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Hungerstreik in Haft : Ukrainische Pilotin an der „Grenze“

Nadjeschda Sawtschenko am 10. Februar bei einem Gerichtstermin in Moskau Bild: dpa

Nach 75 Tagen Hungerstreik geht es der in Russland inhaftierten ukrainischen Pilotin Nadjeschda Sawtschenko immer schlechter. In der Ukraine wird sie als Heldin verehrt, in Russland hingegen von kremltreuen Medien als „Tötungsmaschine mit Rock“ verteufelt.

          Der Gesundheitszustand der in Russland inhaftierten ukrainischen Pilotin Nadjeschda Sawtschenko verschlechtert sich weiter. Nach 75 Tagen Hungerstreik stehe sie „an der Grenze“, sagte ihr Anwalt Mark Fejgin am Donnerstag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie erhalte zwar Medikamente, verweigere aber nach wie vor jede Nahrungsaufnahme.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Mit ihrem Hungerstreik protestiert Sawtschenko dagegen, dass sie weiterhin in russischer Untersuchungshaft ist. In einem Brief aus der Haft kündigte sie am Dienstag an, nicht aufzugeben. „Denn ich kämpfe nicht nur für mich, sondern gegen das System, und dieses tötet diejenigen, die Angst vor ihm haben“, weiche aber vor denjenigen zurück, „die sich nicht „einschüchtern lassen“.

          Die russische Justiz wirft der 33 Jahre alten Sawtschenko vor, in die Tötung zweier Mitarbeiter des russischen Staatsfernsehens Mitte Juni 2014 nahe Luhansk verwickelt zu sein. Zudem wird ihr illegaler Grenzübertritt vorgehalten. Die Verteidigung weist alle Vorwürfe zurück; Sawtschenko sei zum Zeitpunkt des Todes der Männer schon in der Gewalt von Separatisten gewesen, die sie später nach Russland verschleppt und den russischen Behörden übergeben hätten.

          Untersucht durch deutsche Ärzte

          Die Außenminister der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten haben Russland aufgefordert, Sawtschenko freizulassen, indes ohne Erfolg. Am Montag hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass deutsche Ärzte nach einer Absprache zwischen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Satwschenko am 15. Februar in der Haft untersucht hätten. Über das Ergebnis sei Stillschweigen vereinbart worden. Fejgin sagte dazu, die Ärzte seien „nicht optimistisch“ gewesen.

          In der Ukraine wird Sawtschenko als Heldin verehrt, in Russland hingegen von kremltreuen Medien als „Tötungsmaschine mit Rock“ verteufelt. Für die Partei Batkywtschina Julija Timoschenkos war Sawtschenko im Oktober in das ukrainische Parlament gewählt worden, das die Gefangene als Abgeordnete in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg bestimmt hat.

          Am 4. März solle, so Anwalt Fejgin, ein Gericht in Moskau über die Beschwerde der Verteidigung gegen die Weigerung der russischen Behörden verhandeln, Sawtschenko an einer Sitzung des Gremiums teilnehmen zu lassen. Es sei aber unklar, ob Sawtschenko noch in der Lage sein werde, an der Verhandlung teilzunehmen. Zuletzt war es Sawtschenko und ihrer Schwester bei einem Besuch im Untersuchungsgefängnis verwehrt worden, sich auf Ukrainisch zu unterhalten.

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