02.02.2010 · Südafrikas Präsident Zuma fordert seine Landsleute auf, wegen Aids Kondome zu benutzen. Die Geburt seines 20. Kindes zeigt, dass sich der bekennende Poligamist selbst nicht daran hält.
Von Thomas Scheen, JohannesburgSüdafrikas Präsident Jacob Zuma ist im Alter von 67 Jahren vermutlich zum zwanzigsten Mal Vater geworden. Die Mutter des unehelichen Mädchens, das bereits im Oktober vergangenen Jahres auf die Welt kam, ist die Tochter von Irvin Khoza, dem Chef des südafrikanischen Organisationskomitees für die kommende Fußballweltmeisterschaft und nebenher ein guter Freund des Staatschefs. Der bekennende Poligamist Zuma, der mit drei Frauen verheiratet ist und für eine vierte schon das Brautgeld spart, hat nach Angaben südafrikanischer Medien der Mutter und ihrer Familie „inhlawulo“ bezahlt, womit eine Art Schadensersatz für das Zeugen eines unehelichen Kindes gemeint ist. Damit wäre das Thema eigentlich nur noch für die Klatschpresse interessant, wenn nicht die Libido des südafrikanischen Präsidenten mit seiner eigenen Regierungspolitik kollidiert wäre.
„Für unseren Kampf gegen Aids ist Zuma noch schlimmer als Mbeki“, giftete am Montag die Oppositionsführerin Helen Zille und meinte damit nicht das uneheliche Kind, sondern die Tatsache, dass Zuma offenbar eine tiefsitzende Abneigung gegen Kondome hat. „Wir haben leider einen Präsidenten, dessen persönliches Verhalten die ,Safer-Sex-Kampagne' unserer Regierung sabotiert“, sagte Zille, die Zuma früher schon unterstellt hatte, das Leben seiner drei Frauen zu gefährden, weil er regelmäßig ungeschützten Verkehr mit wechselnden Partnerinnen habe.
Knoblauch und Rote Beete statt Kondom
Das Verhalten des Präsidenten ist umso befremdlicher, als Zuma mit der dubiosen Aidspolitik seines Vorgängers Mbeki gebrochen hat. Mbeki hatte einen Zusammenhang des HI-Virus und Aids stets bestritten und durch seine Gesundheitsministerin ausrichten lassen, der Verzehr von Knoblauch und roter Bete sei Therapie genug. Das statistische Amt war unter Mbeki angewiesen worden, Aids nur in den seltensten Fällen als Todesursache anzuerkennen. Mutmaßlich bis zu 60 Prozent aller durch Aids verursachten Todesfälle wurden deshalb anders deklariert. Die einzigen halbwegs verlässlichen Zahlen stammten vom UN-Büro zur Bekämpfung von Aids, UN-Aids, das für das Jahr 2007 etwa 5,7 Millionen HIV-Infizierter in Südafrika schätzte. Das wären zwölf Prozent der Bevölkerung. Im selben Jahr sollen laut den gleichen Angaben 350.000 Menschen am Kap an der Krankheit gestorben sein. Diese Zahlen wurden von der Mbeki-Administration nie bestätigt.
Seit Zumas Amtsantritt aber veröffentlicht das Gesundheitsministerium ernstzunehmende Zahlen. Eine davon ist, dass die Zahl der Sterbefälle in der von Aids besonders betroffenen Altersgruppe zwischen 29 und 45 Jahre von 1997 bis 2006 um 170 Prozent gestiegen ist. Vor diesem Hintergrund hatte Zuma im Dezember vergangenen Jahres angekündigt, bis April dieses Jahres alle Aidskranken mit kostenlosen lebensverlängernden Medikamenten versorgen zu wollen. Die staatlichen Krankenhäuser wurden angewiesen, HIV-Infizierte früher als bislang gegen Tuberkulose zu behandeln, die Haupttodesursache. Und die Gefahr der Übertragung von Schwangeren auf ihre ungeborenen Kinder soll durch flächendeckende Behandlung der Frauen mit antiretoviralen Medikamenten drastisch eingeschränkt werden. Zudem hatte Zuma damals die Bürger aufgefordert, sich freiwillig einem Aidstest zu unterziehen und „Kondome zu benutzen, und zwar immer“. Für sich selbst aber lehnt er sowohl das eine als auch das andere ab.
Eine Reihe peinlicher Radiointerviews
Dabei ist Zuma ein gebranntes Kind. Vor drei Jahren wurde er in einem spektakulären Prozess vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, nachdem die junge HIV-infizierte Frau, mit der er nach seinen Worten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hatte, ihn angezeigt hatte. Damals war Zuma in einen ebenso erbarmungslosen wie niederträchtigen Machtkampf mit seinem Widersacher Mbeki um das Präsidentenamt verstrickt. Folglich wurde die Mutmaßung geäußert, die Dame sei von Zumas Gegnern zu der Anzeige angestiftet worden, was aber weder bewiesen noch entkräftet werden konnte.
Was Zuma trotzdem beinahe die Karriere gekostet hätte, war sein Geständnis, von der Infektion seiner Gespielin gewusst zu haben. Zuma gab sich der Lächerlichkeit preis, als er vor Gericht erklärte, er habe sich gegen eine mögliche Virus-Übertragung nach dem ungeschützten Verkehr mittels einer Dusche geschützt. Um seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, gab Zuma anschließend eine Reihe von peinlichen Radiointerviews, in denen er schwor, sein leichtsinniges Sexualverhalten zu ändern, und seine Landsleute aufforderte, es ihm gleichzutun. Es sieht nicht so aus, als ob er aus dieser Erfahrung gelernt hätte.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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