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Anschlag in Frankreich : Ermittler finden Sprengsätze in Supermarkt

  • Aktualisiert am

Spezialkräfte der französischen Polizei am Freitagnachmittag während ihres Einsatzes rund um die Geiselnahme in Carcassonne. Bild: AFP

Der Terror-Angriff in Südfrankreich hätte offenbar noch schlimmer ausgehen können: In dem Supermarkt fanden Ermittler mehrere Sprengsätze. Auch zum Attentäter gibt es neue Informationen.

          Nach dem islamistischen Terrorangriff in Südfrankreich haben Ermittler in dem Supermarkt, in dem die Geiselnahme stattfand, drei selbst gebaute Sprengsätze entdeckt. Wie die Deutsche Presse-Agentur weiter aus Justizkreisen erfuhr, wurden am Tatort in dem Örtchen Trèbes auch eine Pistole vom Kaliber 7,65 und ein Jagdmesser entdeckt.

          Der beim Zugriff erschossene Täter, der 25 Jahre alte Radouane L., hatte am Freitag in dem Supermarkt Geiseln genommen. Bei seinen Angriffen kamen außer dem Attentäter vier Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt.

          Außerdem haben Ermittler Notizen des Täters gefunden, die auf die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anspielen. Die handschriftlichen Aussagen seien bei einer Hausdurchsuchung am Samstag gefunden worden, berichteten mehrere französische Medien. Der Inhalt sei ziemlich verwirrend. Nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP erinnere das Geschriebene an ein Testament. Radouane L. lebte in einer Wohnung in Carcassonne zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern.

          In der Nacht zum Samstag  war ein Freund des Täters in Polizeigewahrsam genommen. Es handele sich um einen Minderjährigen, der im Jahr 2000 geboren worden sei, hieß es aus Ermittlerkreisen. Bereits am Freitag hatten die Ermittler eine Frau aus dem Umfeld des Angreifers Radouane L. in Gewahrsam genommen. Nach Angaben des Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins wollen die Ermittler unter anderem aufklären, ob der Täter Mitwisser oder Unterstützer hatte.

          Unterdessen ist der Polizist, der sich bei dem Anschlag auf einen Supermarkt in Südfrankreich gegen eine Geisel austauschen ließ, gestorben. Der 45 Jahre alte Gendarm Arnaud Beltrame erlag seinen Verletzungen, wie Innenminister Gérard Collomb am Samstagmorgen mitteilte. Staatschef Emmanuel Macron würdigte den verstorbenen Polizisten als „Helden“. Er verdiene „den Respekt und die Bewunderung der gesamten Nation“, erklärte der Präsident. Beltrame habe „außerordentlichen Mut und Selbstlosigkeit bewiesen“. Auch Innenminister Collomb würdigte den Mut des Beamten: „Niemals wird Frankreich sein Heldentum, seinen Mut und sein Opfer vergessen“, schrieb der Innenminister im Kurznachtichtendienst Twitter.

          Beltrame hatte am Freitag einer weiblichen Geisel das Leben gerettet, indem er sich gegen sie austauschen ließ. Er wurde angeschossen und lebensgefährlich verletzt, bevor Spezialkräfte schließlich den Supermarkt. Mit dem Tod des Polizisten erhöhte sich die Zahl der Opfer bei dem islamistischen Angriff auf vier.

          Frankreich war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel islamistischer Anschläge, dabei wurden mehr als 240 Menschen getötet. Bei der letzten Attacke in Marseille waren am 1. Oktober zwei Menschen getötet worden. Am tödlichsten war die Angriffsserie im November 2015 in Paris, bei der Islamisten 130 Menschen töteten.

          Der Polizist Arnaud Beltrame lies sich bei der Geiselnahme in einem Supermarkt freiwillig gegen eine Geisel eintauschen.
          Der Polizist Arnaud Beltrame lies sich bei der Geiselnahme in einem Supermarkt freiwillig gegen eine Geisel eintauschen. : Bild: dpa

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