04.05.2006 · Radio Maryja propagiert in Polen Antisemitismus, Nationalismus und Regierungspolitik. Der Sender stößt bei den nationalkatholischen Kräften und in der Kirche auf Kritik. Zu seinen Freunden zählen dagegen die Zwillinge Kaczynski.
Von Konrad Schuller, WarschauRadio Maryja, der Sender des Redemptoristenpaters Rydzyk, der in Polen ein Millionenpublikum erreicht, unterteilt die Welt in Feinde und Freunde.
Seine Feinde sind außenpolitisch jene schattenhaften deutsch-jüdisch-europäischen „Verschwörer“, die angeblich darauf aus sind, Polen zu unterjochen, innenpolitisch aber jeder, der nicht „national“ gesinnt ist und „katholisch“ - also Kommunisten und Liberale ebenso wie gemäßigte Konservative oder Homosexuelle. Die Freunde des Senders dagegen sind seit einiger Zeit vor allem die Zwillinge Kaczynski - dieselben, die in den Wahlen vom Herbst sowohl das Präsidentenamt in Polen gewannen, als auch (durch ihre Partei Recht und Gerechtigkeit, PiS) die Kontrolle über die Regierung. Ihre Minister sind regelmäßig Gäste in Rydzyks Studios.
Zeichen der Mißbilligung vom Papst
Diese Mischung aus Antisemitismus, Nationalismus und Regierungspropaganda befremdet nicht nur alle nicht nationalkatholischen Kräfte in Polen, sondern auch die Kirche selbst.
Nachdem Papst Benedikt XVI. schon im Herbst Zeichen der Mißbilligung gab und die katholischen Medien mahnte, die „Autonomie der politischen Sphäre“ zu achten, sind am Dienstag die polnischen Bischöfe zusammengetreten, um zu beraten, wie die sendungsbewußten Redemptoristen gebändigt werden könnten. Manche Beobachter sahen für Rydzyk schon eine Zukunft als Missionar auf fernen Kontinenten voraus.
„Angriff gegen die Wiederherstellung des Staates“
Vor dem Treffen der Bischöfe hat der Pater aber mächtige Hilfe erhalten: Jaroslaw Kaczynski selbst, der mächtige, bekennend antiliberale Führer der PiS, ist am Dienstag für ihn in die Bresche gesprungen - in der überraschenden Rolle eines Verteidigers der Medienfreiheit. Kaczynski hat festgestellt, Kritik an Radio Maryja sei nichts Geringeres als ein „Angriff gegen die Wiederherstellung des Staates“, da doch der Sender ein „Teil der Front“ sei, die jetzt die Chance habe „Polen zu verändern“. Nur „Feinde der Freiheit“ könnten an der Existenzberechtigung des Senders zweifeln - und „Feinde der Demokratie“ natürlich, denn ohne Freiheit keine Demokratie.
Die Bischöfe haben nun - wie am Mittwoch bekannt wurde - darauf verzichtet, von den Redemptoristen die Absetzung Rydziks zu verlangen. Statt dessen soll Radio Maryja jetzt einen „Programmrat“ bekommen, der nicht mehr allein vom Orden kontrolliert wird, sondern zur Hälfte vom Episkopat.
Konrad Schuller Jahrgang 1961, politischer Korrespondent für Polen und die Ukraine mit Sitz in Warschau.
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