http://www.faz.net/-gpf-8zne9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 11.07.2017, 07:59 Uhr

Polen und Russland Die Moskau-Reise des Herrn Kownacki


Seite     1 | 2 | 3   |  Artikel auf einer Seite

Aktivitäten bei Denkfabriken

Auf der Website der Zentralen Russischen Wahlkommission ist nachzulesen, dass ebendieser Kownacki tatsächlich bei der russischen Präsidentenwahl von 2012 (die Wladimir Putin mit 64 Prozent gewann) einer von vier Beobachtern der Kategorie „Nichtregierungsorganisationen“ aus Polen war. Ein Blick auf diese Gruppe enthüllt Erstaunliches. Zu ihr gehörte nicht nur derselbe Marian Szolucha, der später, als seine Kontakte zum ECAG bekannt wurden, sein Amt beim Rüstungskonzern PGZ verlor, sondern auch ein weiterer Kopf derselben Denkfabrik: der erwähnte Mateusz Piskorski, Chef der prorussischen Partei Zmiana. Dieser leitete 2014, als Russland die ukrainische Halbinsel Krim eroberte, jene „internationale Beobachtermission“ aus teils rechtsextremen europäischen Politikern, welche damals eine von Moskau gelenkte „Volksabstimmung“ zur Loslösung von der Ukraine „beaufsichtigten“ – und die vermeintliche Volksabstimmung natürlich guthießen.

Fotos zeigen ihn beim Handschlag mit dem Chef der von Russland unterstützten „Donezker Volksrepublik“ in der Ostukraine, Alexander Sachartschenko. Ein weiterer Reisegenosse auf der Moskau-Fahrt des späteren Staatssekretärs Kownacki war der frühere polnische Abgeordnete Andrzej Romanek. Dieser war ebenfalls während der „Beobachtermission“ beim „Referendum“ zur Annexion der Krim aktiv. In dieser Gesellschaft also ist Macierewiczs späterer Staatssekretär Kownacki als Wahlbeobachter einer „Nichtregierungsorganisation“ nach Moskau gereist.

47441224 © Picture-Alliance Vergrößern Enge Kontakte zu Russland: Bartosz Kownacki

Konrad Rekas von der Partei Zmiana, der ebenfalls bei der prorussischen Denkfabrik ECAG aktiv ist, hat bestätigt, dass sein Parteichef über die Denkfabrik 2012 die Russland-Fahrt des späteren Staatssekretärs Kownacki „auf der polnischen Seite organisiert hat“. „Piskorski hat diese Mission organisiert und war der Mittler zwischen den polnischen und den russischen Partnern“, schreibt Rekas in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung. Der Kreis um Kownacki konnte sich so nach dieser Darstellung „diskret bei unseren russischen Partnern einführen, und russische Zivilorganisationen hatten Interesse an Kontakten mit polnischen Mitte-rechts-Kreisen, weil man annahm, dass ihre Macht wachsen würde. Bartosz Kownackis Interessenspektrum prädestinierte ihn für diese Mission schon wegen seiner früheren Kontakte mit Mateusz (Piskorski) und ihrer gemeinsamen Freunde“.

Wofür aber stehen das ECAG und die Partei Zmiana? Die Zmiana hatte bis vor kurzem ihren Sitz im ehemaligen Warschauer Haus der Polnisch-Sowjetischen Freundschaft und bezeichnet sich im Internet als die „erste nichtamerikanische Partei Polens“. Weiter heißt es: „Wir wollen nicht, dass Polen die Rolle eines amerikanischen Kettenhundes spielt.“ Warschau müsse stattdessen mit allen Nachbarn gute Beziehungen pflegen, „vor allem mit Russland“. Die Mitgliedschaft Polens in der Nato wird vehement bekämpft. Piskorski, der Parteichef, sitzt seit 2016 in Polen in Haft. Das Verfahren gegen ihn ist geheim, aber wie diese Zeitung erfuhr, geht es um Spionage. Eine Bitte um ein Gespräch mit ihm wurde von den Behörden zunächst nicht beantwortet.

Vorherige Seite 1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Kein Rabatt für Links oder Rechts

Von Reinhard Müller

Das Strafrecht kennt weder rechts noch links; wohl aber Terror und Mord. Schuldig macht sich, wer Gewalt für ein Mittel der Politik hält. Mehr 65 148