähler Mockus für einen Visionär halten, gilt Fajardo, gleichfalls Mathematiker, eher als Pragmatiker. Fajardo wurde kürzlich allerdings bei einem Fahrradunfall verletzt und trat deshalb während des Wahlkampfs kaum in Erscheinung.
Als unfreiwilliger Wahlhelfer von Santos hat sich derweil der venezolanische Präsident Hugo Chávez erwiesen, der sich mehrmals abfällig über Uribes Favoriten äußerte. Immer wenn Chávez Santos angriff, schnellten dessen Umfragewerte in die Höhe.
Kolumbien - Future rama???
Eva Steidl (evilein12)
- 31.05.2010, 21:22 Uhr
Josef Oehrlein Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.
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