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Polen und Pentagon Washington und Warschau reden über Raketenabwehr

 ·  Polen könnte schon bald der wichtigste Partner der Vereinigten Staaten beim Aufbau der umstrittenen strategischen Raketenabwehr sein. Das melden amerikanische Medien unter Berufung auf Quellen im Pentagon. In Moskau regt sich Widerstand.

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Die Vereinigten Staaten und Polen stehen offenbar kurz vor einer Vereinbarung zur Errichtung eines Stützpunkts für die strategische Raketenabwehr. Das meldeten amerikanische Medien unter Berufung auf Quellen im Pentagon.

Die Gespräche sollen schon im Jahre 2002 aufgenommen worden und weit gediehen sein. Auch mit anderen europäischen Staaten wurden nach Angaben aus dem Pentagon vertrauliche Gespräche geführt, doch seien die Verhandlungen allein mit Warschau so weit fortgeschritten, daß mit einer Vereinbarung in absehbarer Zeit gerechnet werden könne. Die Regierung in Warschau habe ein „kontinuierliches Interesse an dem Thema“ gezeigt, sagte der namentlich nicht genannte Pentagon-Mitarbeiter. Aber auch mit anderen europäischen Staaten würden die Gespräche fortgesetzt.

Abfangraketen auf polnischem Territorium?

Amerikanische Offiziere sollen nach Berichten polnischer Medien seit längerem im Süden Polens nach möglichen Standorten für die Errichtung von Radaranlagen Ausschau halten. Offenbar ist aber auch der Bau von unterirdischen Silos zum Abschuß amerikanischer Raketen zum Abfangen feindlicher Langstreckenraketen auf polnischem Territorium geplant. Sollten die Pläne verwirklicht werden, wäre Polen der wichtigste Partner der Vereinigten Staaten beim Aufbau des umstrittenen Raketenabwehrsystems.

Bisher wurden auf dem Stützpunkt Fort Greely im amerikanischen Bundesstaat Alaska etwa ein halbes Dutzend Abfangraketen stationiert, deren Treffsicherheit bei den bisher vorgenommenen Tests keineswegs alle Wünsche der Entwickler des Waffensystems erfüllt haben.

Russischer Widerstand gegen amerikanisch-polnische Raketenpläne

Das System zur Abwehr feindlicher Langstreckenraketen fußt auf einem weltumspannenden, land- und seegestützten Radarnetz sowie auf Raketenabschußbasen, die im wesentlichen auf amerikanischem Territorium, aber auch in verbündeten Staaten, zumal in Europa gebaut werden sollen. Die in Polen stationierten amerikanischen Raketen sollen vor allem vor möglichen Raketenangriffe aus Staaten des Nahen Osten schützen. Zwar betont man in Warschau und Washington, für Moskau bedeuteten die Raketen keine Bedrohung, doch dürften diese Versicherungen den Widerstand der russischen Regierung gegen die amerikanisch-polnischen Raketenpläne kaum beseitigen.

Der neue polnische Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz hatte am Montag gesagt, er werde eine öffentliche Debatte über die Pläne zu einer amerikanischen Raketenbasis anstoßen. „Das ist eine wichtige Frage für Polen, für unsere Sicherheit und unsere Zusammenarbeit mit einem wichtigen Verbündeten“, sagte Marcinkiewicz. Die Regierung selbst werde die Pläne des Verbündeten weiter genau prüfen und „zum geeigneten Zeitpunkt mitteilen, ob dies gut für Polen ist oder nicht“. Das Nato- und EU-Mitglied Polen ist seit Jahren einer der wichtigsten Bündnispartner der Vereinigten Staaten in Europa.

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Von Klaus-Dieter Frankenberger

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