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Portrait: Islam Karimow Ungewisser Ausgang

 ·  Als furchtloser Mann in der Löwengrube, so sieht sich Islam Abduganijewitsch Karimow, seit er Präsident zunächst der sowjetischen Teilrepublik und 1992 der unabhängigen Republik Usbekistan geworden ist.

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Als furchtloser Mann in der Löwengrube, so sieht sich Islam Abduganijewitsch Karimow, seit er Präsident zunächst der sowjetischen Teilrepublik und 1992 der unabhängigen Republik Usbekistan geworden ist. Es entspricht seinem Charakter, Krisen selber bewältigen zu wollen, statt zuzuschauen, ob sie lodern oder verlöschen.

Er ist aus dem bestens gesicherten Präsidentenpalast in Taschkent nach Andischan im Osten des Landes gereist, um mit den Leuten zu verhandeln, die man vielleicht schon Aufständische nennen könnte, nachdem sie um den Preis gewalttätiger Auseinandersetzungen Häftlinge aus einem Gefängnis befreit haben. Ob Karimow, wie er es gewohnt ist, sein Ziel erreicht, ist diesmal noch ungewisser, als es in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten an der Spitze des Pufferstaates zwischen islamischer und (sozialistisch umgeprägter) orthodoxer Welt ohnehin schon war.

Adenauer und Erhard

Der mit einer Russin verheiratete Usbeke ist in der sowjetischen Hierarchie groß und hart geworden. Geboren am 30. Januar 1938 in Samarkand, trat der Ingenieur 1964 in die kommunistische Partei ein und wechselte in die Staatsverwaltung. Er ist ein universeller Erfolgstyp und sieht sich wohl auch so.

Von seiner Gedankenwelt - er verweist in Deutschland gerne auf Adenauer und Erhard - und von seinem Habitus her hat er trotz seines Eides auf den Koran wenig gemeinsam mit den Islamisten, die sein Regime von Anfang an bedrängten. Andererseits sind sein offensichtliches Machtbewußtsein und sein Umgang mit der Bevölkerung als orientalisch zu beschreiben. Daran ändert auch nichts, daß er sich mit leiser Stimme und verbindlich in der Form mit Ausländern auf lange Gespräche über Pressefreiheit und politische Verfolgung in seinem Land einläßt.

Eindeutig Stellung bezogen

Die regierungsamtlichen Verletzungen der Menschenrechte in Usbekistan werden im Westen dem politischen Selbsterhaltungstrieb der Präsidentenfamilie zugeschrieben. Karimow selbst sieht sich statt dessen in der Rolle des Landes- und Regionalverteidigers gegen Fundamentalisten, Extremisten und sogar Terroristen. In den neunziger Jahren suchte er die Unterstützung Deutschlands und Europas für die Entwicklung seines Landes - und fand nach anfänglichem Zögern in Bonn schließlich eine offene Tür.

Erst die damalige Verständigung machte im Jahr 2002 den weiter geltenden deutsch-usbekischen Vertrag über die Benutzung des Flughafen Termez möglich, den die Bundeswehr für die Versorgung ihrer Truppen in Afghanistan braucht. Karimow hat seinerzeit ganz eindeutig Stellung bezogen auf der Seite des Westens, der angeführt wird von den Amerikanern, in denen die Islamisten ihren Todfeind sehen. Im vergangenen Jahr allerdings begann Washington, zu ihm auf Distanz zu gehen, merkwürdigerweise jedoch mit wirtschaftspolitischen Begründungen.

„Großer Bruder“

Der Präsident, der sich nur eine regierungsamtlich genehmigte Opposition vorstellen kann, sucht nun auch in aller Öffentlichkeit die Unterstützung Putins, mit dem er eine strategische Partnerschaft eingegangen ist.

Der riesige nördliche Nachbar Kasachstan ist eine Garantie dafür, daß Karimows Dauerziel von Norden her nicht gefährdet wird: Einem "großen Bruder", einer ideologischen Vormacht, wollen Usbekistan und auch Karimow nicht mehr unterworfen sein.

Quelle: F.A.Z., 14.05.2005, Nr. 111 / Seite 8
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