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Präsidentenwahl in Senegal Wade gesteht Niederlage ein

Macky Sall hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Senegal gewonnen. Der 85 Jahre alte Amtsinhaber Wade gratulierte seinem Herausforderer zum Sieg.

© dapd Vergrößern Dakar: Anhänger Micky Salls feiern den Wahlsieg ihres Kandidaten

Wenige Stunden nach der Präsidenten-Stichwahl im Senegal hat Amtsinhaber Abdoulaye Wade seine Niederlage eingestanden. Wie das Staatsfernsehen RTS berichtete, gratulierte der 85 Jahre alte Wade seinem Herausforderer, dem ehemaligen Premierminister Macky Sall, am späten Sonntagabend telefonisch zum Sieg.

Zu diesem Zeitpunkt habe Sall nach ersten Auszählungen mit 30.000 Stimmen in Führung gelegen, während Wade laut RTS nur auf 11.000 Stimmen kam. Sall ließ sich in der Nacht zum Montag von tausenden Anhänger in Dakar feiern. „Heute Nacht beginnt im Senegal eine neue Ära“, kündigte er in einer Rede an die Nation an. „Zusammen werden wir uns an die Arbeit machen und beginnen, was von allen und für alle erwartet wird, für den Senegal und für Afrika.“

Sall, der als Geologe in der Bergbauindustrie gearbeitet hatte, bevor er von 19 Jahren in die Politik ging, wird der vierte Präsident Senegals, wenn er am 1. April den Amtseid ablegt. Nach der ersten Runde der Präsidentenwahlen Ende Februar, bei der kein Kandidat die absolute Mehrheit erhalten hatte, war Sall von den übrigen Oppositionskandidaten und dem Weltmusik-Star Youssou N’Dour unterstützt worden. Er hatte während des Wahlkampfs damit geworben, sich für mehr Jobs auf dem Lande und gegen steigende Lebensmittelpreise einsetzen zu wollen.

EU: Lehrstunde in Demokratie für Region

Wades Kandidatur war von Anfang an umstritten und der Wahlkampf von gewalttätigen Protesten überschattet, bei denen mehrere Menschen starben. Eigentlich sieht die Verfassung des westafrikanischen Landes maximal zwei Amtszeiten für den Präsidenten vor. Das oberste Gericht fand jedoch ein juristisches Schlupfloch: Da Wade im April 2000 ein Jahr vor der Verabschiedung der neuen Verfassung das erste Mal zum Staatsoberhaupt gewählt worden war, wurde er abermals zur Wahl zugelassen.

Für Unmut hatte außerdem im Vorfeld der Wahl die Nichtzulassung Youssou N’Dours gesorgt. Der populäre Musiker hatte angeblich zu wenig Unterstützerstimmen gesammelt, um als Präsidentschaftskandidat antreten zu können. Auch am Sonntag kam es wieder zu Protesten, als Wade seine Stimme abgeben wollte. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor dem Wahlbüro vor. Rund 300 internationale Beobachter von EU, Afrikanischer Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas verfolgten die Wahl. Die EU sprach von einer „Lehrstunde in Demokratie für die Region“. Das offizielle Wahlergebnis sollte binnen 48 Stunden vorliegen.

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Quelle: dpa

 
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