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Präsidentenwahl Die guten Argumente der kirgisischen Islamisten

Die Willkür der kirgisischen Behörden verschafft den Islamisten des Landes immer mehr Zulauf. Ihr Ziel ist ein Gottesstaat in ganz Zentralasien. Präsident Bakijew stellt sich an diesem Donnerstag zur Wiederwahl.

© dpa Vergrößern Wahlurnen für Kirgistan: Am Donnerstag wird gewählt

Im Bewässerungsgraben am Feldrand plustern sich die Frösche zum Abendkonzert auf. Schmächtige Pferdchen ziehen schwere Fuhren mit geerntetem Weizen zu den Scheunen. Es sind die letzten an diesem Tag, die Bauern haben ihre Arbeit bald getan. Es wird Zeit für das Asr-Gebet. Sandschjar ist einer von denen, die sich hier im Süden Kirgistans Tag für Tag abrackern – so, wie auch die Bauern in den Nachbarländern Usbekistan und Tadschikistan, denen auch Teile des Fergana-Tals gehören, einer fruchtbaren und dichtbesiedelten Ackerebene. Aber Sandschjar ist kein gewöhnlicher Bauer, er ist auch der lokale Anführer der in allen zentralasiatischen Staaten verbotenen „Islamischen Partei der Befreiung“ – Hizb ut-Tahrir al Islamijja.

Verschwitzt und staubig taucht er unvermittelt aus einem der Felder auf, steht plötzlich am Rand des Feldwegs, der zum Weiler Bekabad in der Nähe der Gebietshauptstadt Dschalalabad führt. Was Sandschjar erzählt und wie er predigt, macht schnell deutlich, warum das Fergana-Tal seit dem Ende der Sowjetunion auch das Pulverfass Zentralasiens genannt wird. „Die Taliban in Afghanistan und wir sind wie zwei Seiten im Koran. Im Grunde verfolgen wir das gleiche Ziel“, sagt Sandschjar. „Der Unterschied besteht darin, dass wir den islamischen Gottesstaat mit friedlichen Mitteln und Überzeugungsarbeit unter unseren Glaubensbrüdern erreichen wollen und die Taliban, weil so unerhörter Druck von den großen Staaten auf sie ausgeübt wird, mit Waffen kämpfen.“

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„Wir haben Verständnis für die Taliban“

Hizb ut-Tahrir lehne den Terror zwar ab, fährt er fort, „aber wir haben Verständnis für die Taliban – so, wie wir auch die muslimischen Tschetschenen verstehen, die gegen Russland kämpfen“. Die Antwort auf die Frage, wo die Grenze zwischen Verstehen, Billigung und womöglich Zusammenarbeit verlaufe, bleibt er schuldig. Diese Antwort wird auch von anderen Vertretern der Hizb ut-Tahrir nicht gegeben. Von den Machthabern der zentralasiatischen Staaten werden ihre Anhänger schon seit Jahren als Terroristen verfolgt.

Opposition Almasbek Atambajew © dpa Vergrößern Oppositionskandidat Almasbek Atambajew will den Staat von Korruption säubern

Der kirgisische Präsident Kurmanbek Bakijew hat vor kurzem gesagt, Kirgistan und Russland überlegten, ein gemeinsames „Antiterrorzentrum“ in der südkirgisischen Gebietshauptstadt Osch oder in Batken an der Grenze zu Tadschikistan zu errichten, das wiederum an Afghanistan grenzt. Die Schwierigkeiten im Süden Kirgistans würden immer größer, sagte Bakijew zur Begründung – seit Beginn des Frühjahrs hat es dort eine ganze Reihe von Schießereien mit islamistischen Kämpfern gegeben.

Sandschjar sagt zu diesen Plänen, das füge sich gut in das Schema, nach dem der Staat vorgehe, um Schrecken zu verbreiten. Aber er ist sicher, dass man seiner Partei mit militärischen Mitteln und Einschüchterung nicht beikommen könne. Ihre Verankerung im Volk werde immer stärker, und Einschüchterungsversuche führten nur dazu, dass die Zahl der Anhänger wachse.

Spontane Unruhen

Sandschjar nennt ein Beispiel. In Nookat, einer kleinen Stadt im Fergana-Tal, hatten sich die Menschen vergangenes Jahr auf einem zentralen Platz versammelt, um – wie in den Jahren zuvor – mit Erlaubnis der Behörden gemeinsam das Ende des Fastenmonats Ramadan zu feiern. Die Feier wurde aber ohne Begründung verboten. Als eine Menschenmenge vom Akim, dem Chef der Bezirksverwaltung, eine Erklärung forderte, flogen Steine, und zuvor bereitgestellte Spezialeinheiten aus der Gebietshauptstadt Osch rückten an, um die Menge auseinanderzutreiben.

Später wurden Jugendliche, die an den Auseinandersetzungen beteiligt waren, zu Haftstrafen zwischen neun und 20 Jahren verurteilt. Die Behörden beschuldigten Hizb ut-Tahrir, von langer Hand Ausschreitungen vorbereitet zu haben, während laut der Menschenrechtsorganisationen „Memorial“, die die Geschehnisse untersucht hat, vieles auf spontane Unruhen hindeutet.

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