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Präsident Hassan Mohamud Ein Außenseiter für Somalia

 ·  Die Wahl des neuen somalischen Präsidenten ist ein Signal, dass das Parlament in Mogadischu einen Neuanfang für das Land will.

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© REUTERS Der neue Präsident und sein Vorgänger: Hassan Sheikh Mohamud (links) neben dem bisherigen Amtsinhaber Sharif Sheikh Ahmed

Die Wahl von Hassan Sheikh Mohamud zum Präsidenten Somalias war eine angekündigte Überraschung. Hassan Mohamud galt zwar als Außenseiter, aber das neue somalische Parlament, das ihm am späten Montagabend im zweiten Wahldurchgang einen deutlichen Sieg bescherte, hatte schon vor zehn Tagen bei der Wahl des Parlamentspräsidenten auf ähnliche Weise überrascht, als die Abgeordneten Mohamed Osman Jawari zum Parlamentspräsidenten bestimmten. Das wurde als Signal verstanden: Diese Abgeordneten wollen einen Neuanfang für Somalia und sehen das Parlament nicht als Basar, in dem Stimmen gegen Höchstgebot verkauft werden.

Das Wahlergebnis vom Montag spricht Bände. Der ehemalige Ministerpräsident der Übergangsregierung, Abdiweli Mohamed Ali, fiel schon im ersten Wahldurchgang durch, und der ehemalige Präsident der Übergangsregierung, Sharif Sheikh Ahmed, hatte im zweiten Durchgang nicht den Hauch einer Chance: Gerade einmal 79 Abgeordnete stimmten für ihn, während auf Hassan Mohamud 190 Stimmen entfielen. Sharif Ahmed und Abdiweli Ali stehen für ein zutiefst korruptes System, in dem in den vergangenen Jahren bis zu 70 Prozent der internationalen Hilfsgelder für Somalia unterschlagen wurden. Dieses Tandem hat es sogar geschafft, die Korruption in seinem Land auf die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates zu bringen - ein bislang einmaliger Vorgang in der Geschichte der Vereinten Nationen.

International ist Hassan Mohamud ein unbeschriebenes Blatt, aber unter seinen Landsleuten ist er bekannt. Das liegt an seinem Engagement für die Zivilgesellschaft und vor allem daran, dass er im Gegensatz zu drei Vierteln der Mitglieder der Übergangsregierung nicht aus Somalia geflohen war. Er ist Mitbegründer des „Somali Institute of Management and Administration Development“ (Simad) in Mogadischu, das sich inzwischen Universität nennen darf. Simad gilt als Kaderschmiede für die künftige Verwaltungselite des Landes, und das dürfte der maßgebliche Grund für Hassan Mohamuds Wahl zum Präsidenten gewesen sein: Somalia soll sich gemäß der neuen Verfassung in einen Bundesstaat verwandeln, und dieses ehrgeizige Projekt steht und fällt mit einer funktionierenden Verwaltung.

Direkte Kontakte zu al Shabaab

Geboren wurde Hassan Mohamud 1956 in Jalalaqsi in der zentralsomalischen Region von Hiran. Er gehört wie der unterlegene ehemalige Präsident Sharif Ahmed zum Clan der Hawiye. 1981 schloss er ein Studium der Erziehungswissenschaften an Universität von Mogadischu ab und ging anschließend an die Universität von Bophal in Indien, wo er sich auf die Ausbildung von Verwaltungsfachleuten spezialisierte. Zurück in Somalia arbeitete er nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 einige Jahre lang für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, bis diese 1995 nach der gescheiterten UN-Mission „Restore Hope“ das Land verließen. Vier Jahre später, 1999, gründete Hassan Mohamud das Institut Simad.

2009 war er Mitautor einer Studie des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP), die sich mit den Bedingungen für eine Stabilisierung seines seit 21 Jahren in einem permanenten Kriegszustand befindlichen Heimatlandes auseinandersetzte. Seine Empfehlung damals: Die somalische Diaspora in den Wiederaufbau einbeziehen, weil diese in der Regel gut ausgebildet und nicht mehr anfällig für das Clan-Denken sei. Damit nahm Hassan Mohamud die Entwicklung der vergangenen zwölf Monate vorweg. Seit der Vertreibung der radikal islamistischen Miliz Al Shabaab aus Mogadischu vor genau einem Jahr strömen monatlich bis zu 6000 Auslandssomalier zurück nach Mogadischu.

Hassan Mohamud steht der Gruppe Al Islah nahe, der somalischen Entsprechung der gemäßigten Muslimbruderschaft. Seine vor knapp zwei Jahren gegründete „Party for Peace and Development“ gilt als weltoffen. Trotzdem scheint Hassan Mohamud einen direkten Draht zu den Extremisten von Al Shabaab zu haben. Obwohl nahezu alle Hilfsorganisationen während der Hungerkatastrophe im vergangenen Jahr von der Miliz aus Südsomalia vertrieben wurden, durfte Hassans Simad weiterarbeiten. Der Sprecher von Al Shabaab verurteilte am Dienstag die Präsidentenwahl in Mogadischu als das „Werk unserer Feinde“, weil der ganze Prozess von den Vereinten Nationen organisiert worden war. Über Hassan Mohamud aber verlor er kein böses Wort. Im Gegenteil: „Persönlich habe ich nichts gegen ihn“, sagte Sheikh Ali Mohamud Rage.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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