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Polen und Russland : Die Moskau-Reise des Herrn Kownacki

Keine Putin-Freunde: Mitglieder der Solidarność demonstrieren 2014 vor der russischen Botschaft in Warschau für eine demokratische und unabhängige Ukraine. Bild: AFP

Verbindungen nach Moskau können nicht nur in Amerika zum Problem werden. In Polen steht ein stellvertretende Minister wegen seiner Kontakte unter Verdacht. Für den starken Mann des Landes ist das eine böse Überraschung.

          Polens nationalkonservative Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) hat sich von den übrigen nationalistischen Kräften Europas lange in einem wichtigen Punkt unterschieden: Unter ihrem Führer Jaroslaw Kaczynski schien sie immun gegen russische Lockungen. Folgte man Kaczynski, erschien Russland nicht als Fahnenträger christlich-patriotischer „Werte“, sondern als Aggressor. Dieses Bild wandelt sich jetzt. Mehrere polnische Journalisten haben offengelegt, dass vor allem Kaczynskis Stellvertreter in der PiS, Verteidigungsminister Antoni Macierewicz, über Jahre von einem Netz prorussischer Aktivisten umgeben war.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent für Polen und die Ukraine.

          Macierewicz ist nach Kaczynski der wichtigste Ideologe der Rechten, je nach Lage ein Kritiker Deutschlands, der EU oder Russlands, ein Mann mit überragendem Ansehen in den klerikal-nationalistischen Kreisen der PiS. Ein neu erschienenes Buch über mutmaßliche russische Verbindungen in seinem Umfeld bedroht jetzt allerdings seinen Ruf als unerbittlicher Kämpfer gegen alle Feinde Polens. In dem Buch leuchtet der Journalist Tomasz Piatek unter anderem den Fall von Oberst Krzysztof Gaj aus, den Macierewicz aus dem Ruhestand in den Generalstab geholt hatte, wo er mit dem Aufbau einer neuen polnischen Territorialarmee betraut war.

          Gaj verlor sein Amt 2016, nachdem publik geworden war, dass er die russische Intervention in der Ukraine als Kampf gegen „Faschisten“ gutgeheißen hatte. Eine weitere Figur aus dieser Reihe ist Marian Szolucha, der zeitweilig stellvertretender Chef des staatlichen Rüstungskonzerns Polska Grupa Zbrojeniowa (PGZ) war. Er stürzte, als seine Verbindung zur prorussischen Denkfabrik Europäisches Zentrum für Geopolitische Analysen (ECAG) bekannt wurde.

          Nach Informationen dieser Zeitung hat auch einer von Macierewiczs Staatssekretären, Bartosz Kownacki, in der Vergangenheit Verbindungen zu dieser Denkfabrik unterhalten. Denn er reiste 2012 als „Wahlbeobachter“ zur Präsidentenwahl nach Russland, und zwar offenbar auf Einladung des prorussischen ECAG. Die übrigen Teilnehmer waren alle durch prorussische Aktivitäten aufgefallen, einer stand auf gutem Fuß mit den Separatisten im russisch besetzten Osten der Ukraine.

          Prorussischen Strukturen der transeuropäischen Rechten

          Außerdem hat Staatssekretär Kownacki zu prorussischen Strukturen der transeuropäischen Rechten gehört, bei denen auch der Gründer des französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, und der frühere Vorsitzende der British National Party, Nick Griffin, eine Rolle spielten. Der stellvertretende Vorsitzende der prorussischen polnischen Splitterpartei Zmiana, Konrad Rekas, sagte dieser Zeitung, dass sowohl Kownackis Verbindungen nach Moskau als auch die zur europäischen Rechten vom Vorsitzenden der Nato-kritischen Zmiana-Partei, Mateusz Piskorski, geknüpft wurden.

          Staatssekretär Kownacki gehört mit seinen 37 Jahren zu der jüngeren Generation von Nationalisten, mit denen sein Chef, Verteidigungsminister Macierewicz, sich umgibt. Er wurde bekannt, als sein Minister 2016 mit Frankreich in Streit geriet, weil er in letzter Minute den Kauf von Airbus-Hubschraubern abgesagt hatte. Kownacki meinte damals, Franzosen seien ohnehin nur Leute, die „von uns gelernt haben, mit der Gabel zu essen“.

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