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Pjöngjangs Provokationen Nordkorea zieht Arbeiter aus Kaesong ab

Die südkoreanische Regierung spricht von „erhöhten Aktivitäten“ auf dem Atomtestgelände im nordkoreanischen Punggye-ri. Indes zieht Pjöngjang zehntausende Arbeiter aus der Sonderwirtschaftszone Kaesong ab.

© AP Vergrößern Der große Führer provoziert, und die Welt wird zum Hinsehen gezwungen: Szene aus Seoul, Südkorea

Der Konflikt um die gemeinsam von Nord- und Südkorea betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong hat sich am Montag verschärft. Koreanische Medien meldeten, die Führung in Pjöngjang habe angeordnet, die nordkoreanischen Arbeiter aus dem Industriekomplex abzuziehen, der rund zehn Kilometer nördlich der innerkoreanischen Grenze liegt. 123 südkoreanische Unternehmen produzieren dort preiswerte Textilien, Uhren, Metallteile und beschäftigen etwa 50.000 Billigarbeiter aus der nahegelegenen nordkoreanischen Stadt Kaesong.

Nordkorea hatte den südkoreanischen Mitarbeitern bereits in der vergangenen Woche den Transit nach Kaesong verweigert, behindert aber nicht deren Heimreise in den Süden. In normalen Zeiten arbeiten rund 800 Südkoreaner dort.

Der südkoreanische Vereinigungsminister Ryoo Kihl-jae sagte in einer ersten Reaktion, der Konflikt um Kaesong lasse sich derzeit kaum über Verhandlungen lösen. „Eine Rückkehr zur Normalität erfordert keine Verhandlungen“, sagte er. Zudem sei es fraglich, ob die Führung in Pjöngjang derzeit auf Gesprächsbitten aus Seoul überhaupt reagieren würde. Ryoo wies darauf hin, dass Kaesong in den zehn Jahren seines Bestehens ein Symbol für Frieden und Koexistenz zwischen den beiden Staaten gewesen sei.

Seoul: Anzeichen für weiteren Atomtest

In Nordkorea gibt es nach Angaben der südkoreanischen Regierung Anzeichen für einen bevorstehenden weiteren Atomtest. Das sagte Vereinigungsminister Ryoo am Montag bei einem Treffen mit Parlamentsabgeordneten in Seoul. Ein Abgeordneter hatte den Minister zuvor auf Medienberichte angesprochen, wonach auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände erhöhte Aktivitäten zu beobachten seien. Man wisse von Hinweisen, dass ein weiterer Test in Planung sei, sagte Ryoo. Einzelheiten nannte er allerdings nicht.

Karte / Sonderwirtschaftszone Kaesong © dpa Vergrößern Der nordkoreanische Industriepark Kaesong an der Grenze zu Südkorea

Als Ryoos Aussagen weltweit Schlagzeilen machten und die Sorgen vor einem möglichen militärischen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel nährten, begann Seoul damit, die Gefahr eines neuen Atomwaffentests wieder herunterzuspielen. Es gebe Bewegungen von Fahrzeugen und Menschen auf dem Atomtestgelände, „aber die bewegen sich im Rahmen normaler Aktivitäten“, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Es sei unklar, ob die Aktivitäten tatsächlich Vorbereitungen zu einem neuen Nukleartest seien oder dazu dienten, die Vereinigten Staaten und die südkoreanische Regierung bewusst in die Irre zu leiten, um dadurch den Druck zu erhöhen. Militärs in Südkorea bestätigten laut südkoreanischen Zeitungsberichten allerdings, dass Nordkorea wahrscheinlich den Start einer Mittelstreckenrakete von einer mobilen Raketenstartrampe an der Ostküste vorbereite.

Südkorea droht mit „schwerer Vergeltung“

Nach immer neuen Kriegsdrohungen aus Nordkorea und um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, hatte die amerikanische Regierung am Wochenende einen für diesen Dienstag geplanten Test einer Interkontinentalrakete verschoben. Der lange geplante Start der Rakete vom Typ Minuteman III habe nichts mit Korea zu tun, aber die Vereinigten Staaten hätten sich wegen der jüngsten Spannungen auf der koreanischen Halbinsel für die Verschiebung entschieden, sagte ein hoher Beamter des amerikanischen Verteidigungsministeriums nach Angaben des Senders CNN. Südkorea drohte dem kommunistischen Regime in Pjöngjang im Falle eines Angriffs mit schwerer Vergeltung. „Wenn ein lokaler Krieg ausbricht, muss Nordkorea mit schwerer Vergeltung rechnen“, sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Kim Jang Soo, am Sonntag.

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China zeigte sich „ernsthaft besorgt“ über die jüngste Eskalation der Korea-Krise und forderte alle Beteiligten zum Dialog auf. Das Außenministerium in Peking erklärte, man sei gegen „provozierende Worte und Taten von irgendeiner Partei“. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte sich seit dem letzten Atomtest im Februar zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

Putin und Merkel rufen Nordkorea zur Mäßigung auf

Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Nordkorea zur Mäßigung aufgerufen. „Wir waren uns sehr einig, dass die internationale Staatengemeinschaft beruhigend einwirken, aber auch deutlich machen muss, dass Nordkorea die Provokationen einstellt“, sagte Merkel in einer gemeinsamen Pressekonferenz auf der Hannover-Messe am Montag. Putin lobte die amerikanische Regierung dafür, dass sie den Test einer ballistischen Rakete zunächst verschoben hat, um keine neuen Spannungen auszulösen. „Wir müssen den Vereinigten Staaten für diesen Schritt danken“, sagte er. Alle sollten zur Mäßigung aufrufen.

Russland sei wegen der Spannungen in der Nachbarregion besonders besorgt und für eine Demilitarisierung der ganzen koreanischen Halbinsel. Wenn wirklich ein Atomkrieg stattfinde, seien die Folgen schrecklich: „Dann könnte Tschernobyl wie ein Kindermärchen erscheinen“, sagte er mit Blick auf die Katastrophe in dem Atomkraftwerk.

© reuters, Reuters Vergrößern Pjöngjangs Provokationen: Appelle zur Mäßigung an Nordkorea

Quelle: FAZ.NET mit cag.

 
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